Ostrzolek klagt: „Mental ist es in Hamburg sehr schwer“

Zu dem Thema möchte ich auch mal meinen Senf dazugeben, wohlwissend, daß mir nicht jeder zustimmt.

Natürlich sind die Umstände in Hamburg nicht immer optimal gewesen, aber es hindert keinen Spieler sich voll reinzuhängen und dafür zu sorgen, daß es mental leichter wird in Hamburg.

Gerade Matze Ostrzolek hat 2 Jahre lang ohne jegliche ernstzunehmende Konkurrenz auf LV gespielt. Angefangen Leistung zu zeigen, hat er erst, nachdem man Douglas Santos verpflichtet hat und Matze dann erstmal auf der Bank Platz nehmen musste. Über zwei Jahre haben wir darauf gewartet, daß er mal annähernd die Leistung zeigt, die wir von ihm in Augsburg sehen konnten. Die ganze Zeit kam es so rüber, als wären Frisuren, Tattoos usw wichtiger als das Training für seinen Arbeitgeber

Falls die Trainer nicht das Wahre sind, sind die Spieler noch mehr gefragt. Dann ist Eigenregie gefragt, dann muß man ev auch mal was extra machen. Überhaupt, erfolgreiche Spieler arbeiten in Eigenregie (meist aber in Absprache mit dem Trainerteam). Ein Arjen Robben, man muß ihn nicht mögen, ist unter anderem deshalb so erfolgreich, weil er selbst im Urlaub fast täglich an der Säbener Strasse zu finden war. Dort hat er an seiner Fitness gearbeitet, aber auch an seinen technischen Fähigkeiten, indem er jeden Tag noch auf dem Trainingsplatz Flanken und Schüsse geübt hat. Ein Daniel van Buyten hatte damals ein Kopfballpendel im eigenen Garten, Rafa hat nach dem Training Freistöße usw bis zum Abwinken geübt, oftmals haben sich unsere Spieler damals dann noch zu einem Match Fußballtennis getroffen, wobei er dann meist nur mit rechts gespielt hat, um seinen schwachen Fuß zu stärken. (ps: Nur in seiner ersten Zeit beim HSV, nachher war er zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt)
Die Spieler haben an sich gearbeitet, um besser zu werden. In Eigenregie. Und das hätten unsere Spieler in den letzten Jahren auch ruhig mal machen können. Dann wäre es mental für alle etwas leichter geworden. Von nix kommt nix, wie meine Oma früher immer sagte.

Und auch in der Rückrunde hätten unsere Spieler es mental leichter haben können, wenn sie nicht nach dem Spiel gegen Hoffenheim ein paar Prozent runtergeschraubt hätten. So hat man letztlich Bremen abgeschenkt und Darmstadt noch dazu. Und plötzlich war man wieder mittendrin statt nur dabei und es war wieder mal mental nicht leicht, da wieder rauszukommen.

Es ist vielleicht mental nicht immer leicht in Hamburg, aber zu einem nicht unbedeutenden Teil haben sich die Spieler, und dabei möchte ich gerade Spieler wie Matze Ostrzolek hervorheben, das selber zuzuschreiben.

Die Fußballer verdienen viel Geld, ok, dafür bleiben sie trotzdem immer noch Menschen. Und ich bin der letzte, der es ihnen nicht abnimmt, wenn sie wegen zu hohen Drucks ihre Leistung nicht abrufen können. Aber sie können durchaus im Vorfeld viel dafür tun, daß sie genügend Fähigkeiten automatisiert haben, daß es trotz mentaler Belastung geht. Und daß man gar nicht erst in die Situation kommt, daß die mentale Belastung zu groß wird. (fb)

Kühne – Beifall klatschen oder auspfeifen?

Spätestens seit der Rückholaktion von van der Vaart zurück zum HSV 2013 wird über das Engagement von Klaus Michael Kühne für den HSV diskutiert. Wobei die Diskussionen sich oftmals am Rande der Sachlichkeit und darüber hinaus abspielen.

Kühne und seine Gattin waren große Fans von Rafa und so kam es, dass er van der Vaart gerne wieder beim HSV sehen wollte. In England bei den Tottenham Hotspurs war van der Vaart unglücklich. Der HSV immer noch „sein“ Club. Die Auftritte des HSV in der Bundesliga waren mehr als dürftig. Und so machte er seinen Geldbeutel weit auf und gab dem HSV ein Darlehen für die Rückholaktion. Hier muss man bedenken, dass auf der einen Seite Kühne mit seinem Geld steht und auf der anderen Seite Verantwortliche des HSV. Bei van der Vaart: Pro: Kühne, Hilke, Jarchow. Kontra: Frank Arnesen, damals sportlicher Leiter der Hanseaten. Leider konnte Arnesen sich nicht durchsetzen. Aber kann man dafür KMK verantwortlich machen? Es wurde keiner gezwungen, das Geld anzunehmen und den Transfer abzusegnen.

