Nachbetrachtung #HSVFCB

Mitten ins Herz

Habe ich jemals geschrieben, dass der HSV eine Wundertüte ist?
Ich nehme alles zurück.
Denn eigentlich ist der von uns allen so geliebte Fußballverein berechenbar wie eine Schweizer Kuckucksuhr.
Geht es gegen Gegner auf der so oft bemühten „Augenhöhe“, kann man sein letztes Hemd drauf verwetten, dass das in fast allen Fällen daneben geht. Ein Pünktchen wird es, wenn es hoch kommt und wenn Glück, Schiri, Rasen und natürlich der Gegner selber, mitspielt.
Setzt man dagegen nicht einen Pfifferling darauf, dass die Rothosen als Sieger vom Platz gehen, da die gegnerische Elf spielerisch besser, tabellarisch viel höher angesiedelt und das eigene Selbstbewusstsein eh gerade angekratzt ist, dann, ja dann, wachsen sie über sich hinaus und ziehen sich an den eigenen Haaren aus der Minikrise.
Was genau Bruno Labbadia mit der Mannschaft angestellt hatte, in den vergangenen vier Tagen, nach dem grottigen Spiel gegen Schalke?
Man wird es wohl nie erfahren.

Habt ihr es bemerkt? Mit diesen Worten begann ich meinen Blog am 25. Spieltag der vergangenen Saison. 2:0 gewannen damals die Rothosen endlich mal wieder gegen die starke Hertha, im Volksparkstadion.
Es scheint, als habe sich am Gesamtzustand nicht viel verändert.
18 Minuten dauerte es gestern, bis der 1. Torschuss der Bayern auf das Tor der Hamburger ging! Über 50% der Zweikämpfe gewannen die Spieler rund um Bruno Labbadia, in Halbzeit 1, vier Kilometer liefen die Hamburger mehr. Und ein bärenstarker Adler, in Freiburg noch Unglücksrabe der Partie, rettete uns mehrmals das 0:0. Die Mannschaft stand endlich mal als Mannschaft auf dem Platz! So war es nicht zu übersehen, dass sich alle an der Defensivarbeit beteiligten, jeder für jeden lief und auch die Kommunikation auf dem Platz plötzlich eine andere war.
Hatte der FC den HSV etwa unterschätzt? Augenscheinlich ja, denn in der 2. Halbzeit drehten sie auf und das Spiel verlagerte sich mehr und mehr in den hanseatischen Strafraum.
Bezeichnend, dass das Siegtor erst in der 88.Minute fiel. Im Übrigen eingeleitet durch einen Mann, der eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz sein durfte. Wieder einmal ließ der Schiri Ribery trotz Ausraster weiterspielen! Unglaublich aber leider wahr, nach der Vorlage des bayerischen Kneifers, traf Kimmich mitten in das Herz des HSV

Nun sollte man meinen, es sei wahrlich kein Grund, auf ein 0:1 stolz zu sein. Verloren ist verloren! Und man könnte sich erneut trefflich fragen, WARUM erst jetzt zeigen die Spieler, dass sie Fußball spielen können! (Vielleicht sollten sich die Spieler diese Frage mal an die Kabinentür nageln!)
Doch standen diese 90 Minuten, gegen den ewigen Tabellenführer, ja unter einem ganz anderen Vorzeichen, der das Ergebnis fast in den Hintergrund drängte.
Der Vorstandsvorsitzende, Didi Beiersdorfer, hatte seinem Trainer schon vor dem Spiel die Rückendeckung versagt, sich am Donnerstag zudem mit Investor Klaus-Michael Kühne getroffen. Labbadia gab sich nach außen gelassen und wünschte Kühne laut Medien lediglich, dass er Hamburg genieße. Das sei eine tolle Stadt.
Beiersdorfer eierte in bekannter Art und Weise rum, sagte bisher nicht hü, sagt nicht hott, sondern musste sich wohl (mal wieder?) die Entscheidung von außen holen. Pfui, das gehört sich nicht!

Im Übrigen brach auch Labbadia, wohl abgenervt ob der Situation, die seit Tagen vorherrscht, gestern bei Sky sein Schweigen und teilte gegen Beiersdorfer aus, indem er das Fehlen eines SpoDis, als Anlaufstation zwischen Trainer und Vorstandsvorsitzendem, beklagte. Er erhielt Unterstützung von Mirko Slomka, dem es in Hamburg ja mal ähnlich ging.

So, nun ist es geschehen. Die Wirklichkeit hat den Blog eingeholt. Labbadia ist erneut Geschichte, beim HSV… Und wenn wir gerade dabei sind, alle in die Pflicht zu nehmen: so groß die Unterstützung der Spieler jetzt auch für ihren scheidenden Trainer gewesen ist, an ihnen hätte es auch gelegen, die Situation gar nicht erst soweit kommen zu lassen: rennen, kämpfen, kratzen (kneifen? ?), Pässe sauber annehmen und verteilen, laufen für die anderen… Das ist es, was alle vermisst haben!
Ach ja, und Tore schießen wäre nicht schlecht…
Der HSV IST und BLEIBT eine Wundertüte!
(mg)

P. S. Eines fehlt noch: ein dickes Danke an Bruno, für die Rettung des Dinos! Das werden wir dir nie vergessen! Viel Glück auf deinem weiteren Weg…