Fietes Saisonrückblick 2016/17 Teil 3

In diesem Teil wird es unangenehm, es geht um den sportlichen Verlauf der Saison.
Diese fing relativ gut an, wir haben ausnahmsweise mal nicht in der 1. Runde des Pokals verloren.
Ok, das war sarkastisch, aber wir haben gewonnen, über das WIE will ich mich nicht auslassen.

Interessanter wird es im folgenden Spiel gegen Ingolstadt. Wir trennten uns 1:1 in einem Spiel, das wir hätten gewinnen müssen.
Aber uns fehlte die komplette Überlegenheit in der Zentrale.
Jung, der noch nicht ganz fit war nach seinen Rückenproblemen, spielte mit Hunt, dem die Position nicht liegt, auf der 6 und Gregerl auf der 10.
Daß das nicht die Optimalposition für ihn ist, wissen wir alle. Müller und Kostic nahmen nicht genügend am Spiel teil, um ihre Qualität auf den Platz zu bringen.
Überhaupt war alles Stückwerk, die Kombi Djourou/Cléber war eh nie die sicherste und Matze war auch fast ein Totalausfall.
Daß wir doch noch das 1:1 geschafft haben, verdanken wir Adler und Bobby Wood.
Adler hat hinten (fast) dichtgemacht und mit nem langen Ball auch noch den Assist zu Bobbys Tor.
Ein enttäuschender Start, denn gegen Ingolstadt waren die Punkte eingeplant.

In der Woche drauf waren wir in Leverkusen zu Gast. Das Spiel fing gut an. Spahic konnte für Djourou mitwirken, was der Abwehr große Stabilität verlieh und Holtby war nach langer Verletzung wieder auf dem Platz.
Sein Laufpensum war wieder mal enorm und hat die Leverkusener in Schwierigkeiten gebracht.
Bobby hat das 1:0 geschossen, alles sah gut aus. Dann musste Holtby raus und der nächste Wiedergenesene, Albin Ekdal kam rein.
Allerdings war Albin alles andere als fit und seine Leistung schlecht.
Es kam, was kommen musste, der Ausgleich.
Die Kräfte ließen nach und in der Nachspielzeit kassierten wir sogar noch Treffer 2 und 3. Alle drei Treffer von Palimpalim (oder ähnlich).
Der Fehlstart war komplett, die Mannschaft nicht fit und total verunsichert.
Es rächte sich, daß man nicht in DM/IV investiert hatte.
Aber auf der Bank saß ein neuer LV: Santos. Und nach der erneut schlechten Leistung von Matze war klar, im nächsten Spiel kommt er.

Leipzig hat uns abgeschossen, Didi gibt ein Interview, bei dem jedem klar wird, Bruno muss gehen, es ist nur die Frage wann.

In Freiburg ist nichts zu holen, unter anderem, weil Adler einen seiner wenigen Patzer der Saison gemacht hat.

Dann zuhause gegen die Bayern, die Mannschaft spielt gut, die Mannschaft spielt endlich mit der richtigen Besetzung im Mittelfeld, der Kopf ist klar, man hat nichts zu verlieren.
Es nutzt nichts, Kimmich netzt die Flanke von Ribery, der zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfte, ein.

Bruno wird entlassen, Gisdol übernimmt die Mannschaft.

Es folgen vier verdiente Niederlagen und ein glückliches Unentschieden.
Für mich war die Mannschaft abgestiegen, das will ich ganz ehrlich sagen. Auch war ich mir nicht sicher, daß Gisdol für uns der richtige Trainer ist.
Aber Gisdol hat durchgegriffen, einiges verändert und es folgen erst zwei Unentschieden und dann noch drei Siege in vier Spielen.
Wir haben auf Platz 16 mit 13 Punkten überwintert.
Das war wichtig, wir hatten aufgeholt, wir waren endlich wieder im Geschäft.

Im Winter hat man Cléber verkauft, Halilovic verliehen und Spahic sogar suspendiert, die große Überraschung.
Als Ersatz holte man Mavraj, Papadopoulos und Walace.
Nach der Winterpause wollte man loslegen. Im ersten Spiel 2017 legten wir wieder typisch HSV-mäßig los.
Anstatt, daß wir so engagiert zur Sache gingen, wie noch vor Weihnachten, kam wieder der alte HSV durch.
Eine dumme Rote Karte von Albin oben drauf und wir verloren gegen schlechte Wölfe 1:0.

Auch das Spiel gegen Ingolstadt ging verloren und es wurde wieder ernst, wir rutschten erneut auf einen direkten Abstiegsplatz.

Es folgte eine Reihe von guten Spielen, die nur durch das Desaster von München unterbrochen wurden.
Auch im Pokal konnten wir Köln im Achtelfinale deutlich besiegen.
Es ging aufwärts, man war durchaus guten Mutes.

Anscheinend zu guten Mutes.
Nach dem Hoffenheimspiel, das 2:1 für uns endete, lagen wir auf Platz 13. Vier Punkte Abstand auf Platz 16 und nur sechs Punkte zu Europa.
Wow, die Erfolge der letzten Wochen als Rückenwind, das leichteste Restprogramm und ein neues positives Ziel vor Augen, das man ohne Druck erreichen könnte.
Geht da noch was?
Naja, ihr kennt die Antwort. Gegen Bremen spielt man das Derby mit der Einstellung eines Freundschaftsspiels, gegen Darmstadt denkt man sich anscheinend, den Tabellenletzten vernaschen wir mit links und gegen Augsburg geht der Mannschaft wieder die Düse …

Platz 16, wir waren wieder da. Danach haben sich Teile der Mannschaft mit Gisdol getroffen, um die letzten Kräfte zu mobilisieren, um zu retten, was noch zu retten ist. Auch die Fans haben sich wieder in den „Kampfmodus“ begeben, Choreos, Spalierstehen usw, die Unterstützung war riesig.
Man bekam das „Endspiel gegen Wolfsburg und wir gewannen das Spiel, weil wir es mehr wollten, weil alle endlich wieder an einem Strang zogen.
Der gesamte HSV hat sich diesem einen Ziel untergeordnet.
Ein Kraftakt, mit dem die erneute Relegation verhindert werden konnte.
Wow, was fiel von allen an Ballast ab, die Freude war riesig, diese verfluchte Saison haben wir noch mit einem direkten Klassenerhalt abschließen können.
Alle haben gefeiert.
Auch ich hab gefeiert. Aber nun, fast 14 Tage später, ist es Zeit, das einzuordnen.

