Vorschau #HSVB04

Der Verein macht mich fertig. Ich merke, wie mich alles sehr mitnimmt. Und dabei meine ich nicht nur die sportliche Situation, sondern auch die Tatsache, daß die alten Seilschaften sich wieder aufgeschwungen haben, die Macht zu erobern. Und unser eV-Präsident lässt sich vor deren Karren spannen, nur um an der Macht zu bleiben.
Also Leute, wenn ihr Mitglied unseres schönen HSV seid, geht zur Wahl. Platz ist genügend vorhanden, lasst euch davon nicht abschrecken.

Zum Spiel: Letzte Woche haben wir mal wieder Lob von allen Seiten bekommen, aber keine Punkte. Umgekehrt wäre mir lieber.
Diese Woche sollten wir gerne endlich mal Punkte einfahren, es wäre sehr von Vorteil. Aber es wird auch sehr schwierig werden. Leverkusen hat sich schon im Vorfeld über die unfairen Hamburger beschwert (ausgerechnet die Leverkusener). Ausserdem sind sie sehr angefressen, daß sie in der letzten Woche Zuhause gegen Hertha verloren haben und sie deshalb aus den CL-Plätzen gerutscht sind. Letzte Woche haben sie aber auch Leon Bailey geschont, das wird Heiko Herrlich gegen uns wohl auf keinen Fall tun.

Wenn ich die Zeichen richtig deute, dann wird Fiete Arp wohl für Wood starten und Sahilovic soll auch gute Karten haben. Wahrscheinlich wegen seiner guten Standards, die gegen Bayer entscheident sein könnten.
Meiner Ansicht nach sollten wir Tah unter Druck setzen. Er hat in den letzten Spielen den einen oder anderen Wackler drin gehabt. Und wir müssen Bailey in Schach halten. Deshalb würde ich Dennis spielen lassen und nicht Sakai. Er ist schneller. Ausserdem ist Dennis einer, der Stimmung bringen kann. In einem Heimspiel nicht ganz unwichtig. Auch ein Grund, warum ich Holtby vermisse. Fußballerisch eher weniger, aber wir brauchen jetzt Stimmung in der Mannschaft und auf den Tribünen. Dennis und Lewis können das bringen.
Dennis wird uns ja anscheinend im Sommer verlassen. Ich empfinde das als sehr schade.
Er ist mit Abstand der dienstälteste Spieler im Kader und mit Leib und Seele HSVer. Der nächste in der Rangliste ist Gideon Jung, der es gerade mal auf 3,5 Jahre bringt. Ein Zeichen dafür, daß wir es nicht schaffen, Spieler auch mal zu halten.
Die einzigen, die bleiben, sind die, die so große Verträge haben, daß niemand sie zu den Konditionen verpflichten will.
Das macht mich traurig. Aber trotzdem werde ich die Entscheidung nicht kritisieren, denn ich kann nicht sagen, zu welchen Konditionen Dennis verlängern würde.

Papa wird wohl wieder helfen können und steht erneut bei neun gelben Karten. Er sollte versuchen, gegen seinen Ex-Verein ohne auszukommen und sich in der nächsten Woche gegen Bremen die Zehnte holen. Dann fehlt er gegen Bayern, wo wir eh keine Punkte holen werden.

Es wird schwierig, aber wir spielen Zuhause, haben das Publikum im Rücken und Leverkusen ist schlagbar. Hoffen wir auf das Beste (fb)

 

Miesepeter, Erfolgsfans und Vereins-Brillen-Aufhaber

Eigentlich könnte ich heute da weitermachen, wo mein Blog-Kollege am Freitag angefangen hat.

Bei der Spaltung des Vereins und der gesamten Fangemeinde.

Der HSV hat verloren.

2:0 gegen eher schwache Dortmunder.

Und schon geht es los.

