Fietes Saisonrückblick 2015/16 Teil 3

Eigentlich wollte ich etwas zu den Finanzen schreiben, aber dann hab ich gemerkt, es steht im Grunde genommen alles in meinen Bemerkungen zur Bilanz. Deshalb geht es weiter mit dem Resümee

Wir haben im letzten Jahr mit der Mannschaft einen Umbruch hinter uns gebracht. Ja, werden viele sagen, wir haben doch jedes Jahr einen Umbruch, im Moment brechen wir schon wieder alles um, aber das sind alles Sachen, die ich nicht als Umbruch sehe. Im letzten Jahr haben Stammspieler den Verein verlassen, die den Kader geprägt haben. In all den anderen Jahren hat man nur versucht, den Kader zu verändern. Mal so und mal so, aber selten mit Erfolg. Im letzten Jahr konnte man das aber ernsthaft einen Umbruch nennen.

Der Kader ist nicht komplett neu gestaltet worden, aber man arbeitet dran, der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben. Bis man fertig ist, gehen halt einige Transferperioden ins Land. Und weil das so ist, ist Kontinuität wichtig. Konzept A oder Konzept B, die Frage ist weniger entscheidend, als daß man endlich mal ein Konzept klar zuende führt. Dazu ist Geduld erforderlich. Geduld, die viele im Verein nicht haben. Vor allem viele Fans nicht, darunter auch unser Edelfan K. M. Kühne. Ich hoffe inständigst, daß Didi Beiersdorfer diese Geduld hat und nicht den Verlockungen erliegt.

Platz 10, 41 Punkte. Das liest sich gut. Ist es auch gut? Da scheiden sich die Geister. Wir haben zuviele Punkte leichtfertig verschenkt, es ist keine Entwicklung in der Mannschaft zu sehen usw usw. Die Kritik reißt nicht ab. Ist diese Kritik aber berechtigt?

Zwei Dinge ziehen sich wie ein Faden durch die Saison: erstens die Verletzungen der Leistungsträger und zweitens die Entwicklung des Spiels, wie Bruno es sich vorstellt.
Punkt 1:
Wir haben sehr erfolgreich gespielt, bis sich die Verletzungen einstellten. Ekdal in Dortmund, Lasogga in Bremen, Jungs Rückenprobleme und Hunts Mandelentzündung/muskuläre Probleme sind hier speziell zu nennen.

Ekdal war bis zu seiner Verletzung der Motor und der Kopf im Mittelfeld. Ihn zu ersetzen fiel schwer, aber ein Jung in Topform konnte der Mannschaft gut helfen.
Danach hat sich Lasogga verletzt. Ich weiß, Lasogga ist ne Niete, hat höchstens Kreisliganiveau, aber bis zu seiner Verletzung im 14ten! Saisonspiel hatte er 6 Tore und 2 Vorlagen auf dem Leistungszettel. Ich finde, für einen Stürmer ist das nicht schlecht, 0,43 Tore pro Spiel.
Nach der Verletzung hat er wieder lange gebraucht, um auch nur annähernd in Form zu kommen. Neben der fehlenden körperlichen Topform, die er für sein Spiel braucht, hatte er zu Anfang noch Hemmungen dorthin zu gehen, wo es auch mal wehtun kann. Aber genau dort ist sein Platz auf dem Feld, in der Box, im Getümmel.
Alle Kandidaten, die sich anstelle dessen in der Spitze versuchen durften, konnten Lasogga nicht ersetzen. Rudi hatte nur ein Zwischenhoch und Schipplock traf gar nicht. Die Tore mussten also andere machen.
Drmic, den man dafür in der Winterpause geholt hatte, verletzte sich auch bald und das Thema hatte sich dann auch erledigt.
Hunt sollte das Kreativproblem der Mannschaft lösen. Selbst in den besten Spielen tat er sich damit etwas schwer. Im Hinspiel gegen Bayer holte er sich einen Muskelfaserriss, anschliessend hatte er eine Mandelentzündung. In der gesamten Rückrunde hatte er immer wieder muskuläre Probleme, mal Oberschenkel, mal Rücken … zum Schluß hat man ihm dann die Mandeln rausgenommen. Hoffen wir, daß sie die Ursache für diese Probleme waren, auf jeden Fall, so geht es nicht weiter.
Dazu kommt, daß Gideon Jung die gesamte Rückrunde mit Rückenproblemen zusaß. Teilweise hat er schlechte Spiele abgeliefert, teilweise konnte er gar nicht spielen, es stand immer auf der Kippe, ob er überhaupt im Kader sein konnte und zum Schluß der Saison ist er ganz ausgefallen.

