Zwei Jahre nach HSV Plus: Die letzte Patrone ist schon lange verschossen

Vorweg möchte ich sagen, dass ich mit der Entlassung von Bruno Labbadia und mit der dazu gehörenden Argumentation absolut konform gehe.
Eine Trennung war der richtige Schritt. Wenn ich auch den Zeitpunkt für eher unglücklich halte!
„Das Team hat ohne Zweifel Potenzial. Grundsätzlich denke ich aber, dass man in der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld hätte handeln müssen. Da fehlt die Stabilität“
„Das war bei mir und Mirko Slomka damals auch so. Es gab keine klare Stellung. So etwas ist unglücklich.“
Hier kritisierte jemand vor allem die fehlende Rückendeckung für Trainer und Team aus der Vereinsspitze. Beide Kommentare stammen von Oliver Kreuzer.

„Er ist kein Karl-Heinz Rummenigge, der sich auf dem sportpolitischen Parkett zu bewegen weiß. Statt sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren und nah an der Mannschaft zu sein, verliert sich Beiersdorfer in den vielen Aufgaben. Beiersdorfer würde dem Club einen Gefallen tun, wenn er ins zweite Glied zurücktreten und wieder den Sportchef beim HSV geben würde.“
Das Zitat stammt von Lothar Matthäus.

Sowohl Oliver Kreuzer als auch Lothar Matthäus konnten den Erfolg, den sie auf dem Fußballplatz hatten, im weiteren Berufsleben nicht fortsetzen.
Trotzdem bergen beide Aussagen eine hohe Brisanz und viel Wahres.

Zu unserer aktuellen Kaderzusammenstellung wurde schon sehr viel geschrieben und diskutiert. Auch ich hätte mir im defensiven Mittelfeld, nach dem Weggang von Kacar, noch einmal Verstärkung gewünscht.
Dass die Mannschaft gerade im Spielaufbau, in den letzten Jahre große Probleme hatte, ist kein Geheimnis.
Klar, die Defensive hat sich insgesamt stabilisiert.
Das ist ein großer Verdienst von Bruno Labbadia, der auch die Stürmer an ihre Abwehraufgaben erinnert hat.
Der Spielaufbau fängt vorne beim Stürmer an, ebenso wie die Abwehrarbeit vorne beim Sturm beginnt. Gleiches gilt in die andere Richtung. Offensivspiel fängt eben auch in der Abwehr an.
Hier fehlt mir persönlich die Ausgewogenheit. Erst recht, um bei der Vergabe der EL Plätze ein Wörtchen mitreden zu können.
Für einen einstelligen Tabellenplatz sollte der Kader insgesamt aber ausreichend sein.

Fehlende Rückendeckung? Für mich gibt es da nur zwei Möglichkeiten: Entweder man glaubt an den Trainer. Dann muss man in der Öffentlichkeit auch zu 100% hinter ihm und seinem Team stehen.
Oder man glaubt nicht mehr an ihn und sein Konzept. Dann muss man sich trennen. Sofort. Egal, ob am nächsten Tag ein Spiel stattfindet, oder nicht.
Die Art und Weise, wie Bruno Labbadia behandelt wurde, finde ich absolut peinlich und für einen Verein, der in der höchsten deutschen Spielklasse unterwegs ist, unwürdig.

Didi Beiersdorfer war noch nie ein großer Redner und man sieht ihm jedes Mal deutlich an, dass er nicht gerne Rede und Antwort steht. Vor Mikrofonen fühlt er sich unwohl.
Das war früher so und wird auch immer so bleiben.
Damit muss man sich abfinden…
Will man etwas Positives daran sehen, macht es Didi ein bisschen menschlicher.
Ich persönlich finde es auch eher sympathisch, ich mag seine Art.
Aber: wir spielen mit dem HSV in der Bundesliga. Die Bundesliga und der Fußball im Allgemeinen sind in den letzten Jahren zum knallharten Geschäft geworden.
Und, sorry Didi, da braucht der HSV einen „Typen“ an der Spitze.
Jemanden mit Charisma, jemanden, der auch mal in der Lage ist, autoritär zu führen und manchmal auch nicht ganz die Wahrheit zu sagen, ohne dabei rot zu werden.
Jemanden vom Kaliber eines KH Rummenigge oder eines Joachim Watzke.

