Versöhnliches Ende in Augsburg. Ab jetzt „think big“?

„Klotzen statt kleckern, soll die neue Devise lauten. Milliardär Klaus-Michael Kühne soll es möglich machen, indem er sein Portemonnaie in einer noch nicht dagewesenen Form öffnet.“ (Mopo)

Think big, solle demnächst das Motto beim HSV lauten, mit diesen Worten schließt der Artikel.
Da dreht sich jedem normalen HSV-Fan ja schon mal der Magen um!
War es nicht fast genau vor einem Jahr, als die gesamte Führungsspitze das anschließend inflationär gebrauchte D-Wort in den Ring schmiss?
Demut sollte man zeigen, nach den zwei vergangenen Jahren bedenken, wo man herkam! Kleine Schritte sollten getan werden, mit jungen, hungrigen Spielern! Keine Wunder würden geschehen, aber man würde solch eine Saison nie wieder erleben wollen.
Nun, keine 365 Tage später, ist man diese kleinen Schritte gegangen. Wir wissen, es waren manchmal zwei nach vorne und dann wieder einen zurück. Die Geduld der Fans wurde, insbesondere im Volkspark, immer wieder auf die nächste Stufe der Geduld gestellt. Die man im übrigen auch forderte.
Geduld! Schließlich sei Rom ja auch nicht…
Aber lassen wir das.
Nun ist ja alles wieder anders.
Es war ein versöhnlicher Abschluss der Rothosen in Augsburg, bei dem Bruno Labbadia aus den verschiedensten Gründen die halbe Mannschaft umkrempeln musste. Er sollte sich fragen, warum diese „Rumpfmannschaft“ größtenteils mehr Fußball ablieferte, als die müden Profis der vergangenen Woche, im heimischen Volkspark!
Bahoui zeigte sich engagiert und genoss sichtlich die Kulisse, aus der ihn wohl auch die Rufe der über 3000 HSVer beflügelten. Überhaupt wusste die Achse Bahoui, Gregoritsch und Müller zu gefallen. Ich für meinen Teil habe einen Aaron Hunt überhaupt nicht vermisst! Und Gregerl hat eh schon öfter gesagt, auf Mitte fühle er sich wohler, als auf außen.
Nach einem kapitalen Missverständnis zwischen Djourou und Mickel, der sein BuLi-Debüt ebenso genoss, stand es plötzlich 1:0 und man dachte schon, „na gut, alles wie immer“. Doch Gregerl bewies sein Freistoß-Talent, glich in der 36. Minute direkt aus und sorgte damit zugleich für einen Saisonrekord. Mit drei dieser Zauberschüsse beförderte er mehr als jeder andere Spieler den Ball direkt ins Netz.
Das 1:2 ging an einen aufgedrehten Nicolai Müller, der sich mit seinem unermüdlichen Einsatz und 9 Toren, in der abgelaufenen Saison mehr als wertvoll für die Mannschaft erwiesen hat. Den Deckel drauf machte Gregerl, in der 74. Minute, während auch Mickel auf der anderen Seite, nach dem 1:0 seinen Job gut erledigte.
Schön: auch Altintas durfte in der 64. Minute nochmal BuLi-Luft schnuppern. Er kam für einen an dem Tag doch eher mal wieder unauffälligen Lasogga.
Platz 10 für den HSV. Die 40 Punkte-Marke geknackt. Bruno Labbadia erklärte das Saisonziel für erreicht.
Auch wenn dieser 10. Platz für mich schmeichelhaft klingt (zu oft kickte man sich regionalligareif über den grünen Rasen. Manchmal fehlte wohl auch das letzte bisschen Wille), wäre das die richtige Position, um von da aus das letztes Jahr ausgegebene Ziel weiter zu verfolgen: mit kleinen Schritten nach oben. Mit jungen, hungrigen Spielern etwas aufbauen, was vielleicht in zwei, drei Jahren ein Ausgangspunkt für Europa wäre, das Freiräume schafft, gut entwickelte Spieler zu verkaufen, ohne das Gerüst der Mannschaft insgesamt zu gefährden oder immer wieder neu anfangen zu müssen. Mit Bahoui und Altintas hat man bereits zwei aussichtsreiche Kandidaten im Kader (falls man Altintas nicht wieder auf Nimmer-Wiedersehen verleiht!)
Aber nein. Nun soll ja geklotzt, statt gekleckert werden.
Mir wird schlecht!
Ich sehe schon einen Miroslav Klose im Trikot des HSV oder einen anderen großen Namen, der vielleicht nicht mehr DIE Leistung wie früher mitbringt, aber den Glanz und den Glamour, den man in Hamburg, in gewissen Kreisen wohl so schmerzlich vermisst.
Bitte Didi, bitte Herr Kühne! Tretet nicht wieder auf das zarte Pflänzchen, das sich da, unter schweren Geburtswehen entwickelt hat!
Kauft mit Bedacht und vor allem Maß! Und findet damit ein Wort zwischen Demut und Größenwahn!
Die Fans wollen gar nicht, dass der HSV 2017 wieder Championsleague spielt! Sie wollen lediglich endlich wieder ein gelungenes Passspiel, schöne Kombinationen, eine sichere Abwehr und vorne Tore, von einem Team, von einer bissigen Mannschaft, die harmoniert, sehen!
Hier ist dann auch besonders Labbadia gefragt, der entwickeln und fördern muss. Mal schauen, wie weit ihm das mit jungen Talenten gelingt.
Den Zeiten von Keagan und Co trauern zwar viele irgendwie immer noch hinterher. Aber auch sie kamen nicht von heute auf morgen. Und der Verein lag vor zwei Jahren noch in Schutt und Asche, war zerstritten und zeitweise führungs- weil ahnungslos.
Deshalb: vor dem Portemonnaie aufmachen: bitte Kopf einschalten!
Danke!
(mg)