Alen macht das Ding

Aber: da ist noch Sand im Getriebe!

81.210 Minuten Vorbereitung waren gestern, um 18.30 Uhr, endlich zu Ende. Gut zwei Monate vor dem ersten Pflichtspiel rief Bruno Labbadia die Spieler des HSV bereits zum Trainingsstart.
Zwei Trainingslager, einige schwer durchschaubare Testspiele und unzählige Liter Schweiß später ging es endlich los. Die Fans inzwischen: heiß wie Frittenfett. Insbesondere auf einen Spieler, der, so die meisten Medien verkündeten, „den Unterschied machen“ sollte: Alen Halilovic. 20jähriger Jungspund, vom spanischen Fußballriesen Barcelona, der bei einigen weiblichen Fans, mit seinem doch erheblich jünger aussehenden Gesicht, noch Mütterinstinkte auslösen dürfte.
Und doch ist er sowas, wie der Hoffnungsträger der geschundenen HSV-Seele, die in den vergangenen Jahren nicht viel Anlass zum Jubeln hatte. Selbst so mancher optimistischer Optimist hatte seine Bedenken, was den Ausgang des Spieles anging. Zu behäbig und phantasielos hatte sich die Labbadia-Elf in den Testspielen gezeigt und Bruno selber, nach dem „Härtetest“ gegen eine B-Auswahl des dänischen Superliga-Teilnehmers, Lyngby Boldklub, die Einstellung einiger Rothosen bemängelt.
Ich gebe zu, als ich die Aufstellung sah, war ich enttäuscht. Nix zu sehen war von der angekündigten Umstellung. Mit Kostic und Wood nur zwei Neue in der Startelf. Ansonsten dieselben Nasen, die mich in der vergangenen Saison mehrmals um den Schlaf gebracht hatten.
Und natürlich fehlte der neue Hoffnungsträger. Halilovic schmorte auf der Bank, musste seinen Platz zunächst Nikolai Müller überlassen. Denn, dass Alen nicht auf „seiner“ Lieblingsposition, der 10, spielen darf, sondern sich rechts mit Müller einem Konkurrenzkampf stellen sollte, hatte Labbadia ja bereits mehrfach angekündigt. Die meisten verstehen es nicht. Ich muss erneut gestehen: ich auch nicht!
Nikolai Müller gehörte für mich zu den besten Spielern in der letzten Saison. Wieso gerade er sich einem ungleichen Wettbewerb unterwerfen soll… für mich schwer nachvollziehbar.
Lange Rede, kurzer Sinn. Die erste Halbzeit war, angesichts eines tief stehenden Gegners, der nur auf Konter lauerte, ok. Allerdings mangelte es (meine Meinung!) an Schnelligkeit, speziell im Mittelfeld, und insbesondere der Zug zum Tor sah für mich allzu durchschaubar aus. Kostic war zwar gefühlt ständig in Bewegung, aber seine Pässe fanden keine Abnehmer, zudem scheiterte Gregoritsch entweder am Pfosten, an der Latte oder am gegnerischen Torwart. Von Wood war zu dem Zeitpunkt auch nicht viel zu sehen. Zudem, lieber Filip, bitte, bitte noch mal dringend Ecken üben! Deine Standards sind viel zu kurz, zu niedrig und damit verpufft.
Leider zu durchschaubar auch das Spiel, das er, zusammen mit Ostrzolek ein ums andere Mal über die linke Seite aufzog. Da fehlt es mir noch an schnellen Variationen. Denn nicht immer wird man auf einen so defensiv eingestellten Gegner treffen. Und auch die anderen machen Videoanalysen.
Und rechts? Machte Sakai für mich ein sehr gutes Spiel und Müller war ein paar Mal ebenso glücklos, wie das Gregerl. Weiter hinten begeisterte mich erneut ein Gideon Jung, mit seiner ruhigen Art und Abgeklärtheit. Selbst wenn mal ein Ball verloren ging, er tat alles dafür, seinen Fehler wieder gut zu machen.
Und unserem stets gut gelaunten Brasilianer, Cleber Reis, darf gerne mal jemand einen Weckstoß verpassen: HALLO! Wir sind nicht mehr im Testspielmodus!
Und dann kam er doch noch: in der 62. Minute wechselte Labbadia (und da bin ich mir sicher) den zukünftigen Fanliebling der HSV-Gemeinde ein. Alen Halilovic betrat das Spielfeld und zog sofort die meisten Bälle auf sich. Wirklich erstaunlich, was der Bengel mit der Kugel schon veranstalten kann! Es sieht so einfach aus, wie er seine Gegner austanzt, um dann, aus gefühlten 40 Metern, mit einer Manni Kaltz – Gedächtnisflanke einzunetzen!
Tooooooooor! Und was für ein schönes!
Den Befürchtungen, doch noch in die Verlängerung gehen zu müssen, da die Zwickauer jetzt doch noch mal das Spiel aufzogen, machte René Adler zum Glück doch noch den Garaus.
Abpfiff in der 93. Minute, Hamburg eine Runde weiter und viele Fragezeichen in den Gesichtern der Fans. Wie wird Bruno jetzt damit umgehen? Bekommt Alen mehr Spielzeit oder bleibt er Joker? Und wenn er mehr (erfolgreiche) Spielzeit bekommt, muss er dann nächstes Jahr wieder zurück nach Spanien?
Bleibt Hunt in der Startelf, wenn Holtby und Ekdal wieder einsatzbereit sind? Und was ist eigentlich mit Finn Porath, der dieses Mal nicht mal im Kader stand?
Haben die Jungs noch andere Spielzüge drauf, als die bereits gesehenen? Und wer wird eigentlich Kapitän?
Eins scheint allerdings seit gestern klar: der HSV wird in der kommenden Spielzeit mächtig viel Kohle beiseitelegen müssen, um den Pyroschwachsinn zu bezahlen, der sich, nicht nur durch die Gründung der Castaways, denen wohl einige der ehemaligen Chosen Fews angehören sollen, ankündigt.
Für mich gehört so ein Block sofort geräumt! Nach zwei, drei Mal hätte sich das erledigt.
Es wird eine spannende Saison! Und ich bin gespannt auf Samstag. Ob die Jungs gegen Ingolstadt nachlegen können? Es wäre der 2. Sieg in Folge. War ja nicht so oft der Fall in den vergangenen Jahren…
(mg)