Es gibt Dummschwätzer, Schwarzseher, Panikmacher und es gibt Vereinsbrillenträger, Realitätsverweigerer und Erfolgsfans. Da sind die Absolut-keine-Ahnung-Haber und auf der Gegenseite natürlich auch die, die absolut Ahnung haben.

Ich persönlich kann beide Seiten verstehen.

Aber: kein Mensch ist gleich gestrickt. Niemand geht mit Niederlagen unbedingt genau so um, wie sein Nachbar, Kollege oder Freund.

Jeder hat ein eigenes Gefühlsleben, Emotionsfeld, seine eigene Sichtweise auf das Spiel und wie er mit dem momentanen Tabellenstand umgeht.

Ich finde, man sollte jedem seine Meinung lassen und nicht versuchen, anderen seine eigene überzustülpen. Vielleicht auch noch mit unflätigen, beleidigenden Beinamen. Schlimm finde ich zudem die, die anderen, wegen ihrer Skepsis auf einen Klassenerhalt, das Fan-Sein komplett absprechen.

Wer sagt eigentlich, dass a) nur derjenige Fan ist, der 12×3 zusammenzählen kann und mit Inbrunst „weiß“, dass am Ende zwei, drei Mannschaften hinter uns stehen oder b) sieht, dass Engagement allein eben nicht reicht und es durchaus sein kann, dass wir am Ende in Schönheit sterben?

Wir sind alle Fans des Hamburger Sport Vereins.

Wir tragen alle die Raute im Herzen.

Und ich traue mich zu sagen, dass 99 Prozent von uns die Mannschaft auch in Liga 2 begleiten würden, um sie dort zu unterstützen!

Fakt ist, dass wir gestern erneut ein engagiertes Spiel sehen konnten, es aber wieder mal nicht für Punkte gereicht hat.

Man hat deutliche Verbesserungen im Mittelfeld gesehen, wo der Ball auch mal lief und nach hinten haben alle gut mitgearbeitet.

Die 1. Halbzeit hat eigentlich Mut auf die 2. gemacht. Da war was drin. Da lag was in der Luft.

Wood und Walace und Kostic versuchten sich im Abschluss, was bekannter Weise nicht funktioniert hat.

In der Kabine hat der BvB dann anscheinend einen dicken Einlauf bekommen. Denn es dauerte genau vier Minuten, da klingelte es im Kasten von Christian Mathenia.

Torschütze: Michy Batshuayi, der Neue in den Dortmunder Reihen trifft bereits zum 3. Mal, seitdem er Schwarz-Gelb trägt.

Hollerbach reagiert, wechselt Arp gegen Wood und Salihovic gegen Hunt (der in der 1. Halbzeit ein ordentliches Spiel gemacht hat).

Unsere Jungs gaben nicht auf. Auch in den letzten beiden Spielen hat man sich ja, nach einem Rückstand immerhin noch zum Unentschieden geschossen.

In der 71. Minute geht Hollerbach All-In und bringt Hahn für Ekdal.

Und auch wenn es besser aussieht. An der Passquote hat sich, statistisch gesehen, noch nicht viel geändert. Noch immer geht fast jeder dritte Ball direkt zum Gegner. Und auch in den Zweikämpfen lag man mit 37,25 gegen 62,75 Prozent deutlich hinten.

Zehn zu acht Torchancen sprechen eine deutliche Sprache über das gesamte Spiel. Nur, dass die Dortmunder zwei davon erfolgreich verwandeln konnten, während in ihrem Strafraum eher ein laues Lüftlein wehte, tut weh.

Fazit: die Torloszeit von Wood hält an. Fiete wirkt inzwischen fast auch ein wenig verkrampft. Der Druck der auf ihm lastet, ist ihm anzumerken.

Speziell in der 2. Halbzeit taten sich bereits im offensiven Mittelfeld immer größere Lücken auf, die es selbst dem besten Knipser schwer gemacht hätte, den Ball ins Tor zu befördern.

