Der HSV und die Elfmeter. Freunde werden sie nicht mehr

Es gibt sie, die zweifelhaften Pfiffe, die zu Elfmetern führen und jeden zweiten Fan an den Rand der Verzweiflung bringen. Und es gibt diese Situationen, wo man gequält genau auf diesen Pfiff wartet, er jedoch ausbleibt.
Der HSV kann in dieser Saison ein Lied davon singen.
Da war beispielsweise der zweite Elfer, am 15. Oktober 2016, beim Spiel gegen Mönchengladbach. Santos hatte zart am gegnerischen Trikot gezupft, dem Schiri reichte das für ein Duell Stindl gegen Adler. Der Fußballgott war gerecht und auf der Hut, er lenkte Stindls Schuss gegen die Latte.
Im Pokal-Viertelfinale, erneut gegen die Gladbacher, sahen die Hanseaten den Schiri ebenfalls und dann auch noch gleich zweimal auf den Punkt zeigen. Wobei zumindest eine Entscheidung so fragwürdig war, dass sich darüber auch die Expertenrunden anschließend nicht einig waren.
Doch selbst wenn die Rothosen in den seltenen Genuss kamen, selber vom Punkt aus netzen zu dürfen, ging es gleich zweimal schief.
Djourou vergab auf Schalke und Hunt nagelte den Ball gegen Freiburg, in der 88. Minute ins Aus und vergab damit direkte zwei Punkte.
Wie viele Chancen man dem HSV bereits in der laufenden Saison, durch nicht erfolgte Pfiffe genommen hat, es lässt sich kaum zählen. Foul ist eben nicht gleich Foul. Und schon gar nicht beim HSV— mag man meinen.
Gestern war es wieder soweit. Nachdem Abraham Kostic formvollendet gelegt und nur damit noch vom Ball trennen konnte, folgte zwar ein Pfiff, ein angemessener Elfmeter wurde den Jungs jedoch verwehrt.
Selbst Marco Russ und Niko Kovac gaben, am Sky-Mikro anschließend zu, dass man das durchaus hätte als Elfer pfeifen können.

Nun sagt man ja, alle Ungerechtigkeiten gleichen sich im Laufe der Saison wieder aus. Das mag wohl so sein. Dabei wären die jetzt fehlenden zwei Punkte so wichtig gewesen und werden uns am Ende hoffentlich nicht fehlen (ja, ja, ich wiederhole mich, aber diese sch… Tordifferenz).
Allerdings kann man drüber streiten, ob ein Sieg am gestrigen Tag überhaupt gerechtfertigt gewesen wäre oder ob die Punkteteilung nicht durchaus in Ordnung geht. Denn nicht nur, dass auch die Frankfurter zwei, drei Hundertprozentige hatten (Danke, Adler!), das Spiel war wirklich keine Augenweide und erinnerte oft genug an Rasen-Rugby.
Von beiden Mannschaften.
Bei einer bescheidenen Passquote von unter 60% (auch von beiden Mannschaften!) kann sich jeder, auch wenn er das Spiel nicht gesehen hat, vorstellen, wie die 92 vorherigen Minuten ausgesehen haben mögen. Mit insgesamt nur 12 Torschüssen war diese Begegnung in der laufenden Saison die, mit den wenigsten direkten Versuchen, das Runde in das Eckige zu bekommen.
Ein wirklicher Spielfluss kam nur selten zustande. Spätestens nach dem 2.,3. Ball in eigener Reihe, sahen die Zuschauer viel zu oft ein Foul, das insbesondere von den Frankfurtern schauspielreif zelebriert wurde. Für mich hätte Schiri Cortus schon eher die ein oder andere Gelbe Karte ziehen dürfen, um ein bisschen mehr Ruhe ins Spiel zu bringen.

Dass es letztlich beim 0:0 blieb, verdanken wir in der Nachspielzeit dann noch einmal René Adler, der auch sichtlich froh war, mit diesem einen Punkt wieder nach Hamburg zurückfahren zu können.

Sollte ich heute einen Spieler besonders hervorheben, dann wäre das Gideon Jung. Er nutzte die Freiheiten, die der Schiri gewährte gnadenlos aus und räumte fast alles weg, was wegzuräumen war. Unterstützt wurde er von einem gut aufgelegten Papadopoulus, den man für seine immer wieder an den Tag gelegten Emotionen einfach lieb haben muss.
Ansonsten haben wir erneut ein Team gesehen, dass mit dem sprichwörtlichen Kampf der Verzweifelten versuchte, einer Niederlage zu entgehen um vielleicht doch noch mit der untenstehenden Konkurrenz, die allesamt gepunktet hatte, zumindest gleichzuziehen.
Es ist ihnen nicht gelungen. Nun müssen die Punkte zuhause von Kellerkind zu Kellerkind, geholt werden. Spannend wird somit speziell die Endphase der Saison, wo es am 29. Spieltag gegen Bremen und anschließend gegen Darmstadt, Augsburg und Mainz geht. Am letzten Spieltag erwartet uns dann noch Wolfsburg. Wollen wir hoffen, dass dann nicht immer noch gezittert werden muss.

Nun ist wieder Länderspielpause. Und so sehr ich diese Bundesliga-Pausen auch hasse, freue ich mich für Gideon Jung, der erstmalig in die U21 berufen wurde. Glückwunsch dazu! Und an alle anderen Nationalspieler: passt auf euch auf, kommt gesund wieder, Jungs, wir brauchen euch!
(mg)
P.S.: Bruchhagen, der gerade beim DoPa ist, gefällt mir richtig gut