Ja, es war ein Kraftakt, die Klasse am Ende noch zu halten. Und ja, nach dem 10. Spieltag hätte ich das Ergebnis blanko unterschrieben. Aber nach dem 28. Spieltag waren wir fast gerettet und die Mannschaft fährt in ihrem Engagement runter.
Europa war vor Augen und man versucht gar nicht mal, dort anzugreifen. Egal, ob man es geschafft hätte, man hätte es versuchen können.
Es geht nicht um Europa, es geht einfach nur darum, daß man (mal wieder) zu früh zufrieden war.
Ich hätte sogar noch Verständnis dafür aufbringen können, wenn man sich nach Spieltag 30 hängen lässt, wenn man 39 Punkte hat und damit nur noch sehr theoretisch auf einen der letzten Plätze hätte rutschen können. Wäre zwar im Hinblick auf das mögliche Ziel Europa schade gewesen, aber auch das wäre verständlich gewesen. Aber nein, man lässt sich schon kurz vor dem Ziel hängen und wird von anderen überholt. Der anschließende Kraftakt war dann noch größer, als es bedurft hätte.
Und das ist nicht das erste Mal, daß unsere Mannschaft zu früh zufrieden ist. Letztendlich ist es genau das, was sich die letzten Jahre durch den HSV zieht.
Falscher Ehrgeiz ist nicht gut. Realismus ist auch wichtig. Und man darf nicht damit rechnen, daß alles optimal läuft und man ohne Hänger durch die Saison kommt. Aber dieses Versagen, weil man zu früh zufrieden ist, das ist anscheinend zur HSV-DNA geworden.
Und genau da müssen wir ansetzen! (fb)

Fietes Saisonrückblick 2016/17 Teil 2

Dieser Teil wird sicherlich sehr kontrovers diskutiert werden, denn er handelt von unserem Führungsteam, Schwerpunkt sportliche Führung.

Wie ich im letzten Teil schon angemerkt habe, herrschten Differenzen über die sportliche Ausrichtung der Mannschaft.
Während Peter Knäbel und Bruno Labbadia eine relativ konventionelle Ausrichtung wollten, mit soliden Spielern und einer soliden defensiven Basis, wollte Didi junge, hippe Offensivspieler.
Am besten solche, die später eine gute Wertentwicklung verbuchen können.
In der Theorie war Didis Weg der richtige, in der Praxis wurde er schlecht ausgeführt. Junge entwicklungsfähige Spieler zu holen ist gut. Aber das ist nicht genug. Das darf nicht auf Kosten anderer wichtiger Punkte gehen. Man muß die Balance der Mannschaft in jeglicher Hinsicht im Auge behalten. Und die war absolut nicht gegeben. Die erfahreneren Spieler waren nicht in der Lage, die jungen Spieler zu führen, Ofensive und Defensive waren vollkommen ausser Balance geraten, auf die Verletztensituation wurde keinerlei Rücksicht genommen. Die Mannschaft war nicht im Gleichgewicht. Junge Spieler nur der Jugend wegen zu holen, das kann nicht gut gehen. Der Rest muß auch passen.

Und man muß einen Weg auch mal zuende gehen.
Schauen wir mal drei Jahre zurück: Am 25. Mai 2014 haben wir mit einer überwältigenden Mehrheit das Konzept HSVPlus beschlossen, und Karl Gernandt hat angekündigt, daß er Didi Beiersdorfer als VV zum HSV holen wollte.
Gernandt und Beiersdorfer interessierte der Inhalt von HSV plus augenscheinlich wenig.
Kernpunkte waren: Schulden reduzieren und eine Mannschaft aufbauen, die sich an den Einnahmen orientiert. Mit einem guten Teil an jungen, entwicklungsfähigen Spielern.

Ergebnis ist: Schulden wurden gar nicht reduziert.
Ohne die aktuellen Zahlen genau zu kennen denke ich, wir haben mehr Schulden denn je.
Und was für meinen Blog hier das Hauptthema ist: Die Mannschaft wurde vollkommen konzeptlos zusammengestellt.

Im ersten Jahr kaufte Didi für viel Geld überteuerte Spieler.
An sich sind die Spieler größtenteils nicht schlecht, ein echtes Konzept kann man jedoch nicht erkennen.
Ein Jahr und drei Trainer später steht weniger Geld denn je zur Verfügung.
Das Hamburger Urgestein und Eigengewächs Tah mußte verkauft werden, damit man überhaupt handlungsfähig bleibt, denn neben nicht vorhandenem Geld mußte man ja auch noch Lewis Holtby bezahlen, der offiziell nur geliehen war, dessen Kaufoption aber sofort gezogen wurde.
In dieser Phase war viel Fantasie gefragt, um eine Mannschaft zusammenzustellen. Didi hat dieses Feld Labbadia und Knäbel überlassen, die ihren Job für die Verhältnisse eigentlich ganz passabel gemacht haben.

Wieder ein Jahr später ist Geld zum Ausgeben da. Knäbel und Bruno verpflichten zunächst mit eigenen Mitteln Mathenia und Bobby Wood für relativ wenig Geld. Ursprünglich war der Plan, noch weitere Transfers ähnlicher Größenordnung durchzuführen.
Die Namen Gondorf und Kevin Vogt geisterten recht glaubwürdig durch die Gazetten. Dann kamen Kühne mit seinem Berater Struth und mit Didi. Plötzlichen sollten junge Stars geholt werden.
Knäbel wurde vor die Tür gesetzt, Didi übernahm zusätzlich den SpoDi-Posten.
Kostic (14 Mio) und Halilovic (5 Mio) wurden geholt. Die Fans jubelten.
Dazu kamen noch Waldschmidt und Ferati von Stuttgart, der auch gleich wieder verliehen wurde.
Ok, die Spieler waren nicht schlecht und sie passten in das Konzept. Insgesamt wurde zwar etwas teuer eingekauft, aber wenn es noch Spieler für die kränkelnde Defensive gegeben hätte, dann wäre man nicht schlecht aufgestellt gewesen.

