Kühne – Beifall klatschen oder auspfeifen?

Spätestens seit der Rückholaktion von van der Vaart zurück zum HSV 2013 wird über das Engagement von Klaus Michael Kühne für den HSV diskutiert. Wobei die Diskussionen sich oftmals am Rande der Sachlichkeit und darüber hinaus abspielen.

Kühne und seine Gattin waren große Fans von Rafa und so kam es, dass er van der Vaart gerne wieder beim HSV sehen wollte. In England bei den Tottenham Hotspurs war van der Vaart unglücklich. Der HSV immer noch „sein“ Club. Die Auftritte des HSV in der Bundesliga waren mehr als dürftig. Und so machte er seinen Geldbeutel weit auf und gab dem HSV ein Darlehen für die Rückholaktion. Hier muss man bedenken, dass auf der einen Seite Kühne mit seinem Geld steht und auf der anderen Seite Verantwortliche des HSV. Bei van der Vaart: Pro: Kühne, Hilke, Jarchow. Kontra: Frank Arnesen, damals sportlicher Leiter der Hanseaten. Leider konnte Arnesen sich nicht durchsetzen. Aber kann man dafür KMK verantwortlich machen? Es wurde keiner gezwungen, das Geld anzunehmen und den Transfer abzusegnen.

Nach der Ausgliederung 2014 hat Kühne dem HSV Geld für notwendige Transfers zur Verfügung gestellt. Ein halbes Jahr später folgte die Umwandlung in Anteile. Gleichzeitig kaufte sich Kühne für 4 Jahre die Namensrechte am Stadion für 4 Mio Euro / Saison. Hier gab es Kritik, dass KMK den Wert des HSV solange herunter beschworen hätte, bis der HSV weichgekloppt war. Ernsthaft? Sorry, aber das halte ich für an den Haaren herbeigezogen. KMK hat immer für weitere Investoren geworben. Dazu gehört es, dass der Wert dementsprechend attraktiv für Anleger ausgegeben wird. Eine Überbewertung hätte eine noch höhere abschreckende Wirkung erzielt. Selbst bei der angeblich zu niedrigen Bewertung hat der HSV es bis jetzt nicht geschafft, weitere größere Anteilseigner zu gewinnen. Ausserdem darf man bei einer Überwertung steuerliche Auswirkungen nicht ausser acht lassen.

In den Folgejahren musste KMK immer wieder für Darlehen herhalten (u.a. 25 Mio Darlehen für die Ablösung des Stadionkredites) oder auch um die Lizenz zu retten oder auch eine mögliche Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Von den Darlehen wurden insgesamt weitere 25,1 Mio in Anteile umgewandelt. Die 25 Mio für den Stadionkredit wurden nach 1 Jahr durch die Neuauflage der Anleihe (40 Mio) zurückgezahlt. Bei der Anleihe hat KMK NICHT investiert.

Insgesamt kommt man nach der Ausgliederung auf 43,80 Mio für Anteile, 16 Mio für den Stadionnamen. Weitere 25 Mio für das genannte Darlehen. Dieses entsprechen 84,80 Mio. Damit „verdient“ KMK lediglich für kurzfristige Zinsen. Wenn man hier einen Zinssatz von 5 % ansetzt werden es ca. 2 Mio an Zinsen sein. Über 3 Jahre verteilt entspricht dieses eine Gesamtrendite von 2,35% ! Auf 3 Jahre!!! Weitere Einnahmen sind die kommenden Jahre so gut wie ausgeschlossen. Gewinne wird die AG wohl kurzfristig nicht erzielen können.

Weiterhin hat KMK dann noch im letzten Jahr mit dem HSV ein Vereinbarung über mehrere Jahre getroffen, um Geld für Ablösesummen zur Verfügung zu stellen. Die Rückzahlung ist an den sportlichen Erfolg in den kommenden 6 Jahren geknüpft. (3x erreichen des europäischen Wettbewerbes. 1 Saison ist bereits beendet.) Hierfür werden lediglich marktübliche Zinsen fällig werden. Wenn man hier mit 3-5% kalkuliert wären dass bei jetzt insgesamt ca. 50 Mio 1,5-2,5 Mio / Jahr an Zinsen, die KMK erhält. Jeder kann jetzt für sich entscheiden, on KMK ein Investor ist, der mit dem HSV Geld verdienen möchte/will, oder eben ein (positiv) verrückter HSV Fan mit „zu viel Geld“.