Nach der Ausgliederung 2014 hat Kühne dem HSV Geld für notwendige Transfers zur Verfügung gestellt. Ein halbes Jahr später folgte die Umwandlung in Anteile. Gleichzeitig kaufte sich Kühne für 4 Jahre die Namensrechte am Stadion für 4 Mio Euro / Saison. Hier gab es Kritik, dass KMK den Wert des HSV solange herunter beschworen hätte, bis der HSV weichgekloppt war. Ernsthaft? Sorry, aber das halte ich für an den Haaren herbeigezogen. KMK hat immer für weitere Investoren geworben. Dazu gehört es, dass der Wert dementsprechend attraktiv für Anleger ausgegeben wird. Eine Überbewertung hätte eine noch höhere abschreckende Wirkung erzielt. Selbst bei der angeblich zu niedrigen Bewertung hat der HSV es bis jetzt nicht geschafft, weitere größere Anteilseigner zu gewinnen. Ausserdem darf man bei einer Überwertung steuerliche Auswirkungen nicht ausser acht lassen.

In den Folgejahren musste KMK immer wieder für Darlehen herhalten (u.a. 25 Mio Darlehen für die Ablösung des Stadionkredites) oder auch um die Lizenz zu retten oder auch eine mögliche Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Von den Darlehen wurden insgesamt weitere 25,1 Mio in Anteile umgewandelt. Die 25 Mio für den Stadionkredit wurden nach 1 Jahr durch die Neuauflage der Anleihe (40 Mio) zurückgezahlt. Bei der Anleihe hat KMK NICHT investiert.

Insgesamt kommt man nach der Ausgliederung auf 43,80 Mio für Anteile, 16 Mio für den Stadionnamen. Weitere 25 Mio für das genannte Darlehen. Dieses entsprechen 84,80 Mio. Damit „verdient“ KMK lediglich für kurzfristige Zinsen. Wenn man hier einen Zinssatz von 5 % ansetzt werden es ca. 2 Mio an Zinsen sein. Über 3 Jahre verteilt entspricht dieses eine Gesamtrendite von 2,35% ! Auf 3 Jahre!!! Weitere Einnahmen sind die kommenden Jahre so gut wie ausgeschlossen. Gewinne wird die AG wohl kurzfristig nicht erzielen können.

Weiterhin hat KMK dann noch im letzten Jahr mit dem HSV ein Vereinbarung über mehrere Jahre getroffen, um Geld für Ablösesummen zur Verfügung zu stellen. Die Rückzahlung ist an den sportlichen Erfolg in den kommenden 6 Jahren geknüpft. (3x erreichen des europäischen Wettbewerbes. 1 Saison ist bereits beendet.) Hierfür werden lediglich marktübliche Zinsen fällig werden. Wenn man hier mit 3-5% kalkuliert wären dass bei jetzt insgesamt ca. 50 Mio 1,5-2,5 Mio / Jahr an Zinsen, die KMK erhält. Jeder kann jetzt für sich entscheiden, on KMK ein Investor ist, der mit dem HSV Geld verdienen möchte/will, oder eben ein (positiv) verrückter HSV Fan mit „zu viel Geld“.

Es werden auch Vorwürfe laut, dass der Kader zu teuer ist. Ja, aufgrund der Leistungen der vergangenen Jahre sind die Kaderkosten deutlich zu hoch. Er soll, so hat es Heribert Bruchhagen vor ein paar Tagen bestätigt, auf 48 Mio Euro heruntergefahren werden. Und das ist auch gut so! Dieses Vorhaben begrüße ich absolut. Die Kaderkosten müssen im Einklang mit dem Ertrag (Bundesligaplatzierungen) stehen. Kühne hat immer gesagt, der HSV müsse für die Gehälter selbst aufkommen. Damit hat er absolut recht. Dieses ist ein MUSS. Durch die Neuverpflichtungen in der aktuellen Saison geht der HSV natürlich ein Risiko ein, dieses Ziel erneut zu verfehlen. Aber das Risiko halte ich für absolut überschaubar. Die Verträge der „Hochverdiener“ laufen in 2018 und 2019 aus. (Holtby, Lasogga, Hunt, Ekdal) Dieses wird zwangsweise zu einer Etatentlastung führen. Die jetzigen Neuzugänge werden natürlich auch gutes Geld verdienen, liegen aber nicht in der oberen Gehaltsklasse. Ausgenommen wahrscheinlich Papadopoulos. Wobei ich hier auch denke, dass der Vertrag leistungsbezogen sein wird und er seine kolportierten 3 Mio nur bei dementsprechenden Einsatzzeiten erhält. Aber das ist nur eine Vermutung aufgrund der Ablösemodalitäten mit Bayer Leverkusen.