Schnell stellte sich dann aber herraus, daß sich bei diesen Transfers Beiersdorfer und Labbadia alles andere als einig gewesen waren.
Was Bruno da wohl schon wusste: Es würden kaum noch Verstärkungen für die Defensive kommen. Die von ihm ausgemachte Schwachstelle der Mannschaft wurde nicht beseitigt. Da half auch die späte Verpflichtung von Santos, einem Brasilianer, der wie einst Berg ein gutes Tunier gespielt hatte und dann für viel Geld zum HSV kam, nichts mehr.

Jeder Spieler für sich betrachtet war nicht schlecht. Aber die Mannschaft war alles andere als stimmig zusammengestellt.
Der Zwist zwischen Trainer und SpoDi war nicht zu übersehen, man konnte ihn fast körperlich spüren.
Streiten sich Mama und Papa, leiden die Kinder. Streiten sich SpoDi und Trainer, dann leidet die Mannschaft. Es mußte also gehandelt werden … nicht Didis Stärke.

Wir gingen das zweite Mal innerhalb von drei Jahren mit einem Trainer in die Saison, der SpoDi Didi nicht passte. Er unternahm trotzdem nichts.

Heidel hat es damals in Mainz besser gemacht: Man war mit Anderson aufgestiegen und hat ihn entlassen. Es passte nicht, obwohl man erfolgreich gewesen war. Die Entscheidung war richtig. Didi fehlte der Mumm für eine solche Entscheidung. Es kam, was kommen musste: Der Kader nicht stimmig, weil man sich nie einigen konnte, die Mannschaft von der Stimmung verunsichert, die verletzten Spieler stellten ein weiteres Problem dar…
Man startete mies in die Saison und wieder wurde dem Trainer nicht der Rücken gestärkt, er wurde alleingelassen.
Konsequenzen hat man aber auch nicht wirklich gezogen. Am Tag nach dem Leipzigspiel hat Didi ein denkwürdiges Interview gegeben. Er wirkte seltsam durcheinander und total verunsichert.
Danach war klar, Bruno war faktisch schon entlassen, es drehte sich nur noch um den Zeitpunkt. Der war zwei Spieltage später gefunden, nach einem guten Spiel gegen die Bayern. Nun könnte man meinen, der neue Trainer stand schon in den Startlöchern … mitnichten.

Und unser AR-Vorsitzender? Der machte auch eine erbärmliche Figur in dieser Krise. Er gab mehrere Interviews. Mal riss er Didi den Rücken auf, dann stärkte er ihm den Rücken wieder, dann zog er über die Mannschaft her, dann riss er Didi mal wieder den Rücken auf … vollkommen planlos. Da konnte man erkennen, warum der HSV nicht von der Stelle kam. Ein planloser Aufsichtsrat traf auf einen planlosen Vorstandsvorsitzenden.

Dazu mehrten sich dann noch Indiskretionen.
Beiersdorfer bekam den Auftrag, einen SpoDi zu verpflichten, aber man merkte ihm an, er wollte nicht. Er wollte SpoDi sein und bleiben.

Es kam, was kommen musste: Ein neuer Vorstandsvorsitzender, der dann einen SpoDi verpflichtete. Didi wurde erlöst.

Und wie es schon fast üblich ist beim HSV: Die Bekanntgabe erfolgte über die Medien. In einer Sendung von Sky90 wurde von Rainer Calmund bekanntgegeben, daß Heribert Bruchhagen neuer VV wird.
Der Wechsel allerdings wurde von Bruchhagen und Didi sehr professionell durchgeführt.
Bei allem, was ich hier und jetzt an Dietmar Beiersdorfer zu kritisieren habe: Er hat sich gegenüber dem HSV nie schäbig verhalten, er hat den Wechsel top mitgestaltet und er hat auch noch die Geschäfte des Sportdirektors bis zum Jahreswechsel weitergeführt, damit Bruchhagen Zeit hatte, einen passenden SpoDi zu finden. Dafür danke ich Didi.
Er ist ein HSVer, er ist ein symphatischer Mensch, er hat allerdings zu viele Fehler gemacht.
Seine Auswechslung war richtig, sie war konsequent, sie war gut.

Mit Heribert Bruchhagen haben wir einen alten Haudegen verpflichtet. Er kennt das Geschäft aus dem FF, er ist ein solider Vorstandsvorsitzender.
Allerdings darf man von ihm nicht erwarten, daß er visionär den HSV voranbringt.
Das muß er auch nicht. Er hat die Aufgabe, die man nach der Ausgliederung auch schon hätte durchführen sollen, den Verein zu beruhigen, dem Verein ein verlässliches Konzept zu geben, eine Basis zu schaffen, auf der sein Nachfolger dann aufbauen kann.
Mir Markus Gisdol zusammen hat er einen SpoDi verpflichtet, den er für passend hält. In Todt scheint er ihn gefunden zu haben.
Was auffällt ist, daß das Trio viel Ruhe in den Verein gebracht hat. Die Drei machen den Eindruck, als würden sie gut harmonieren.
Das haben wir beim HSV schon seit Ewigkeiten nicht mehr gehabt.
Alle, auch Jens Todt, machen einen souveränen Eindruck, sie vermitteln, dass sie wissen was sie tun.
Für Jens Todt kommt jetzt aber erst die Bewährungsprüfung: Er muß es schaffen, den Kader so umzubauen, daß auf der einen Seite Kosten gesenkt werden und auf der anderen Seite die Qualität nicht zu sehr leidet.
Und er muß endlich mal einen stimmigen Kader zusammenstellen. Einen Kader, der sportlich und menschlich passt und der auch dem System entspricht, das der Trainer spielen lässt. Ob er es schafft, wir werden sehen. Ich vertraue unserem neuen Team.

Ich möchte noch auf einige weitere wichtige Personalien eingehen: Im letzten Herbst hat mit Jörn Wolff unser langjähriger Pressesprecher den Verein verlassen. Man merkte ihm zuletzt auch an, wie sehr er unter dem Zwist in der sportlichen Führung litt. Till Müller ist sein Nachfolger.
Mit Joachim Hilke hat uns ein weiteres Vorstandsmitglied verlassen. Ihm wird im Nachhinein vorgeworfen, er habe sich persönlich am Verein berreichert. Ob dem so ist? Warten wir das Gerichtsurteil ab.