Sieht man sich bei anderen Bundesligisten um, so sind bei den erfolgreichen Vereinen aus dem oberen Drittel, keine Ex-Fußballer auf den Vorstandsposten. Die Ausnahme, die diese Regel bestätigt: Bayern München.
Während Uli Hoeneß schon immer ein knallharter Geschäftsmann war, hat Rummenigge sich die letzten Jahre aus dem Schatten von Uli rausarbeiten können. Bei Bayer Leverkusen, Dortmund, Gladbach haben jeweils starke Geschäftsmänner das Sagen.
Ebenso findet man allerorts erfolgreiche Sportdirektoren vor.
Beispiel Leverkusen: ob man Völler nun mag oder nicht. Er findet trotzdem immer wieder starke Worte, mit denen er sich vor Trainer und Mannschaft schmeißt. Geht es dabei um Schiedsrichter oder Gegner, das ist Rudi ziemlich egal.
Bei Didi treffen viele dieser Anforderungen leider nicht zu.

Bereits bei der internen Bekanntgabe, noch lange vor der Abstimmung von HSV Plus, dass vermutlich Didi Beiersdorfer der neue starke Mann beim HSV werden soll, gab es überwiegend Vorbehalte.
Wenige haben ihm diese Führungsrolle zugetraut.
Nach etwas mehr als zwei Jahren nach der Ausgliederung, haben sich die Zweifel leider bewahrheitet.
Ich habe selbst mit vielen anderen Mitstreitern für die Ausgliederung gekämpft. Daher bin ich jetzt auch so „frech“ und nehme mir raus, die Führung zu kritisieren.
Zwei Jahre habe ich immer wieder geschwiegen und Didi & Co. verteidigt.
Habe mich teilweise aufgerieben, mich mit zahlreichen Leuten sogar angelegt.

Viele, sogar sehr viele Sachen haben sich verbessert. Viele Dinge sind angeschoben worden. Alles braucht eben seine Zeit.
Trotzdem haben wir auch immer wieder Zeit verloren.
Unter anderem eben auch durch die zögerliche Haltung unseres Vorstandsvorsitzenden.
Anstatt Slomka 2014 sofort zu entlassen, wurden Vorbereitung und die ersten Spiele abgewartet. Zwei Jahre später das gleiche Drama mit Bruno Labbadia.
Warum hat Beiersdorfer nicht schon VOR DER SAISON reagiert?
Gisdol war da auch schon zu haben…
Sorry Didi, aber in diesem harten Business darf man keine Sentimentalitäten zeigen. 5 Spiele wurden (wieder einmal) verschenkt.

Es gibt weitere Sachen, die absolut unprofessionell gehandhabt wurden und damit immer wieder Futter für die ortsansässige Presse liefern. Zwei Beispiele dafür:

1. Warum trifft man sich immer wieder in der Firmenzentrale von Kühne & Nagel? Oft wurde das bereits in den Medien thematisiert und immer wieder kommt es auch dadurch in der Presse so rüber, als ob KMK den HSV nicht nur finanziell unterstützt sondern auch direkten Einfluss nimmt.
Die ZENTRALE des HSV ist das VOLKSPARKSTADION! Warum trifft man sich nicht dort? Ansonsten gibt es in Hamburg mehrere 100 andere Möglichkeiten für ein Treffen mit dem Aufsichtsrat. Sorry, aber das ist amateurhaft!

2. Auf die Frage, wie er die Außendarstellung des HSV sehe, antwortete Beiersdorfer jüngst: Das wäre nicht seine Aufgabe! Sorry, aber das ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten!
Der Vorstandsvorsitzende steht über allen und allem und ist somit die wichtigste Person beim HSV!
Wenn nicht Didi, wer ist dann verantwortlich für die Außendarstellung?

Heute titelten einige Medien, dass Beiersdorfer mit Gisdol seine letzte Patrone hat.
Sorry, aber das ist Blödsinn!
Die letzte Patrone ist schon lange verschossen worden. Entweder, Didi tritt zurück, ins zweite Glied und wird SpoDi oder er hört ganz auf!
Der Aufsichtsrat ist gefordert und muss handeln!
JETZT!
Und genau das erwarte ich nun von Herrn Gernandt und den anderen AR Mitgliedern.
So, das musste mal raus.

Nur der HSV!
(CM)