Welche „Baustellen“ ich in dem Kader sehe, habe ich vor einigen Wochen bereits aufgeschrieben. Von daher sehe ich noch Bedarf auf der IV und auf LV. Andere Neuzugänge sicher nur, wenn Personal abgegeben wird.

Mein Fazit zu Klaus Michael Kühne:

Ich bin sehr froh und dankbar, dass er dem HSV finanziell zur Seite steht. Diese Berichte, dass KMK Druck auf den HSV und den Aufsichtsrat ausgeübt hat und ihn womöglich noch erpresst habe, halte ich für reine Spekulation und teile diese Auffassung absolut NICHT.

Im Moment ist die Abhängigkeit aber absolut zutreffend. Das kann man nicht von der Hand weisen. Und in meinen Augen  ist die Annahme der Unterstützung auch notwendig. Der Anspruch des HSv ist es, dauerhaft unter den ersten 15 Mannschaften der Bundesliga zu stehen. Ohne Verstärkungen sehe ich nicht, dass die Mannschaft wettbewerbsfähig für genau dieses Ziel gewesen wäre. Aktuell sind sie auf einem guten Weg. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Für die Zukunft, die gerne schnell erfolgen darf, erhoffe ich auf Transferphasen OHNE Kredite / Darlehen von außen. Spieler wie Wood, Pollersbeck, Jung, Kostic usw. sollten und werden den HSV sicher als Sprungbrett sehen, um sich für andere Vereine zu empfehlen. Mit dementsprechenden Ablösesummen kann eine Unabhängigkeit erfolgen. Vielleicht ja schon schneller als erwartet. Persönlich rechne ich noch mit 2-3 weiteren schwierigen Jahren. Danach müssen wir aber spätestens in der Lage sein um Danke zu sagen. Danke Klaus Michael Kühne für die Unterstützung. Danke dass Sie uns aus der finanziellen Not herausgeholt haben.

Dafür benötigt es besonnene Entscheidungen in der Führungsregie des HSV. Insbesondere beim Vorstandsvorsitzenden und dem Finanzchef. Weiterhin benötigen wir auch ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Neuzugänge und natürlich auch ein wenig Glück in der Liga.

Nur der HSV

Jung und heiß. Ich könnt schon wieder…

Nun beginnt sie wirklich, die fußballlose Zeit.
Bis gestern hatte der hartgesottene Freund des Ballsportes noch Programm. Und während der ein oder andere mit einem mitleidigen Lächeln und großer Vehemenz die Spiele des Confed Cups in Russland erst gar nicht einschaltete, erfreuten sich andere von Spiel zu Spiel mehr an den jungen Wilden, die Jogi zum Turnier gebeten hatte.

Die Stammspieler sollten sich ausruhen. Müller, Boateng und Co durften also urlauben, während Draxler, Kimmich und der von vielen noch immer für seine Schwalbe ausgepfiffene Timo Werner das Warm Up für die WM im kommenden Jahr bestreiten durften. Ja, sie DURFTEN. Denn im Laufe des Turniers mag bestimmt so mancher „Stammspieler“ verwundert geschaut haben, läuft er doch inzwischen Gefahr, dass ihm der ein oder andere Bubi den Rang abgelaufen hat.
Dass Deutschland eine Turniermannschaft ist, das ist bekannt. Dass sich die bunt zusammengewürfelte und zudem mit einem Durchschnittsalter von 23,9 Jahren jüngste Mannschaft des Cups, durchaus harmonisch auf dem Feld präsentierte, damit hatten wohl die Wenigsten gerechnet (zum Vergleich: der gestrige Endspielgegner, Chile, schickte mit einem Durchschnittsalter von 30,9 Jahren, die älteste Mannschaft auf den Rasen).

Inzwischen betrachtet auch Trainer Jogi Löw, der mit sieben Neulingen im Team, bei seinem 6. Turnier den 2. Sieg einfahren konnte, diesen Confed Cup als Glücksfall. So bin ich mir sicher, dass eben dieser vielgeschmähte Timo Werner 2018 mit den deutschen Farben auflaufen wird und Löw vor einem Luxusproblem steht, wenn es um die Kaderauswahl geht.
Das war kein lockerer Test, wie ursprünglich gedacht. Das war Teamgeist, der sich da entwickelt hat, da war bedingungsloser Siegeswillen und da war ein Trainer, der endlich mal wieder Trainer sein durfte (was soll er einem Kedira oder Müller schon noch beibringen?).