Und wegen der Indiskretionen hat Karl Gernandt den Aufsichtsratsvorsitz abgegeben. Ich empfinde diesen Schritt als positiv. Ich muß ehrlich gestehen, ich habe mir von ihm viel mehr erwartet. Ich finde es aber gut, daß er noch Mitglied des Aufsichtsrats ist. Schliesslich bleibt er die Verbindung zu Kühne.
Jens Meier wäre allzugerne sein Nachfolger geworden, so hatte man zumindest den Eindruck. Dem hat aber sein Arbeitgeber, die Hamburger Bürgerschaft, einen Riegel vorgeschoben.
Daraufhin ist „Eiche“Nogly aus dem Aufsichtsrat zurückgetreten, um den Platz für unseren ehemaligen Ehrenratsvorsitzenden Dr Andreas Peters zu schaffen.
Dr Peters ist dann der neue AR-Vorsitzende geworden. Ein Mann, der 100%ig korrekt ist.
Ob er Führungseigenschaften hat, man muß schaun. Was ich als ausgesprochen angenehm empfinde: Er hat seit seiner Amtseinführung, wenn ich mich recht entsinne, noch kein Interview mit der Presse geführt.
Hoffentlich bleibt das auch so. Wenn man einen guten Aufsichtsrat hat, dann ist es in der Regel so, daß man selbst als Kenner des Vereins ohne Google nicht sagen kann, wer im AR vertreten ist. Schaffen die jetzigen 6 Mitglieder das, haben sie schonmal einen Erfolg errungen.

Unterm Strich: Es hat sich im letzten Jahr in der Führung des Vereins viel getan. Fast alle wichtigen Posten wurden neu besetzt. Und die Neuen sind ruhig und solide. Ich denke, es wird ihnen gelingen, den HSV in ruhigere Gewässer zu bringen. Dort kann man dann Kräfte sammeln und mal wieder angreifen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. (fb)

ps: Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Auch Bruno Labbadia ist nicht unschuldig, auch er hat Fehler gemacht, von denen ich ihn nicht freisprechen möchte. Aber ich sehe Didi in der verantwortung, denn er war zu der Zeit der Chef, sogar ziemlich unangefochten der Chef. Er muß handeln, wenn es nicht läuft, und zwar rechtzeitig. Harmonieren der SpoDi und der Trainer nicht, dann muß man was unternehmen. Einfach das Thema aussitzen wollen, das kann nicht gutgehen.

Fietes Saisonrückblick 2016/17 Teil 1

Puuh, da sind wir dem Abstieg noch gerade mal wieder von der Schippe gesprungen. Dabei war das doch alles ganz anders geplant.
Wir hatten doch so viel Geld investiert, es sollte doch alles besser werden.
Was war passiert? Für mich fing das Drama schon Ende letzter Saison an.
Bruno und auch Peter Knäbel hatten festgestellt, daß der größte Handlungsbedarf in der IV und auf der 6 bestand.
Das waren die Aussagen der Beiden im letzten März.
Aussagen, die ich sehr unterstützt habe, denn auch ich habe unsere Schwäche damals schon den Problemen auf der Königsposition, dem DM ausgemacht.
Und in der Abwehrreihe waren wir auch nicht gut genug besetzt.
Weder nach Maße, denn nach Klasse.
Djourou war schon immer ein Risikofaktor, Spahic hatte seine beste Zeit hinter sich und Cléber Reis hatte immer Schwierigkeiten das richtig Maß zu finden.
Ersatz-IV Nr 2, Gojko Kacar war auch mehr verletzt, als fit. Wie so oft in seiner HSV-Zeit.

Von den Problemen auf unseren Außenpositionen mal ganz abgesehen. All das hat Bruno dazu bewogen, defensiver spielen zu lassen, als er normalerweise spielen lässt.

Eine Stärkung der Defensive wäre also gleichzeitig eine Stärkung der Offensive gewesen. So die Ansicht von Knäbel und Bruno.
Didi sah es anders.
Knäbel musste also den Hut nehmen und in der Folgezeit gerieten Didi und Bruno wegen der Transfers aneinander.
Nicht nur wegen der einzelnen Spieler, sondern vor allem auch wegen der grundsätzlichen Strategie.
Noch von Knäbel unter Dach und Fach gebracht, wurden die Transfers von Mathenia und Wood.
Gut und günstig, allerdings nicht sehr sexy.
Dafür sorgten dann die Transfers von Kostic für sagenhafte 14 Mio und der Transfer von Halilovic, einem aussortierten Spieler des großen, glorreichen FC Barcelona.
Der Superstar der Bundesliga, das Wahnsinnstalent.
Für die Aussage, beide wären zu teuer eingekauft, wurde ich ausgelacht.
Auf den Hinweis, daß Halilovic noch sehr viel lernen muss, bevor er zu einem wertvollen Teil der Mannschaft werden kann, bekam ich zur Antwort, ich hätte keine Ahnung.

Ok. Nachdem die beiden relativ rechtzeitig eingetütet wurden, waren alle begeistert.
Ich war, abgesehen von den Kosten, auch zufrieden, denn es sollte ja noch ein IV und ein 6er von Format kommen.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß Luca Waldschmidt noch relativ günstig der Eintracht abgekauft wurde.

