Transfersommer ’17

Ich weiß, ihr wartet sehnsüchtigst auf meinen Blog zum Transferfenster dieses Sommers. (Ok, wahrscheinlich nicht, ich schreib trotzdem einen)

Ich will mich verhältnismäßig kurz fassen, denn ich werde wohl demnächst noch einen etwas längeren Blog zur aktuellen Situation des HSV schreiben.

Uns haben nach der Saison die Spieler Adler, Djourou und Ostrzolek ablösefrei verlassen. Die Verträge wurden nicht verlängert. Bei Ex-Käpt’n Djourou bestand wohl auch nicht die Chance darauf. Er und Markus Gisdol kamen wohl nicht so gut klar, auch ich hatte all zu oft den Eindruck, gerade wenn es eng wurde, versagten bei ihm die Nerven. Für einen Spieler, der sich als Führungsspieler sieht und der hinten den Laden dicht machen soll, ist das ne schlechte Eigenschaft.

Bei René Adler war es wohl etwas anderes. Der HSV hatte wohl im Frühjahr ein Angebot gemacht, in dem sich Adler nicht genügend wertgeschätzt fühlte. Er war wohl sehr enttäuscht. Wegen der erneuten Zuspitzung der Lage am Ende der Saison hatte man vereinbart, nach der Saison miteinander weiterreden zu wollen. In der folgenden Zeit wuchs der Entschluß Adlers, den HSV zu verlassen. Im Laufe der Transferperiode hat er allerdings erkennen müssen, wie man raushören konnte, daß der HSV mit seinen Vorstellungen näher am Markt lag, als René es sich vorgestellt hatte. In Mainz verdient er dem Vernehmen nach weniger, als er bei uns verdient hätte. René Adler wird nicht jünger und ist desöfteren mal verletzt. Und ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob er nicht auch zu denen gehört, die all zu leicht etwas zu früh zufrieden sind. Von daher bin ich nicht böse darüber, daß er gegangen ist. Trotzdem ist er ansonsten sehr professionell und ich wünsche ihm alles Gute in Mainz.

Der dritte ablösefreie Abgang ist der von Matthias Ostrzolek. Ich will ehrlich sein, ich bin froh, daß der Vertrag nicht verlängert wurde, auch wenn er zu denen gehört, die uns im letzten Jahr aus der Scheiße geholfen haben. Aber meiner Ansicht nach gehört er auch zu denen, die uns da rein geritten haben. Über Jahre haben wir gewartet, daß wir den Matze sehen, den wir in Augsburg bewundern durften. Aber erst als er mit Santos Konkurrenz bekam und auf die Bank musste, ist er durchgestartet.
Von daher, ich weine den Dreien, obwohl ich sie alle irgendwie mochte, kaum eine Träne nach.

Nach Saisonende musste man sich erstmal darüber klar werden, welches Budget dem HSV überhaupt zur Verfügung steht.
Dank Kühne konnten wir dann doch noch auf dem Transfermarkt aktiv tätig werden, ohne Leistungsträger verkaufen zu müssen.
Allerdings, und diese Kritik geht in Richtung Aufsichtsrat und auch Kühne: Man hätte sich das auch früher überlegen können und nicht erst im Mai, wenn die ersten Transfers schon hätten eingetütet sein sollen.

Michael Gregoritsch verließ den Verein in Richtung Augsburg. Dafür hat man in etwa für das gleiche Geld André Hahn von Mönchengladbach geholt. Ich finde, das ist ein guter Tausch. Gregerl ist ein reiner Mittelstürmer, der zur Not auch auf den Flügeln eingesetzt werden konnte. André Hahn ist ein Spieler, der auf allen 4 offensiven Positionen zu Hause ist und mit seinem Anlaufen und der Schnelligkeit und auch mit der Zielstrebigkeit besser zu unserem Spiel passt

Als Ersatz für Adler hat man sich für 3,5 Mio die Dienste des U21-Europameisters Pollersbeck gesichert. Ein Transfer mit Zukunft und ein Transfer, der Mathenia fordert. Polles Leistungsvermögen ist nicht so weit weg, von dem unserer Nr1.