Die übrigen Teilnehmer, ließen ihre besten Spielern auflaufen und verloren im Laufe des Turniers das müde Lächeln, mit dem man die „B-Elf“ der Deutschen Nationalmannschaft zuvor oft bedacht hatte.
Von der Presse viel zu schnell als Vorrundenausscheider ausgemacht, zum Confed Cup Sieger. Das schafft wirklich nicht jeder.
Deshalb für mich ein dicker Daumen hoch für Jogi Löw, der (vielleicht unbewusst) genau das Richtige tat, als er die „satten“ Weltmeister fast alle zuhause die Beine hochlegen ließ.
Auch die Auswahl passte. Die Jungs verstanden sich anscheinend prächtig und sie hatten alle ein Ziel vor Augen: am 2. Juli den Pokal in die Luft zu halten und im goldenen Lametta zu stehen. Ich freue mich für Spieler wie Joshua Kimmich, der im Luxuskader des FC Bayern München bisher nie groß zeigen durfte, was er kann. Ich hoffe, Ancelotti hat genau hingeguckt!
Timo Werners und Draxlers Gepäck dürfte auf der Rückreise noch ein Kilo schwerer sein. Denn den Torjägerschuh für den einen und die Auszeichnung als „Bester Spieler des Turniers“ wiegen eben ein paar Gramm. Ich freue mich für beide. Sie dürften nicht nur wegen der beiden Zusatzpreise in den letzten Wochen viel gelernt haben und ein Stück weit gereift sein. Ich gebe zu, ein bisschen Schadenfreude schwingt mit, wenn ich daran denke, dass der selbsternannte „beste Stürmer Deutschlands“ ohne den goldenen Schlappen nachhause fährt. Tja Herr Wagner, Sie hingegen dürften ein Stück weit geerdet sein. Gut so. Denn Diven braucht keine Mannschaft.

Mit einem Titel zu Ende gegangen ist am vergangenen Freitag ein weiteres Turnier. Die U21 schoss die favorisierten Spanier ab und darf sich, erstmals seit 2009, erneut Europameister nennen.
Dabei hatte es Trainer Stefan Kuntz noch einen Ticken schwerer, als sein Gegenüber, Jogi Löw. Denn da beide Turniere zeitgleich stattfanden, lud Löw einige potentielle U21 – Spieler nach Russland und Kuntz musste sehen, „was übrig bleibt“. Dass das bei Weitem nichts Schlechtes war, bewiesen die Youngsters in einem spannenden Turnier, bei dem sie nicht mal ein Elfmeterschießen gegen England ausließen. Mit kollektivem Willen zum Titel. Im Kader Namen wie Max Meyer, Mitchel Weiser und Marc-Oliver Kempf. Da mag der ein oder andere Trainer sich zu Hause wohl verwundert die Augen gerieben haben, während er stolz die Leistungen seiner Schützlinge in Polen verfolgte.

Nicht vergessen wollen wir, dass mit Gideon Jung und Neuzugang Julian Pollersbeck auch zwei HSVer im Kader und teilweise sogar in der Startelf standen. Ob Christian Mathenia den Sieg der Jungs und vor allem die Paraden seines direkten Konkurrenten wohl mit einem weinenden und einem lachenden Auge verfolgt hat? Man wird sehen, was Gisdol aus SEINEM Luxusproblem macht.
Wenn mir ein kleines Fazit erlaubt sei, so mache ich mir um die Zukunft des deutschen Fußballs keine Sorgen. Der Bundestrainer kann aus dem Vollen schöpfen. Und die Stammspieler im kommenden Jahr beweisen, dass sie mindestens noch genauso heiß auf Titel sind, wie es ihre jungen Kollegen vorgemacht haben.

Gleiches wünsche ich mir für den HSV. Natürlich träume ich nicht gleich vom Meistertitel. Aber diese Lust auf Fußball, den Willen zu siegen und alles für sein Team zu geben, das sollte drin sein.
Markus Gisdol seinerseits wird beweisen müssen, dass er aus den Spielern, die ihm zur Verfügung stehen, ein eben solches Team formen kann, wie auch immer das dann aussieht. Denn die Gerüchteküche steht ja noch lange nicht still. Und auch einige Abgänge, mit denen wir vielleicht noch gar nicht rechnen, dürften anstehen.
Es ist zu hoffen, dass bis zum Trainingslager im österreichischen Leogang, das Gros der Mannschaft steht und dass man an den bekannten Mankos, wie zum Beispiel der Eckenverwertung und dem Spielaufbau arbeitet.

Wir werden euch aktuell davon berichten, denn zwei BlogPerlen fahren mit nach Österreich. Freut euch auf viele schöne, hautnahe Berichte. Ich bin jedenfalls schon in Fußballstimmung. Meinetwegen kann es morgen wieder losgehen…
(mg)