Nun, die Vorbereitung lief … und wir hatten keinen etatmäßigen DM im Kader, der fit war. Bruno experimentierte viel, teils mit Sakai, teils mit Aaron Hunt, Finn Porath usw, jeder durfte dort mal spielen, keiner wirklich gut.
Am besten lief es noch mit Sakai auf der 6, woraufhin Dennis Diekmeier dann wieder in der Startelf stand. Ungeduld machte sich breit. Bei den einen, weil in der Defensive nichts passierte, bei den anderen, weil Bruno den neuen Fanliebling Halilovic nur sporadisch spielen ließ.
Die Saison rückte näher, es war keine Verstärkung in Sicht, man spürte förmlich körperlich die Dissonanzen in der sportlichen Führung des Vereins.
Nach dem Unentschieden gegen Ingolstadt, mit Jung (der in der Vorbereitung wegen Rückenproblemen nur fitgespritzt trainieren konnte) und Hunt auf der Doppel6 und Gregerl auf der 10, mussten wir die Hoheit im Zentrum komplett abgeben. Unser einziges Tor entstand nicht von ungefähr durch einen langen Ball von Adler direkt auf Bobby Wood. Danach ist Didi dann nochmal nach Brasilien geflogen, um Verstärkung zu holen … und kam nur mit einem LV zurück.
Ok, dort hatten wir auch Handlungsbedarf, trotzdem war das nicht die Hauptbaustelle. In der letzten Saison schon Probleme in IV und DM, in dieser Saison einen Spieler weniger (Kacar).
Ok, man braucht Glück und wenig Verletzungen, um eine solche Saison vernünftig spielen zu können.
Uns fehlte nicht nur das Glück, wir hatten auch noch Pech dazu. Der Kader hatte einige sehr gute Spieler, aber er war alles andere als ausgewogen zusammengestellt. Im Mai hatten wir gute Chancen, Kevin Vogt und Jerome Gondorf zu holen.
Beide zusammen hätten in etwa einen Halilovic gekostet.
Mit diesen Beiden, da bin ich überzeugt, hätten wir eine ruhige Saison spielen können.
Allerdings hätte das auch wieder den Aufschrei der Fans nach sich gezogen. Junge Talente sollten es sein und nicht so langweilige Neuverpflichtungen
(fb)

Ab in die Sommerpause mit euch!

Na, wenn das man keinen Ärger mit Mama Lasogga gibt 😉
Nach dem Siegtreffer wollte Pierre-Michel eigentlich nur mitjubeln.
Abgehalten davon haben ihn einige Ordner, die den gut „beschirmten“ Lasse, wohl wegen seines Baseballcaps nicht so wirklich erkannten, ihn für einen gemeinen Fan hielten, der den heiligen Rasen betreten hatte und ihn kurzerhand abführen wollten. Ebenso erging es übrigens auch Aaron Hunt, Finn Porath und dem neuen Pressesprecher, Till Müller (ohne Worte!)

Böse Zungen behaupten, bei Lasogga lag es daran, dass man ihn, ob seiner wenigen Einsätze, inzwischen einfach nicht mehr erkannte. Andere waren sogar ein bisschen froh, dass der bullige Stürmer, weil verletzt, mal wieder nicht im Kader stand.
Hätte er, dann wäre wohl er, statt des 21jährigen Luca Waldschmidt, in der 87. Minute eingewechselt worden. Und dann …

Hätte, wäre, wenn. So aber konnte Waldschmidt, von den Wolfsburgern sträflich vernachlässigt, nach einer Kostic-Flanke, mit seinem sauberen Kopfball einnetzen und den Hamburgern damit den Sieg und 3 Punkte sichern und den dritten Gang, innerhalb von vier Jahren, in die Relegation ersparen.
Vorausgegangen waren 90 Minuten Zitterpartie.
Den Willen konnte man unseren Jungs dabei nicht absprechen. Es fehlte eher am Können. Die weiten Pässe nach vorne wollten auch am Samstag oft genug keinen eigenen Anspielpartner finden und beim 1:0 für die Gäste sahen drei Hamburger, die um Robin Knoche Spalier standen, dem Ball ziemlich ratlos hinterher, als dieser sich, über Mathenia hinweg, in den Torwinkel schraubte.
Unser Ersatztorhüter war es denn aber auch, der mit einigen sauberen Paraden eine weitere Führung der Niedersachsen ein ums andere Mal vereitelte.

Wie aus dem Nichts entstand dann der Ausgleich für Hamburg. Eine Gemeinschaftsarbeit von Lewis Holtby und Filip Kostic, in der 32. Minute.

Die 2. Halbzeit sah dann geringfügig besser aus. Versuchten sich die Rothosen jetzt doch auch ab und an mal an einem Spielaufbau und durchliefen auch das Wolfsburger Mittelfeld erfolgreich.
Wolfsburg schaltete dagegen einen Gang zurück. Ihnen reichte das Unentschieden, das merkte man ihnen an.
Dumme Entscheidung. Denn, wie bereits bekannt, schickte Luca Waldschmidt sie dann doch noch in die Relegation und Hamburg in den 7. Fußballhimmel. Die Fans waren nicht mehr zu halten. Sie stürmten den Rasen und feierten, als sei man gerade Meister geworden. Auch der Fangemeinde fielen tonnenweise Steine, während der gesamten Saison gesammelt, vom Herzen.

Welchem Druck die Mannschaft unter Gotoku Sakai ausgesetzt, sah man nicht allein am Tränenausbruch des Kapitäns, gleich nach dem Schlusspfiff. Auch Trainer Markus Gisdol betonte das, im sonntäglichen NDR Sportstudio noch einmal.
Man sei völlig ausgepowert und das nicht erst seit dem letzten Spiel. Wer ihm dabei ins Gesicht schaute, der glaubte ihm jedes Wort.

Die Bundesliga-Saison 2016/17 ist Geschichte (außer für den VFL Wolfsburg 😉 )
Die Planungen für die kommende Spielzeit laufen bereits. Man werde sich punktuell verstärken, verriet Gisdol. An vier bis fünf Positionen sei dabei gedacht.

Fakt ist wohl, dass man sich von einigen Großverdienern trennen muss, um die immensen Kaderkosten zu senken.
Ob man sich in diesem Zusammenhang einen Kauf von Papadopoulus leisten kann, sei jetzt mal dahingestellt. So ein bisschen erinnert mich die Personalie an eben diesen Pierre-Michel Lasogga, der seinerzeit auch sowas wie der Motivator und anschließend auch Relegationsheld wurde und mit 8,5 Millionen (!) von Hertha losgeeist werden musste.
Leverkusen wird ebenfalls Mondpreise aufrufen. Nur wird es hoffentlich in Hamburg niemanden mehr geben, der diese noch einmal bezahlt.
So gern ich den kantigen Griechen auch weiterhin beim HSV sehen möchte, den Spruch „um jeden Preis“ kann und darf es nicht mehr geben!
Der erwähnte Spargedanke wird meines Erachtens auch Pierre-Michel Lasogga treffen. Ob und wohin man ihn verkaufen kann, auch das bleibt abzuwarten.