In der Abwehr mussten wir viel investieren. Papadoupolos war nur geliehen, Djourou gegangen und wir waren eh etwas knapp besetzt. Da Papa sich hier sehr gut eingefügt hatte, Gisdol ihn wollte und er hier in Hamburg bleiben wollte, hat man sich bemüht, ihn fest zu verpflichten. Mit Erfolg, wie wir jetzt alle wissen.
6,5 Mio hat man überwiesen und falls er verletzungsfrei bleibt, müssen wir noch nachzahlen. Meiner Ansicht nach fair.

Als „vierter“ IV wurde Bjarne Thoelke geholt. Ablösefrei mit einem Einjahresvertrag, der sich leistungsbezogen verlängern kann.
In der Vorbereitung hat er sich bis zu seiner Verletzung gut gemacht. Als dritten IV hat man sich nach langer Suche für den jungen Rick van Drongelen entschieden.
Er ist 18 Jahre jung und kann zur Not auch auf LV eingesetzt werden.
Dort hat er bereits zwei ganz solide Spiele gezeigt.

Ausserdem kam Sven Schipplock von der Leihe aus Darmstadt zurück.
Sven ist ein Spieler, der wie die berühmte Faust aufs Auge für Gisdols System passen würde … wenn er denn ab und an mal das Tor treffen würde.
Nunja, treffen die anderen entsprechend, dann kann so ein Spieler trotzdem wertvoll sein, zumindest für die Bank. Aber wenn die anderen auch nicht treffen, dann kann man einen solchen Spieler nicht unbedingt gebrauchen.

Was auffällt: Alle Spieler haben eine gute Mentalität.
Von Papa wissen wir das ja eh. Aber auch André Hahn ist ein Kämpfer, van Drongelen heizt seinen Mitspielern ganz nett ein und auch Thoelke hat im Training nur Vollgas gegeben.
Und für Polle gilt das ebenso.Er ist jung, er macht Fehler, aber er hat eine Einstellung zum Fußball, die ausdrückt, daß ihn Fehler nicht belasten, sondern daß er versucht aus Fehlern zu lernen.
Ich mag den Kerl, der ist ne coole Sau.
Ich glaube, dieses Plus an Mentalität färbt auch auf den Rest der Mannschaft ab. Holtby ist nicht mehr der einzige, der alle heiß macht.

Lange Zeit suchte man noch einen LV. Man hatte zwei Spieler in die engere Auswahl gefasst, Roussillion aus Montpellier und Stafylidis aus Augsburg. Roussiollion hat sich mit der Zeit gegen einen Wechsel zum HSV entschieden und Stafylidis, der bei Baum fast nur noch auf der Bank saß, wollte gerne zum HSV.
Bei ihm war das Problem, daß Augsburg für ihn eine Summe aufgerufen hatte, die der HSV nicht stemmen wollte.
Reuter hatte anscheinend darauf gehofft, daß man in der typischen Manier der heissen Transferperioden, auf den letzten Drücker nochmal die Taschen aufmacht, zur Not mit Hilfe von Kühne.
Dem hat Heribert einen Riegel vorgesetzt. Zum Glück, auch wenn ich Stafylidis sehr gerne bei uns gesehen hätte.
Bezahlt werden sollte der Transfer letztlich durch den Verkauf von Douglas Santos, der den Verein (anscheinend auf Druck der Berater) verlassen wollte. Die ersten beiden Ligaspiele hatte er deshalb auch auf der Tribüne verbracht.
Nun ist er beim HSV geblieben. Es gibt nicht wenige, die darin ein Problem sehen. Ich gehöre nicht dazu. Ich hab überhaupt kein Problem damit, daß Santos beim HSV bleibt. Ich denke, wir haben den besten Santos noch lange nicht gesehen. Und er wird hier auch weiterhin Vollgas geben. Und sei es nur aus dem Grund, daß er sich für andere Vereine interessant machen will.