Die einzelnen Mannschaftsteile sind noch weit von einem harmonischen Miteinander entfernt oder auch mal mit Mann und Maus nur mit Verteidigen beschäftigt.

Die Reaktionen der Mannschaft, im Anschluss an die erste Niederlage unter Neutrainer Hollerbach, kann ich inzwischen leider auswendig.

Man hat sie nach den letzten Spielen rauf und runter gehört.

Gut gespielt, kein Vorwurf an die Mannschaft. Engagiertes Spiel, schade, dass wir uns nicht belohnt haben, jetzt schnell den Kopf frei und auf … konzentrieren.

In diesem Fall stehen die Pünktchen für die Leverkusenener, die gestern gegen Hertha verloren haben.

Aktuell stehen sie auf Platz 5 der Tabelle und natürlich will man die CL-Plätze erreichen.

Das wird ein heißer Tanz, nächste Woche im Volkspark.

Und ehrlich? Ich weiß nicht, wie Hollerbach es schaffen will, die Torflaute bis dahin in den Griff zu bekommen…

Ich persönlich fand es schon ein bisschen erschreckend, dass Sakai unter der Woche aus dem Ex-Trainer-Nähkästchen plauderte und erzählte, der neue Übungsleiter hätte ihnen erklärt, dass man sich (sinngemäß) auch mal ohne Ball bewegen müsste, um sich den Mitspielern anzubieten…

Sei es wie es wolle. Der HSV stagniert auf Platz 17, mit ebenso vielen Punkten, freut sich schon mal, dass auch Mainz gestern nicht gepunktet hat und zittert, dass weder Werda noch Stuttgart heute einen Dreier einfahren.

Das Zittern wird wohl bis zum Ende der Saison nicht aufhören.

Und zwar für alle.

Seien es für die Schwarzseher, die Vereinsbrillenträger oder auch für die mit einer Glaskugel, in der Hoffnung und Panik zeitgleich versammelt liegen.

Ach, eins noch. Ja. Die Mannschaft hat gekämpft und wollte sichtbar Zählbares mitnehmen.

Sich anschließend aber bei den Jungs dafür zu bedanken (und damit meine ich nicht den Applaus in der Kurve), geht für mich doch ein wenig weit. Schließlich ist Fußball spielen und dabei immer ihr Bestes geben verdammt noch mal ihr Job!

(mg)

P.S.: ein Hinweis für alle, die sich noch mehr Infos über die Wahl des e.V-Präsidenten, auf der MV, am kommenden Wochenende einholen möchten: heute Abend, im Sportclub, 22.50h, auf NDR und am Montag, um 22.30h, auf Sky Bundesliga HD1, die Kia-Fußballdebatte gucken. Bei Sky ist Bernd Hoffmann zu Gast.

Vorschau #BVBHSV

Ein Verein zwischen Selbstzerfleischung und Fatalismus.

Der HSV macht mich fertig. Und nein, es sind nicht die Leistungen der Mannschaft, die, um es vorsichtig auszudrücken, nicht sehr gut sind, sondern eher die Fans.
Seit einiger Zeit kokettieren viele Fans damit, daß sie den Verein nicht mehr unterstützen mögen, daß sie es leid sind, den ständigen Abstiegskampf zu ertragen, daß sie müde sind usw.
Ich verstehe diese Gefühle.
Was ich aber nicht verstehe, ist, daß sie dafür kämpfen, daß möglichst viele andere auch so fühlen.
Das will mir nicht in den Kopf.
Der Supporters Club, also die Vertretung der Fans, versucht, dem mit einem Aufruf entgegenzusteuern und erntet harsche Kritik.
Vornehmlich für Details.
Dem einen passt dies nicht, dem andern passt das nicht und alles wird mit einer Vehemenz kritisiert, die mich erschreckt.
Kann man nicht einfach mal cool bleiben?