René Adler hat heute verkündet, dass er seinen Vertrag in Hamburg nicht verlängert. Aber um weniger Torhüterqualität muss man sich, wie gesehen, trotzdem keine Sorgen machen.
Ansonsten wird sich das Gespann Bruchhagen, Todt und Gisdol wohl in der 2. Liga umschauen, oder die Scouts finden anderweitig junge, hungrige Spieler, die schon immer mal diese eine Raute auf der Brust tragen wollten. Und dann sind da ja noch die eigenen „jungen Wilden“ (wie Jatta und Janjicic) die im kommenden Jahr den Sprung in die A-Mannschaft endgültig schaffen könnten. Nicht vergessen wollen wir Jan-Fiete Arp, der langsam an die Profis herangeführt werden soll.

Ein Wort noch zum Schiedsrichtergespann um Manuel Graefe. Sollten die drei angespannt gewesen sein, man merkte es ihnen nicht an. Graefe hat gut gepfiffen, ohne sich von Nicklichkeiten oder anderen Einsprüchen, auch von den Trainerbänken, beeinflussen zu lassen. Ein Profi halt…

Unsere Mannschaft hat sich den Sieg verdient. Ebenso, wie die jetzige Sommerpause, in die wir BlogPerlen nun auch unsere Leser schicken.
Natürlich folgt von uns noch der übliche Saisonrückblick, es gibt die gesamte Sommerpause über wieder die beliebte Gerüchteküche und wenn etwas Berichtenswertes geschieht, halten wir euch natürlich auf dem Laufenden… Nach der Saison ist eben immer auch vor der Saison.
(mg)

Warten auf Godot

Um die Wartezeit bis zum Saisonfinale gegen Wolfsburg zu überbrücken, schreibe ich ein paar Zeilen über unsere Jugendarbeit.

In den letzten Tagen und Wochen höre ich immer wieder die Forderungen nach dem Einsatz unser jungen Talente. Moment mal, junge Talente, war da nicht was? Ach ja, es spielen schon junge Spieler bei uns im Kader. Die Forderung, an die ich mich hier besonders erinnere, stammt aus einem Post nach dem Mainzspiel. Dem Spiel, wo wir Janjicic und Jatta eingesetzt haben. Da fiel mir auf, daß viele Leute das Thema extrem subjektiv sehen.

Auf junge Talente zu setzen, ist vom Grundsatz her richtig. Aber wir sollten das mit Sinn und Verstand tun. Talente um der Talente willen, das kann nicht gut gehen. Und letztlich muß die Mischung stimmen. Nur Talente, das wird schiefgehen. Idealerweise hat ein Verein wie unserer einige Talente und einen Stamm von guten erfahrenen Spielern, die hochmotiviert und intelligent die jungen an die Hand nehmen und ihnen zeigen, worauf es im Profifußball ankommt. Ihnen zB auch aufzeigen, dass man es keinesfalls geschafft hat, nur, weil man im Kader steht, sondern dass damit die Arbeit erst anfängt, um sich darin zu etablieren also Spieler, die mit gutem Beispiel vorangehen können. Deshalb ist es für Ausbildungsvereine, wie wir es seien wollen, extrem wichtig, daß man auf den Charakter der erfahrenen Spieler achten muß. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen, so wie einst Jarolim oder Zé Roberto, sie müssen sich idealerweise auch neben dem Platz um die jungen Spieler kümmern und nicht nur leistungsmäßig vorangehen. Ob aggressiv Leader wie Behrami oder Spahic da als Vorbilder dienen … ich weiß nicht recht.

Der Trainer muß natürlich auch in der Lage und auch Willens sein, junge Spieler einzubauen. Mit Gisdol sind wir da auf der richtigen Seite.

Und vor allem muß die Qualität der jungen Spieler entsprechend sein. Und hier hatten wir über mehrere Jahre ein Defizit.Und wenn wir Talente hatten, mussten wir sie aus finanziellen Gründen ziehen lassen. Son, Calhanouglu, Tah und Ötztunali konnten wir nicht halten, Leverkusen hatte eindeutig mehr Geld zur Verfügung.
Was übrig blieb, waren dann Spieler wie Götz, Steinmann, Marcos, Gouaida & Co.

Seit der Ausgliederung, das muß man anerkennen, hat die Jugendarbeit beim HSV einen Sprung nach vorne gemacht.Man hat mit Peters einen erfahrenen Mann geholt, der die gesamte Jugendarbeit umgekrempelt hat. So langsam sehen wir Erfolge. Ein Indiz ist die gestiegene Anzahl an Jugendnationalspielern. In der U15 haben wir mit Mirchev und Valasco zwei Spieler, in der U17 mit Fiete Arp einen hochtalentierten Stürmer, in der U18 mit Patric Pfeiffer einen IV, in der U19 spielt Christian Stark aus der Zweiten, in der U20 wurde gerade Torless Knöll für die WM nominiert und in der U21 spielt unser Gideon Jung. Nur in der U16 sind wir im Moment nicht vertreten.

Aber auch wenn die Jungs im Moment gut sind, heißt es nicht, daß sie diese Klasse halten. Nehmen wir zB Dren Feka: Er galt als großes Talent, hat in der Jugend für den DFB gespielt und im Grunde seit seiner Unterschrift unter den Profivertrag stagniert er. Nicht jeder talentierte Jugendliche schafft den Sprung in den Seniorenbereich und das ist auch nicht nur Schuld der Vereine.

Beim HSV arbeitet man daran, die Quote derer zu erhöhen, die es aus dem Jugendbereich in den Profibereich schafft. Eine Maßnahme ist zum Beispiel, daß unsere zweite Mannschaft von der U23 zur U21 wurde. Bis auf einige Ausnahmen, wie zB Torhüter Mickel oder auch Henrik Giese (ab nächster Saison), sind die Spieler zwischen 18 und 21 Jahre alt. Sie sollen damit rechtzeitig an das Spiel im Seniorenbereich gewöhnt werden. Wer bis 21 den Durchbruch bei uns nicht schafft, der wird es wahrscheinlich auch nicht mehr schaffen und muß dann eben den HSV verlassen.