Es werden auch Vorwürfe laut, dass der Kader zu teuer ist. Ja, aufgrund der Leistungen der vergangenen Jahre sind die Kaderkosten deutlich zu hoch. Er soll, so hat es Heribert Bruchhagen vor ein paar Tagen bestätigt, auf 48 Mio Euro heruntergefahren werden. Und das ist auch gut so! Dieses Vorhaben begrüße ich absolut. Die Kaderkosten müssen im Einklang mit dem Ertrag (Bundesligaplatzierungen) stehen. Kühne hat immer gesagt, der HSV müsse für die Gehälter selbst aufkommen. Damit hat er absolut recht. Dieses ist ein MUSS. Durch die Neuverpflichtungen in der aktuellen Saison geht der HSV natürlich ein Risiko ein, dieses Ziel erneut zu verfehlen. Aber das Risiko halte ich für absolut überschaubar. Die Verträge der „Hochverdiener“ laufen in 2018 und 2019 aus. (Holtby, Lasogga, Hunt, Ekdal) Dieses wird zwangsweise zu einer Etatentlastung führen. Die jetzigen Neuzugänge werden natürlich auch gutes Geld verdienen, liegen aber nicht in der oberen Gehaltsklasse. Ausgenommen wahrscheinlich Papadopoulos. Wobei ich hier auch denke, dass der Vertrag leistungsbezogen sein wird und er seine kolportierten 3 Mio nur bei dementsprechenden Einsatzzeiten erhält. Aber das ist nur eine Vermutung aufgrund der Ablösemodalitäten mit Bayer Leverkusen.

Welche „Baustellen“ ich in dem Kader sehe, habe ich vor einigen Wochen bereits aufgeschrieben. Von daher sehe ich noch Bedarf auf der IV und auf LV. Andere Neuzugänge sicher nur, wenn Personal abgegeben wird.

Mein Fazit zu Klaus Michael Kühne:

Ich bin sehr froh und dankbar, dass er dem HSV finanziell zur Seite steht. Diese Berichte, dass KMK Druck auf den HSV und den Aufsichtsrat ausgeübt hat und ihn womöglich noch erpresst habe, halte ich für reine Spekulation und teile diese Auffassung absolut NICHT.

Im Moment ist die Abhängigkeit aber absolut zutreffend. Das kann man nicht von der Hand weisen. Und in meinen Augen  ist die Annahme der Unterstützung auch notwendig. Der Anspruch des HSv ist es, dauerhaft unter den ersten 15 Mannschaften der Bundesliga zu stehen. Ohne Verstärkungen sehe ich nicht, dass die Mannschaft wettbewerbsfähig für genau dieses Ziel gewesen wäre. Aktuell sind sie auf einem guten Weg. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Für die Zukunft, die gerne schnell erfolgen darf, erhoffe ich auf Transferphasen OHNE Kredite / Darlehen von außen. Spieler wie Wood, Pollersbeck, Jung, Kostic usw. sollten und werden den HSV sicher als Sprungbrett sehen, um sich für andere Vereine zu empfehlen. Mit dementsprechenden Ablösesummen kann eine Unabhängigkeit erfolgen. Vielleicht ja schon schneller als erwartet. Persönlich rechne ich noch mit 2-3 weiteren schwierigen Jahren. Danach müssen wir aber spätestens in der Lage sein um Danke zu sagen. Danke Klaus Michael Kühne für die Unterstützung. Danke dass Sie uns aus der finanziellen Not herausgeholt haben.

Dafür benötigt es besonnene Entscheidungen in der Führungsregie des HSV. Insbesondere beim Vorstandsvorsitzenden und dem Finanzchef. Weiterhin benötigen wir auch ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Neuzugänge und natürlich auch ein wenig Glück in der Liga.

Nur der HSV