Was mich betrifft, auch mich strengt das alles mal wieder sehr an.
Auch ich bin wütend ob der Leistung, die uns geboten wird.
Ich bin es leid, den HSV wieder und immer wieder unten am Boden zu sehen, zu sehen, wie die Mannschaft sich auf der einen Seite was aufbaut, nur um es im nächsten Moment wieder mit dem Arsch umzustoßen.
Auch ich bin müde, aber ich habe aus der Erfahrung der letzten Jahre eines mitgenommen: Wenn wir alle zusammenhalten, die Mannschaft bedingungslos unterstützen und nach vorne peitschen, dann werden wir es schaffen.
Davon bin ich auch dieses Jahr wieder überzeugt.
Ich bin mir sicher, wir werden am Ende über dem Strich stehen.
Aber das benötigt die Unterstützung der Fans.
Diese Emotionslosigkeit der letzten Wochen, was die Mannschaft angeht, ist erschreckend.
Deshalb auch der Aufruf

Auf der anderen Seite zerfleischen wir uns von innen heraus wieder mal selbst.
Sei es der Aufsichtsrat, der erneut einen Maulwurf innerhalb seiner Reihen hat(te) oder sei es beim Wahlkampf um das Präsidium des eV.
Man kann doch unterschiedlicher Ansicht sein, ohne dabei die Diskussionskultur zu verlassen, oder? Man kann doch Argumente austauschen und gerne diese mit Pro und Contra kommentieren. Sachlich.
Sollte das nicht möglich sein?
Statt dessen ist es in Mode, Leute mit anderen Meinungen zu beschimpfen, durch den Schmutz zu ziehen, es ist in Mode, mit Falschaussagen zu agieren usw.
So liebe Leute, machen wir den Verein kaputt.
Und das alles hat letztendlich auch wenig mit demjenigen zu tun, den man vielleicht persönlich gerne an der Spitze des Vereins sehen möchte.
Was die Falschaussagen angeht: Es ist immer möglich, daß man hier und da mal etwas nicht weiß, aber meint, man würde es genau wissen.
Das passiert mir auch. Aber so oft, wie das im Moment passiert, kann ich nicht umhin, zu behaupten, es hat Methode.
Und das macht mich fertig.
Viel mehr als der Fußball unserer Jungs. So machen wir uns kaputt, so machen wir unseren HSV kaputt.

Thema kaputt, kommen wir zum Spiel gegen H96: Dort hat Sascha Stegemnn den HSV kaputt gemacht. Er hat uns wieder einmal zwei Elfer verwehrt.
Das Foul von Sané an Kostic war so glasklar. Er räumt Kostic ab und trifft anschließend auch den Ball.
Bei Sky, wo ich mir bei anderen Entscheidungen als Begründung anhören muß, der Elfer wäre berechtigt, weil es da einen Kontakt gab, bestreitet sogar Hamann, daß es ein Elfer war. Ein Hohn!
Dietmar Hamann hat sich bei mir als Experte disqualifiziert. Es gibt wenige Elfer, die klarer waren, als dieser.
Und dann war da noch der Handelfmeter, der uns ebenfalls verwehrt wurde. Schwegler wird aus 10m Entfernung angeschossen. Wer es nicht schafft, die Hand bei einem Schuß aus 10m Entfernung wegzuziehen, der wollte es auch nicht. Sowas ist ein Elfer.
Kritiker werden jetzt kontern, Papa hätte wegen seines Fouls an Klaus Rot verdient. Dem ist nicht so.
Ja, Papa hat den Ellenbogen ausgefahren, gegen die Brust von Klaus. Und nur weil der den sterbenden Schwan mimt, heißt das noch lange nicht, daß sowas mit Rot geahndet werden muss.
Foul ja, Gelb ja, Rot nein.
Ansonsten war es gut zu sehen, daß Ekdal wieder dabei war. Wir haben zwar immer noch Schwierigkeiten, das Spiel zu machen. Erst recht, wenn der Gegner so tief steht. Trotzdem haben wir uns nach dem Rückstand wieder zurückgekämpft und den Ausgleich geschossen. Das zweite Mal, daß wir unter Holler nicht verloren haben.