Aber wir haben ja nicht nur die Spieler aus der eigenen Jugend. Mit Luka Waldschmidt, Jatta, Walace, Santos, Gregoritsch, Wood usw haben wir in den letzten Jahren sehr junge Spieler verpflichtet und arbeiten daran, sie in den Kader einzubauen

Unterm Strich:
Der HSV setzt schon jetzt teilweise auf die Jugend und das ist gut so.
Aber es gibt trotzdem noch viel Verbesserungsbedarf. Meiner Ansicht nach müssen wir in den nächsten Transferperioden daran arbeiten, daß wir einen Stamm an Spielern bekommen, die junge Spieler führen können und jedes Spiel, jedes Training extrem professionell angehen, die menschlich und leistungsmäßig vorangehen können und nicht, wie es bei uns in den letzten Jahren oft der Fall ist, mit sich selbst genug zu tun haben. (fb)

Alles nur geklaut: Der Tag der Aluhutträger

Endlich hat die Nation wieder Futter. Futter um sich aufzuregen, über den HSV. Jede Menge Videos kreisen durch das Internet. Die Posts dazu sind mal freundlich, mal bestimmend, mal pro, mal contra. Die kommentierenden Beiträge darunter sind jedoch nicht selten empört und gehen teilweise hin bis zu derben Beleidigungen Andersdenkender.

Es geht um ein nicht gegebenes Tor für Schalke, in der 4. Minute der Nachspielzeit gegen den HSV.

Beim Stand von 1:1 gibt es noch mal Ecke für die Gelsenkirchener. Diesen Ball sieht der Schiri-Assistent Thorsten Schiffner im Aus und hebt die Fahne.

Wohl gemerkt: BEVOR das Runde von Kolasinac, per Kopf, ins Eckige befördert wurde.

Ganz vorne beim Orakeln mit dabei, ob oder ob das Tor nicht hätte zählen dürfen: die Fraktion der Aluhutträger, die eine Verschwörung der DFL hinter dem Schiripfiff vermutet.  Man wolle den HSV „mal wieder ungerechtfertigt“ in der Liga halten.

Kinder! Ist das euer Ernst?

Besonders penetrant versuchte gestern der Fernsehsender Sport 1, mit seinen, (sorry, is so) bayernaffinen „Experten“, dem HSV das Unentschieden abzusprechen. Allen voran der alles andere als neutrale Moderator, Thomas Helmer. Der sezierte den Ball, anhand einer Videoanalyse so lange bis er sich festlegte: der Schiedsrichter stand eindeutig falsch. Und deshalb sah es für ihn so aus, als sei der Ball im Aus gewesen.

Doch bevor besagter Thomas Helmer in seinen Stuhl beißen musste, weil ihm partout nicht alle seiner Gäste zustimmen wollten, sprach Calli Reiner Callmund ein Machtwort. Fussball, so der beleibte Herr Callmund sinngemäß, sei immer noch ein Spiel der Tatsachenentscheidung. Und nun sei nun mal so entschieden und basta.

Vielfach war man sich inzwischen auch im Netz einig, dass es in dem Fall wohl nie ein eindeutiges falsch oder richtig geben könne, da die Sicht wirklich von jedem Punkt der Linie eine andere ist.

Immerhin brach der DFL-Schiedsrichter-Manager Hellmut Krug in der WELT eine Lanze für seinen Linienkollegen: „Darauf zu achten, ob die Flugbahn eines Eckballs die Torauslinie überschreitet, das sind Basics für die Assistenten. Und Thorsten Schiffner ist einer unserer erfahrensten Assistenten. Ich habe keinen Zweifel, dass er mit seiner Entscheidung richtig lag.“

Und noch etwas bewegt heute die Gemüter der Fußballgemeinde mehr, als das eigentliche Spiel, das auf dem Rasen stattfand.

Anscheinend hatten sich, schon während des Spiels, einige Vollhonks beider Vereine nicht im Griff und gingen aufeinander los. Dabei waren ihnen wohl auch Frauen und Kinder sowie andere Unbeteiligte, die eigentlich nur ein Fußballspiel sehen wollten, egal. Die Polizei musste mit Pfefferspray eingreifen.

Den traurigen Höhepunkt erreichten die Gewaltausschreitungen dann, laut Medien, im Anschluss an das Spiel, sowohl im Umfeld des Stadions und danach noch im Gelsenkirchener Hauptbahnhof. Bei dieser Auseinandersetzung gab es zwei schwer verletzte Hamburger, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

 

Da fragt man sich doch, was haben solche Leute im Kopf, die aus einem Bundesligaspiel einen Kriegsschauplatz machen?

Fußball ist zwar die schönste Nebensache der Welt, aber er sollte alles andere als Gewalt auslösen!

Erschreckend daran ist, dass man solche Meldungen inzwischen immer und immer wieder lesen muss. Und zwar vereinsübergreifend.

Wenn dafür nicht bald eine Lösung gefunden wird, ist es niemandem mehr anzuraten, Auswärtsspiele zu besuchen oder alleine ins Stadion zu gehen…

Die Schuldigen müssen dingfest gemacht und noch an Ort und Stelle mit einem lebenslangen Stadionverbot belegt werden! Nur so erreicht man einen Abschreckungseffekt. Es kann doch nicht sein, dass man Angst um seine eigene Gesundheit haben muss, nur weil man das falsche T-Shirt trägt!

 

Kurz nochmal zurück zu der Gerechtigkeitsdiskussion vom Anfang dieses Artikels. Ich möchte nur daran erinnern, dass gerade wir in Hamburg in den letzten Spielen genug Grund hatten, eine Verschwörung zu wittern. Ich habe verdrängt, wie viele eindeutige Elfer uns verwehrt wurden!

Darüber wurde kurz (oder auch mal etwas länger) gemotzt, aber letztendlich musste man die Entscheidung dann doch akzeptieren!

Und eines noch: der kleine Diaz-Freistoß, im letzten Relegationsspiel möchte endlich in Frieden ruhen. Sonst müssen wir uns vielleicht dringend nochmal und nochmal und nochmal über die vielen getanzten Schwalben eines bekannten Holländers oder das Kießling – Tor durch die Hintertür unterhalten.

Es ist wohl wirklich so: im Laufe einer Saison gleichen sich die Ungerechtigkeiten irgendwie immer aus. Gewöhnt euch dran!

 

Ach ja, Fußball gespielt wurde trotzdem noch. Dank Lasogga (!) konnten wir aus Gelsenkirchen einen Punkt entführen. Es hätten mehr sein können. Wieder mal wurden viel zu viele Chancen nicht genutzt. Hier seien nur Holtby, Wood und auch Jatta erwähnt, die jeder für sich eine 100%ige auf dem Fuß hatten!

