Kopf über Bauch!

Eigentlich wäre ich jetzt bereits seit Tagen dabei, mir Ausreden für meinen Mann zu überlegen, für Freitag, den 21.10., ab 19h.
Denn da steht ein kulinarisches Feuerwerk auf meinem privaten Terminplaner.
Das Schlimmste daran ist, dass ich eine Teilnahme an diesem Event höchst selber vorgeschlagen und somit angeleiert habe.
Als wir bereits gebucht hatten fiel mir ein, dass irgendwann in den nächsten Spieltagen der HSV ja freitags ran muss.
Ich schaute nach.
Bingo!
War klar!
Ich, die in den vergangenen Urlauben stets vor dem Mini IPad klebte, um über Sky go „meine Jungs“ verfolgen zu können und nicht Konferenz gucken zu müssen, die sich ständig ärgerte, in „Englischen Wochen“ vielleicht mal ein Spiel zu verpassen, die immer penibel darauf achtete, Verabredungen so zu legen, dass sie nicht auf einen Spieltag fielen, genau ich saß nun mit dieser Erkenntnis auf dem Sofa und horchte in mich hinein.
…und erschrak.
Denn da war nichts von aufkommenden „oh, sch…wir müssen absagen“, „och nö, dann verpasse ich ja das Spiel“ oder „Schatziiiiiii, was machen wir denn jetzt?“ *blinker, blinker*.
Mein Mann schaute mich intensiv an und meinte trocken „dann geh ich halt alleine hin“. Und ob ihr es glaubt oder nicht. Es hätte Zeiten gegeben, da wäre er das auch.
Aber irgendwas ist in der Zwischenzeit passiert. Irgendwas scheint in mir zerbrochen. Die „große Panik“, der Missmut, ja selbst die kleinste innere Regung, das alles blieb aus.
Ich gebe zu, ich war wirklich erschrocken. Und horchte noch tiefer in mich hinein. Selbst die Länderspielpause lässt mich irgendwie kalt!
Endlich mal ein Wochenende ohne Frustgefühl, ohne diese Hilflosigkeit, wenn man diesen hilflosen Fußball sieht.
Kein Fluchen, kein Kopfschütteln, keine offenen Fragen, kein WARUM schon wieder?
Kein Suchen nach Fehlern auf der einen, sowie auf der anderen Seite, kein Versuch, eine Erklärung für das erneute Versagen suchen zu müssen!
Wie entspannend!
Inzwischen schwanke ich zwischen Hoffnung und Mutlosigkeit.
Je nach Tagesniveau auch mal etwas von Beidem.
Mehr als fünf Jahre Deja vu, immer und immer wieder aufs Neue, fünf Spielzeiten mit mehr oder weniger Rumpelfussball, den man sich teils noch schöngeredet hat, fünf Jahre immer mal etwas mehr mal etwa weniger, aber immer Angst im Nacken… All das hat müde gemacht.
Ich will nicht sagen, dass mir der HSV jetzt völlig latte ist! Noch immer schlägt mein Herz blau-weiß-schwarz! Und natürlich gehe ich mit dem HSV auch in jede Liga, in die er sich selber hineinspielt. Aber es ist einfach nur noch traurig, was da passiert!
Was sich jedes Jahr wiederholt, egal welche Spieler gerade die Raute tragen. Reden, das können sie alle, aber das Fußball spielen scheinen sie, mit dem Betreten der Hansestadt, vor dessen Toren in schöner Regelmäßigkeit abzulegen. Dafür werden Phrasen einstudiert, die vor den Presssemikros, immer und immer wieder als Entschuldigung herhalten müssen. Wisst ihr was ich glaube: Gisdol weiß erst seit gestern, seit dem Testspiel gegen Magdeburg, WAS genau er sich da ans Bein gebunden hat!
Ja, ja, jetzt kommt mir wieder mit Wertungen von Testspielen oder den Nationalspielern, die nicht da waren (auch das ist seit Jahren dasselbe!). Von den Namen her stand eine komplette, bundesligataugliche Mannschaft auf dem Platz! Und genau diese Mannschaft hat einen Drittligisten mit 2:1 besiegt… Mehr muss, mehr will ich dazu nicht sagen.
Wenn in den nächsten Tagen nicht bei allen Spielern derselbe Wecker klingelt und wenn Beiersdorfer nicht endlich einsieht, dass er mit zwei Ämtern völlig (aber VÖLLIG) überlastet ist und einen starken, weitsichtigen, kompetenten Spodi einstellt, dann, ja dann, ihr Lieben…
Und wisst ihr noch was? Ich kann mir gut vorstellen, dass es dem Herrn Kühne, wenn nicht jetzt schon, dann doch sehr bald, ähnlich geht! Und wer weiß schon, was auf welchen Ebenen auch immer gerade abgeht. Alle Beteiligten sind ja (hoffentlich) nicht blind!
Ich erwarte kurzfristig einen großen Rums. Auf welcher Seite und mit welchen Nachbeben, das weiß ich allerdings noch nicht. Gott sei Dank vielleicht…
(mg)