Und nun kommen wir zum dritten Mal … zum dritten Mal, daß Holler Cheftrainer ist. Es geht nach Dortmund, wo der BvB unter Zugzwang steht. Der BvB ist unter Druck, gewinnen zu müssen. Viele werden behaupten, wir auch, aber dem ist nicht so. Niemand erwartet von uns auch nur einen Punkt. Also können wir nur gewinnen. Mental ne gute Ausgangslage.
Papa wird uns in der Abwehr fehlen. Ich bin gespannt, wer für ihn in die Mannschaft rutscht. Viele tippen auf Mavraj, ich hoffe auf Jung.
Und davor die Doppelsechs mit Ekdal und Walace. Ansonsten wird es wohl nicht allzu viele Änderungen im Vergleich zur letzten Woche geben.
Bobby und Kostic als Doppelspitze haben mir gut gefallen und ich könnte mir vorstellen, daß das auch ein gutes Mittel gegen die löchrige Abwehr des BvB sein könnte.
Bobby musste nach dem letzten Spiel wieder viel Kritik einstecken, weil er zwei sehr gute Chancen hat liegen lassen.
Ja, das war ärgerlich. Aber wir sollten nicht vergessen: Er hat inzwischen wieder klare Chancen.
Er ist gut gelaufen, hat gut gekämpft, gut gespielt, nur das Tor nicht getroffen. Macht er so weiter, dann klappt es mit dem Tor und wenn das erste gefallen ist, dann werden noch weitere folgen. Ich bin mir da sicher

Also, wir haben mal wieder keine Chance, nutzen wir sie.
Und bleibt friedlich und gesittet (fb) #nurderHSV

 

Leipzig, Hannover und ein Hollerbach

Kaum war er da, schon sorgte er für Gesprächsstoff.

Die Würzburger Kickers pochten plötzlich auf eine erhöhte Ablöse für ihren zurückgetretenen Trainer, Bernd Hollerbach, der zuvor beim Hamburger Sportverein unterschrieben hatte und holten dafür sogar die schwere Gerichtskeule raus, sollten sich die Hanseaten diesen Ansprüchen denn verwehren. Dass man dabei schlechte Karten gehabt hätte, verschwieg man wohlweislich.

Auf den HSV draufzuhauen ist nämlich gerade schwer in Mode.

 Wir befinden uns mal wieder im schweren Fahrwasser. Sportlich läuft es alles andere als gut, rund um den AR tobt ein Wahlkampf, mit der ein oder anderen Posse (es ist zum Beispiel alles andere als logisch, den neuen AR einzusetzen, wenn die Präsidentenwahl des e.V.s durch die Mitglieder, erst zwei Wochen später stattfindet) und nun gibt es auch noch Putschgerüchte. Ausgerechnet ein Mitglied des amtierenden ARs, der auch dem neuen (noch unter alter Führung) angehören sollte, hat, verschiedenen Medienberichten nach, versucht, Teile der AG-Vorstandsetage (Bruchhagen und Todt) abzuschießen. Zur Erinnerung: mit Bruchhagen hatte man erst Ende letzten Jahres verlängert…

Das alles sorgt für Auflage, das alles sorgt für Quote. Gewinner sind dabei (mal wieder) die Medien, Verlierer ist die Mannschaft, ist der HSV.

 Nun weiß man ja nie, welche und wieviel dieser Vorgänge bei den Spielern landet und man weiß auch nicht, wie jeder einzelne damit umgeht. Klar ist aber, dass Ruhe im Verein eine bessere Voraussetzung für alle wäre, sich ausschließlich auf den harten Abstiegskampf zu konzentrieren.

