Die letzte Patrone

Meine Mitbloggerin hat ja schon ihren Standpunkt zu den Dingen, die jetzt um unseren HSV passieren, kundgetan. Nun versuche ich meine Meinung in Worte zu fassen.

Der Vorstand hat sich vom Direktor Sport getrennt, weil Dietmar Beiersdorfer und Peter Knäbel sich uneins über die zukünftige Ausrichtung der Mannschaft waren.

Wenn man die Situation beurteilen will, muß man die PK gesehen haben. Didi fängt mit erhobenem Haupt an, kämpferisch, verschmitzt will er sagen: „Schaut, ich kann handeln, ich bin ein Entscheider“
Schnell wird er aber wieder in die Defensive gedrängt, wird grantig, als man ihn damit konfrontiert, daß die Entwicklung doch recht dürftig wäre. Ok, er hat nicht ganz Unrecht, der HSV entwickelt sich in die richtige Richtung. Daß es nicht schneller geht, das ist nicht seine Schuld. Dazu hätte es eines richtigen Managers bedurft, der die Ärmel hochkrempelt und die Aufbruchstimmung nach der Ausgliederung nutzt, um was aufzubauen, einen Macher. Das ist Didi nicht, aber das hat man anscheinend bewusst in Kauf genommen, um den Namen Beiersdorfer zu bekommen.
Allerdings hatte Dietmar Beiersdorfer auch nicht den Mumm, um Ziele zu formulieren. Ihm war nicht zu entlocken, wie es nun mit dem HSV weitergehen soll. Das halte ich für bedenklich, äusserst bedenklich.

So oder so, es kann nur ein Ziel geben: Die Fortsetzung des Umbruchs der Mannschaft bei höchstens gleichbleibenden Kosten. Für diese Saison war das Erreichte ok, in der nächsten Saison MUSS es nach oben gehen.
Sportliche Konsolidierung UND wirtschaftliche Konsolidierung. Schafft er eines von beiden nicht, ist er auf die Hilfe von Kühne angewiesen, um die Mannschaft aufzuwerten, dann hat er versagt! Dann muß er gehen!

Schaue ich nun mal in die Vergangenheit: Die Mannschaften unter Didi hatten immer ein schlechtes Preis-Leistungsverhältnis. Auch früher beim HSV war die Mannschaft für das Erreichte schon zu teuer. Ausgeglichen wurde das immer wieder durch das Geschick Hoffmanns, Gelder aufzutreiben. Bei Red Bull und in St Petersburg war das ebenfalls so und die Transfers, die er 2014 geholt hatte, waren auch sehr teuer. Ein schlechtes Preis-Leistungsverhältnis pflastert seinen Weg.
Es wurde ihm immer zu Gute gehalten, daß er Spieler günstig geholt hat und am Ende wieder teuer verkauft. Dabei sollte man bedenken, die Verhandlungen mit den Vereinen waren Hoffmanns Anteil an den Transfers. Hatte Didi den Spieler überzeugt, war es an Hoffmann, den Transfer einzutüten ohne zuviel zu zahlen, bzw ohne zuwenig zu bekommen.

Bedenke ich, wie Didi sich bisher immer verhalten hat, so sehe ich für den HSV dunkle Zeiten aufkommen. Es wird wieder viel Geld verbrannt.

Ich weiß Peter Knäbel besitzt bei vielen nicht den besten Ruf. Seine Trainertätigkeit war überflüssig, aber man muß ihm zugute halten, daß ER es war, der in dieser Situation gehandelt hat, während alle anderen noch gezögert haben. Er war es auch, der auf Bruno gedrängt hat, als sich abgezeichnet hat, daß es mit Tuchel nichts wird.
Die Rucksackaffaire nehmen ihm viele auch krumm. Ich habe eigentlich nur Bedenken gehabt, wenn er mit der Presse sprach.

Ich halte ihn allerdings für einen klugen Kopf, für jemanden, der ein Konzept hatte und der relativ schmerzbefreit war, dieses Konzept auch gegen Widerstände durchzusetzen. Er hat, auch wenn viele es nicht glauben, der Mannschaft im letzten Jahr ein neues Gesicht verpasst, ein Gerüst, auf dem man aufbauen kann. Dabei musste er noch Didis Altlasten tragen.
Natürlich war Käbel kein perfekter SpoDi, aber ich hätte ihm zugetraut, daß er es schafft, ein guter Sportdirektor zu werden. Das hätte aber Kontuinität erfordert. Und diese Kontinuität hat die HSV-Führung, sprich Vorstand und Aufsichtsrat, gebrochen. Wir haben im Kader Spieler, die wurden von Didi geholt, dann von Hoffmann/Labbadia, dann von Hoffmann/Basti, dann von Arnesen, dann von Kühne und dem Restvorstand, dann von Kreuzer, dann wieder von Didi, dann von Knäbel und jetzt wieder von Didi. Und jeder verfolgt eine andere Strategie. Die Entlassung von Knäbel schmeisst uns wieder zurück. Zumal ich mir auch nicht vorstellen kann, daß Didi als SpoDi ein Konzept mit Zukunft ist.

Interessant finde ich, daß Beiersdorfer betont, er hätte ja die Gesamtverantwortung und deshalb wäre es seine Aufgabe, Dinge zu hinterfragen, wenn etwas nicht so läuft, wie gewünscht und gegebenenfalls zu handeln. Als Bernd Hoffmann das in Bezug auf die Jugendarbeit im Verein getan hat, war er es, der sich empört jegliche Einmischung verbeten hat.

Ich halte die Entscheidung, Peter Knäbel zu entlassen, für falsch. Dietmar Beiersdorfer muß jetzt liefern, sportlich wie wirtschaftlich. Frisches Geld von Kühne wäre ein Zeichen dafür, daß er versagt, daß er nicht in der Lage ist, den Verein aus der Krise zu führen. Dies ist Didis letzte Patrone. Und wenn ich ehrlich sein soll, im Grunde auch Gernandts, denn ich kann mir nicht vorstellen, daß er diese Entscheidung ohne den Vorsitzenden des AR getroffen hat. (fb)

ps: Wer glaubt, wir haben zum Beginn der Vorbereitung den Kader auch nur ansatzweise zusammen, der wird sich täuschen. Aber tröstlich ist: Ende des Transferfensters ist der 31.8., das erste Saisonspiel ist erst am 26.8. Also nur 5 Tage ohne vollständigen Kader