Ich hätte gerne noch eine Ergänzung für LV gehabt, auch wenn van Drongelen seinen Job dort gut erledigt hat.

Schaue ich mir die Summen an, die wir gezahlt haben, so empfinde ich sie allesamt als marktüblich.

Bei den Abgängen möchte ich noch zwei Spieler erwähnen.
Bahoui bekam eine Abfindung, damit er den Verein verlässt. Ursprünglich dachte ich, die Verpflichtung von Bahoui war ne gute kostengünstige Lösung, auch wenn sie ein gewisses Risiko barg. Inzwischen weiß ich, daß er ein Gehalt von 1,2 Mio bekommen hat. Und da war es mit kostengünstig vorbei. Und daran sieht man auch unser Dilemma: unsere Spieler bekommen zu viel Geld. Vor allem die, die noch von Didi eingestellt wurden. Ok, wir haben jetzt einmal gezahlt und einen Schlußstrich gezogen.
Lasogga hat uns auf Leihbasis verlassen. Ich bin großer Fan von Lasogga. Er ist ein guter Spieler in der Box und er ist charakterlich absolut einwandfrei! Ihm fehlt nur etwas die Spielintelligenz. Und er passt nicht in das jetzige Spiel des HSV.
Wir stehen tief und brauchen schnelle laufstarke Stürmer. Wie gesagt, Lasogga ist ein reiner Spieler für die Box.
Er ist zu Leeds gewechselt in die englische zweite Liga. Der HSV übernimmt dem Vernehmen nach das halbe Gehalt. Wir sparen das halbe Gehalt und wenn Leeds es schafft, ihn in der Box anständig zu füttern, dann steigt sein Marktwert und ich hoffe, er kann dann im nächsten Jahr verkauft werden. Ich bin da guter Hoffnung, denn seine Qualität kennen wir ja.
Wenn alles gut läuft, könnte das ein win-win-win-Deal werden.

Lange Zeit hatte man versucht mit Nicolai Müller den Vertrag zu verlängern. Aber dieser wollte nicht zu unseren Konditionen. Er liebäugelte mit einem Wechsel zu Wob. Hier ist der HSV hart geblieben. Nun hat er sich das Kreuzband gerissen und fällt ein gutes halbes Jahr aus. Der HSV hat trotzdem sein Angebot aufrechterhalten und vorraussichtlich wird der Vertrag verlängert. Ich finde das gut so.

Alles in allem empfand ich unsere sportliche Führung, inklusive Bruchhagen als wohltuend ruhig und unaufgeregt.
Auch wenn nicht alles so geklappt hat, wie man es sich vorgestellt hat.
Die Unruhe kam erst durch die Presse und zuletzt auch durch Kühne in den Verein.

Zu erwähnen sei noch, daß ich hier nur die wichtigsten Spieler behandelt habe. Im Ergänzungsbereich ist noch einiges passiert, auf das ich hier aber nicht weiter eingehen möchte.

Der Kader ist im Vergleich zum letzten Jahr wesentlich ausgewogener. Die Stimmung und die Mentalität ist besser als vor einem Jahr, die jungen Spieler, hier möchte ich namentlich Waldschmidt, Jatta und Walace nennen, sind einen Schritt weiter gekommen. Ich finde den Kader besser, als den von vor einem Jahr.
Allerdings muß man wissen, dass die Konkurrenz auch nicht gerade geschlafen hat.
Trotzdem denke ich, daß wir eine gute Saison spielen können.
Wie weit wir uns letztendlich von den Abstiegsplätzen fern halten, das kann ich nicht sagen, dazu ist es alles viel zu eng.
Aber eines weiß ich ganz genau: Diese Mannschaft weiß inzwischen, wie man die letzten Reserven mobilisiert, um den Plätzen 16-18 zu entkommen. (fb)