 Ein Abstiegskampf, in den der HSV ohne weitere Verstärkung geht.

Die Wintertransferphase ist beendet, der Kader bleibt.

Sportchef Todt, selber mächtig angezählt, flüchtet sich in verzweifelten Optimismus. Man vertraue der Mannschaft, sie sei allemal stark genug, den Klassenerhalt zu schaffen.

Inzwischen hat sich auch Klaus-Michael Kühne gemeldet. Er sei nicht gefragt worden, dem HSV erneut zu helfen, sagte er heute, in einem Gespräch mit der MoPo und prangerte damit eine verfehlte Transferpolitik an. Der HSV, so der Investor, sei für einen Klassenerhalt alles andere als gut aufgestellt.

 Puh.  Der gebeutelte Fan atmet mehrmals tief durch.

Nach den in der Hinrunde teils desaströsen Leistungen eben dieses Kaders ein schweres Brett, das da gebohrt werden muss. Von und mit Bernd Hollerbach gebohrt werden muss.

 Er dürfte die letzte Patrone des Duos Bruchhagen/Todt sein. Bekommt er nicht mehr Leben, mehr Leistung in jedes einzelne Mannschaftsglied, und formt schnellstens daraus eine Einheit, dürfte es für den HSV dieses Jahr in die 2. Liga und für die Führungsriege nach Hause gehen.

 Was kann man nun von Bernd Hollerbach erwarten?

Zunächst mal den allseits üblichen Trainerwechsel-Effekt. Unter einem neuen Übungsleiter muss sich jeder Spieler neu präsentieren, das Beste aus sich herausholen, sich anbieten, um im Kader und (hoffentlich bald) in einer Stammelf zu landen.

Das sorgt für neue Energien.

Im Spiel gegen Leipzig war davon das ein oder andere Mal etwas zu sehen. Mit einigen Überraschungen wartete Hollerbach in der Startelf auf. So bevorzugte er Mathenia, der nur zwei Spiele zuvor seinen Stammplatz an Pollersbeck verlor, setzte Hahn und Mavraj auf die Bank und ließ Holtby gar in Hamburg, während sich van Drongelen, Sakai und Walace von Anfang an auf dem Rasen wiederfanden.

 Walace hat, nach mehrfachen Gesprächen, wohl seine starre Abwehrhaltung aufgegeben und versichert, die Mannschaft im Abstiegskampf zu unterstützen.

Also irgendwie doch noch ein Neuzugang 😉

Positiv zu erwähnen ist, dass die Mannschaft nach einem Fehler von Hunt und dem daraus resultierenden 1:0 der Leipziger, in der 9. Minute, nicht wie gewohnt einbrach, sondern sich ins Spiel zurückkämpfte.

Das wurde in der 29. Minute, mit einem (im Nachhinein umstrittenen) Tor von Filip Kostic belohnt.

Endlich mal wieder ein Tor aus dem Spiel heraus!

Ob es nun Abseits war oder nicht, darüber mögen sich die Bremer und andere Experten gerne bis 2020 streiten. Der Schiri hat nicht gepfiffen. Es stand 1:1.

 In der 2. Halbzeit plätscherte das Spiel hin und her. Keiner der beiden Mannschaften wollte wirklich etwas einfallen, um die gegnerische Abwehrkette in ärgste Bedrängnis zu bringen.

 Der erste Wechsel von Hollerbach fand in der 77. Minute statt. Der wieder mal glücklose Bobby Wood ging, Fiete Arp kam.

Für meine Verhältnisse knüpfte Hollerbach da an, wo Gisdol aufgehört hatte: die Wechsel kamen zu spät. Jedenfalls wenn der Trainer nicht schon vorher mit einem Unentschieden zufrieden war.

 Man teilte sich die Punkte und Hamburg feierte das wie einen Sieg.