Punkt 2, die Entwicklung des Spiels.
In der Vorbereitung konnte man sehen, wie Bruno sich das Spiel des HSV wünscht. Ein 4-3-3, das mit einem Dreiermittelfeld arbeitet, das rotiert, in dem jeder Spieler den DM machen kann und jeder Spieler vorne den OM machen kann. Das erfordert viel von den Spielern, es ist nicht einfach zu spielen.
Und weil das nicht einfach ist, hat er zum Saisonbeginn die Taktik geändert, schließlich brauchten wir in erster Linie Punkte: Ein 4-2-3-1 bei dem die beiden DM sich die Balle erkämpfen und durch schnelles Umschaltspiel nach vorne treiben. So haben wir recht erfolgreich gespielt. Vor allem Jung scheint für dieses Spiel wie gemacht. Große Probleme bekamen wir immer dann, wenn sich die Gegner hinten reinstellten. Dann war dieses System sinnlos. Und weil Bruno das erkannt hat, ist er von diesem System abgewichen. Wir haben mehr auf Ballbesitz gespielt, auch wenn die dafür nötigen Spieler verletzt waren. Auch musste die Mannschaft dieses System noch erlernen und vor allem lernen, diesem System zu vertrauen. In Verbindung mit den Verletzten hat uns das Punkte gekostet. Aber andersrum hätte uns ein Verbleib bei der alten Taktik auch Punkte gekostet. So hat man sich zumindest entwickelt. In Augsburg hat man dieses System dann schon recht gut umgesetzt. Interessanterweise ohne viele der Stammspieler.

Daß wir Punkte verloren haben, lag oft auch daran, daß die Mannschaft Schwierigkeiten hatte, 90 Minuten konzentriert zu spielen. Meist hatte man immer wieder Phasen, in denen die Mannschft durch Fehlpässe aufzufallen wusste und nicht durch Tore. Teilweise hat uns das auch Punkte gekostet, die richtig weh taten. Schauen wir uns das Hinspiel gegen Hannover an, oder das Rückspiel gegen Darmstadt. Gegen Darmstadt legte der HSV eine 20minütige Pause ein in der er die beiden Gegentore kassierte. Ohne diese Pause hätten wir gewonnen.

Bis auf Nicolai Müller und Lasogga vor der Verletzung hatten wir Probleme damit, Tore zu schießen. Egal wer vorne im Sturm dran war, hat einen nach dem anderen versemmelt. Schipplock, Rudi, Gregerl, alle. Das muß sich in Zukunft ändern. Wer allein vorm Tor ist, der muß in de Lage sein, den Ball zu versenken.

Aber man merkte der Mannschaft an, daß sie wollte: Gregerl hat Freistöße trainiert, mit dem Ergebnis, drei direkt versenkt (ok, zweimal brauchte er die Hilfe der Abwehrspieler) Bahoui hat Ecken schlagen trainiert. So gute Ecken hab ich selten einen HSV-Spieler schlagen sehen. Das macht Hoffnung.

Sieht man mal von der Rucksackaffaire ab, hatten wir eine relativ ruhige Saison. Das konnte ich gut haben, das war richtig erholsam nach den letzten Jahren.

Ich sehe die 41 Punkte und den Platz 10 durchaus positiv. Natürlich, es wäre mehr drin gewesen, aber was mit gut gefallen hat, ist, daß wir durchaus in der Lage zu mehr waren, wenn die erste Elf fit ist. Das bedeutet, auf den Kader kann man aufbauen.
Was negativ aufgefallen ist, daß der zweite Anzug bei weitem nicht gut genug ist. Vor allem im Offensivbereich muß dringend nachgebessert werden, überhaupt, etwas mehr Qualität in der Breite würde uns gut tun. Und wir müssen auf die Mentalität bei den Zugängen achten. Die Spieler müssen über 90 Minuten auch gegen Darmstadt und Ingolstadt um jeden Preis gewinnen wollen. Aber Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, eine Mannschaft wird auch nicht an einem Tag zusammengestellt. Wir müssen nun kontinuierlich daran arbeiten, den eingeschlagenen Weg zuende zu gehen. Denn wenn ich auch in diesem Jahr mit dem Ergebnis zufrieden war, im nächsten Jahr muß es besser werden (fb)