Letzterer und auch der 18jährige Vasilije Janijcic sollen nicht vergessen werden, sie machten einen super Job und lassen Hoffnung aufkeimen, für eine bessere Saison im Jahr 2017/18. Hoffentlich dann noch in der 1. Bundesliga. Denn dank unseres Unentschiedens und das von Wolfsburg gegen Gladbach, kommt es am Samstag zu einem richtigen Endspiel im Volkspark. Gehen wir als Sieger vom Grün, bleibt uns sogar die Relegation erspart. Der Fußballgott möge uns gnädig und die Jungs voller leidenschaftlichem Siegeswillen sein! Die Leidenschaft wünsche ich mir auch auf den Rängen. Allerdings gewaltlos bitte!

(mg)

Ja, nein, vielleicht… #HSVM05 #Abstiegsk(r)ampf

Das mit dem Blog schreiben ist ja so ne Sache. Eigentlich weißt du schon von vorn herein, dass du mit deiner Sichtweise über bestimmte Dinge nie alle begeisterst. Das ist, wie mit dem berühmten Glas, das für einige halb voll, für die anderen 50 Prozent dann eben eher halb leer ist.
So sieht nach jedem HSV-Spiel auch die Internetgemeinde aus. Die einen legen schon den Zweitligagrabstein an, während sich andere in netten Rechenspielchen ergehen um die Hoffnung aufrecht zu erhalten. Die dritte Fraktion ist fest davon überzeugt, dass der HSV gar nicht absteigen kann. Weil… ja, weil es eben der HSV ist.

Ehrlich? Einen anderen Grund sehe ich inzwischen auch nicht mehr.
Ich konnte nicht, wie unser wackerer Sportdirektor, eine Steigerung im Spiel sehen, die Hoffnung macht. Es sei denn er meinte die Tatsache, dass das Spiel der Hanseaten nicht gar so steif rüberkam, wie noch in den vergangenen beiden Wochen. Aber das war ja so schwer nicht, da etwas besser auszusehen. Man ging auch den Gegner schon mal an und versuchte, ihm das Spielgerät abzunehmen.
Allerdings dachte ich bisher, das wäre eh der Sinn der Sache. Nämlich samt Ball auf das Tor des Gegners zulaufen, um das ein oder andere Mal einzunetzen.

Erschreckend für mich, wie es auch am 32. Spieltag noch immer nicht möglich ist, von hinten ein Spiel aufzubauen. Mathenia blieb meist nichts anderes über, als den Ball weit in die gegnerische Hälfte zu bolzen, um dort vielleicht einen eigenen Mann zu treffen. Was selten gelang.
So gut wie immer überspielte man das Mittelfeld, da auch dort so gut wie keine Pässe gelangen, die zielführend hätten sein können! Die gezählten vier (4!) Torschüsse versickerten im Nirwana oder in den Armen des gegnerischen Torwarts!
Unsere Defensive wirkte nervös und agierte dementsprechend. Leider reihte sich auch Papadopoulus in die bittere Aufrechnung von gespielten Fehlpässen ein. 78% seiner Pässe landeten beim Gegner… sein Partner in der Innenverteidigung versuchte es mit übertriebener Härte (oder war es Frust?) und handelte sich damit die 5. Gelbe Karte ein.

Wie gut, dass wir kein Torwartproblem haben. Mathenia rettete mehr als den einen Punkt, der für Hamburg, rechnerisch (ein kleiner Gruß an die Mathefraktion 😉), doch nochmal die Welt bedeuten könnte. So denn die anderen Mannschaften mitspielen…

Auf der Suche nach Ausreden werden die Zuständigen immer kreativer. Gestern plötzlich zauberte Markus Gisdol die bösen Sonntagsspiele aus dem Hut, da müsse man ja schließlich immer nachlegen, während die anderen vorgelegt hätten. Ernsthaft, Herr Gisdol, ich halte (noch immer) ne Menge von Ihnen. Geben Sie doch einfach zu, dass die Mannschaft momentan nicht in der Lage ist, besseren Fußball zu zeigen! Sagen Sie doch einfach, dass man mit dem Punkt högschd zufrieden sein muss und es im Zusammenspiel noch immer mächtig harkt. Denn das haben sowieso alle gesehen.

Ja, mag sein, dass der Kopf ne große Rolle spielt. Niemand möchte in der Liste auftauchen, die in den Geschichtsbüchern den ersten Abstieg des Bundesliga-Dinos markiert. Ob man das mit Angsthasenfussball verhindert, lassen wir jetzt jetzt mal dahingestellt. Ich für meinen Teil kann mir nicht vorstellen, dass man auf Schalke oder gegen Wolfsburg, damit einen Sieg einfahren kann!

Es wird also spannend bleiben bis zum Schluss. Mit der Hoffnung, dass da vielleicht doch noch der ein oder andere in der Lage ist, das zu tun, was der Vorstandsvorsitzende in dieser Woche eingefordert hatte: als Profi auf dem Platz Leistung ein- und den Kopf auszuschalten! Denn der dritten der oben erwähnten Fraktionen muss ich jetzt leider mitteilen, dass es durchaus nicht reicht, einfach nur HSV zu heißen, um nicht abzusteigen!

Eines muss zur Ehrenrettung doch noch erwähnt werden: das Spiel hätte auch 1:0 ausgehen können (oder besser MÜSSEN). In der 73. Minute war es eindeutig Donatis Hand, die den Ball im Strafraum abwehrte. Und wäre Hamburg nicht Hamburg, man hätte den Elfer wohl gepfiffen. Aber auch der müsste unter Druck erstmal verwandelt werden…

Ich für meinen Teil merke, dass ich in diesem Jahr nicht weiß, wie ich die in mir wogenden Gefühle beschreiben soll. Sie schwanken von völlig leer, bis „kann und darf nicht sein“. Ich bin also von jeder Fraktion ein bisschen.
Zwischen der Angst, Teil der Fans zu werden, die den ersten Abstieg des Bundesliga-Dinos miterleben, das nervenaufreibendste aller Relegationsspiele verfolgen zu müssen oder zu sehen, wie man dem Schicksal noch einmal von der Schippe hüpft.
Sollte es zu Letzterem reichen, hoffe ich, einen Umbruch zu erleben, der seinen Namen endlich auch mal verdient. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg!
(mg)