Doch was dieser eine Punkt wert ist, werden erst die nächsten Spiele zeigen.

Zugegeben, einen Trainer nach nur 12 Tagen und einem Spiel zu bewerten, wäre unfair.

 Mit Hannover kommt jetzt ein gefestigtes Team in den Volkspark. Mit erstaunlichen 27 Punkten steht der Aufsteiger auf Platz 10 der Tabelle.

Die Niedersachsen reisen mit einer Niederlage gegen den VFL Wolfsburg und dementsprechend heiß auf Punkte an.

Unsere Abteilung Sturm muss u.a. am hannoveranischen Eigengewächs Waldemar Anton vorbei. Der 21jährige Defensivmann gilt schon jetzt als eine der Entdeckungen der laufenden Spielzeit.

Pirmin Schwegler bewährte sich bisher im Mittelfeld als ordentlicher, aber nicht immer konstanter Ballverteiler. Von seiner Tagesform wird vieles abhängen. Denn genau dort, im Spielaufbau, liegt einer unserer Schwachpunkte. Jung und Walace werden es mit Schwegler wohl nicht leicht haben.

 Und vorne? Unsere Offensive sieht gegen Martin Harnik, Ihlas Bebou und Niklas Füllkrug (dem allein gelangen fünf Tore in den letzten vier Spielen) in der Statistik eher blass aus.

Das Offensivtrio wird zudem eine schwere Aufgabe für den in den letzten Spielen oft verunsichert wirkenden Papa. Er läuft außerdem Gefahr, bei einer weiteren Gelben Karte, für das nächste richtungsweisende Spiel, gegen Dortmund, gesperrt zu sein.

 Wood hängt in einer Torlosschleife, Kostic hat sich hoffentlich ein wenig mehr Selbstsicherheit aus seinem jüngsten Treffer geholt und Fiete Arp? Dem ist zu wünschen, dass er sich nicht durch den Hoffnungsdruck der jetzt, nach der Verkündung, dass keine Verstärkung mehr kommt, noch mehr auf ihm lasten dürfte, beeinflussen lässt.

 Gespannt darf man auf die genaue Hollersche Aufstellung sein. Denn, wie der Trainer verlauten ließ: es geht jede Woche nach dem Leistungsprinzip.

Mag also gut sein, dass ein Lewis Holtby wieder im Aufgebot steht. Albin Ekdal wird es, nach überwundener Verletzung wohl wenigstens in den Kader schaffen. Ebenso wie Arp, der unter der Woche zwar aussetzte, aber wohl auf der Bank auf Einwechslung wartet, während Jung, wegen eines Hexenschusses, wackelt.

Ich würde mir wünschen, dass auch ein Ito nicht wieder in der Versenkung verschwindet. Und mir fällt sogar spontan jemand ein, den ich gegen ihn in der Startelf tauschen würde 😉

 Hollerbach dagegen sei gewünscht, dass er schnell genug eine motivierte Stammelf ausmacht, die das mächtig verkokelte Eisen doch noch aus dem Feuer holt. Da bisher nur 44.000 Karten für das kleine Derby verkauft sind, gilt es für die, die da sind, noch ein bisschen mehr gute Stimmung zu machen, die sich dann hoffentlich auf den Rasen überträgt.

 Zusätzliche Spannung, hinsichtlich unserer Tabellensituation, dürfte das Spiel Werder gegen Stuttgart bringen. Gewinnen die Bremer und wir patzen gegen Hannover, ist selbst der Relegationsplatz 4 Punkte weit weg.

Köln steht gegen Dortmund auf dem Rasen. Auch da ist, nach den letzten Borussia-Spielen und der Aufholjagd der Kölner, alles möglich.

Hollerbach sah in der PK vor dem Spiel gute Chancen auf 3 Punkte im Volkspark. In dem Sinne: auf geht’s Jungs! Lasst euren Worten Taten folgen…

(mg)