Alle auf einem Schleudersitz

Wo fängt man an?
Vielleicht bei der seltsam anmutenden Pressekonferenz, am gestrigen Dienstag, zu der Didi Beiersdorfer als amtierender Vorstandschef der HSV Fußball AG rein ging und als Doppelspitze VV und Sportdirektor wieder rauskam.
Für die meisten war die erste Botschaft von Beiersdorfer keine wirkliche Überraschung. Man trennt sich von Peter Knäbel.
Der Blätterwald hatte ja dementsprechend bereits gerauscht. Längst war sich zumindest die Journalie darin einig, Horst Heldt würde ihn beerben.
Die Reaktionen darauf: wie immer durchwachsen. Einige hätten Knäbel gerne mehr Zeit gegeben, sich zu beweisen, andere hatten ihn längst als Schuldigen der mehrfachen Fehleinkäufe und der begrenzten Spielqualität ausgemacht.
Dabei übersehen jedoch die meisten auch, dass ein Spieler selten von einem allein verpflichtet wird. Der gesamte Vorstand und der Trainer müssen zustimmend nicken.
Kaum auszumachen, wie viel Anteil Knäbel, Beiersdorfer und Co jeweils an den Verträgen eines Behramis, eines Drmics oder auch eines Olics hatten.
Fakt ist: die Mannschaft hat zu selten das abgerufen, was sie können sollte und auch die ein oder andere Einstellung wurde zu oft an der PlayStation rausgelassen, anstatt auf dem Rasen.
Aber da muss noch mehr gewesen sein. Sonst hätte Didi nicht einerseits die in den vergangenen Monaten gemachte Entwicklung auf dem sportlichen Sektor rausgestellt und andererseits unterschiedliche Vorstellungen der sportlichen Zukunft als einen der Trennungsgründe von Knäbel genannt.
Ich empfinde Knäbel als Bauernopfer. Irgendjemanden musste man dem unzufriedenen Pöbel als Schuldigen für teils desaströse Spielkultur und -einstellung zum Frass vorwerfen. Wer passt da besser, als einer, der eine sehr unglückliche Figur als Ersatztrainer abgegeben hat? Einer, der seinen Rucksack verliert und es keine Auflösung darüber gibt wieso, wohin und warum überhaupt?
Und vielleicht fehlte ihm ja auch zusätzlich das letzte Quentchen Vernetzung, um für die kommende Saison eine bissigere und vor allem charakterstärkere Truppe im Dress der Rothosen auf den Platz zu schicken. Who knows?
Ich persönlich finde Teil 2 der Bekanntmachungen, während der merkwürdigen PK wesentlich bedenklicher.
Didi übernimmt den Spodi-Posten in Personalunion.
Das, liebe Leute, kann nur zwei Sachen bedeuten:
1. man ist als Vv nicht genügend ausgelastet und/oder
2. man ist eigentlich auch mit den klassischen Aufgaben eines Sportdirektors nicht so wirklich ausgelastet.
Liebe Leute! Genau das ist schon mal schiefgegangen!
Auch ein Bernd Hoffmann meinte seinerzeit, er könne zwei Sachen gleich gut und auf einmal. Was dabei herauskam ist bekannt!
Was mir am liebsten wäre?
Didi würde sich seinem eigentlichen Talent wieder zuwenden, Spodi sein, mit allem was dazugehört. Und für den Vorstandsvorsitzenden sucht man sich jemanden, der (sorry Didi) schlagkräftiger ist, Entscheidungen innerhalb kürzester Zeit trifft und mit jeder Menge Charisma den Hamburger Sportverein, Abteilung Profifußball, nach außen hin vertritt. Denn, dass sich Beiersdorfer als Frontmann noch immer nicht so wirklich wohl fühlt, war auch gestern für alle, die die PK gesehen haben, wieder eindrucksvoll zu merken.
Allerdings gehört da schon ne Menge dazu, wieder ins zweite Glied zurückzutreten. Wobei… Wenn einem der HSV so am Herzen liegt, wie Didi bisher immer behauptet hat…?
Und eines ist eh klar: was er jetzt anpackt muss klappen. Ausreden gibt es keine mehr, die Zeit der Geduld ist vorbei.
Es sei denn, man frustet sich an Labbadia ab. Dem wird wohl eine noch größere Rolle bei der Kaderplanung zuteil. Und auch für ihn sind schwerere Zeiten angebrochen. Denn wenn es auch mit einem erneuerten Kader nicht klappt, dürfte auch seine Uhr ticken. Ein weiteres Jahr Abstiegskrampf wäre den Fans wirklich schwer zu vermitteln!
Und was für mich ebenso schwer vermittelbar wäre, wenn an der Schlagzeile, bei der Entlassung Knäbels habe Papa Kühne seine Finger im Spiel gehabt und vergolde den Schritt jetzt mit weiteren 25 Millionen, was dran wäre. Noch weniger Verständnis hätte ich dann dafür, wenn diese erneut in teure Altstars investiert werden würden. Aber das wollen wir ja wohl alle nicht hoffen, nicht wahr? Schließlich kennt ja auch unser Vv-Spodi das neue Leitmotiv. Er soll sogar daran mitgearbeitet haben!
Fazit: seit Montag befindet sich nicht nur Didi Beiersdorfer auf einem Schleudersitz, sondern mit ihm die gesamte HSV Fußball AG. Und was ich von der heutigen Aussage Labbadias, er hätte gerne mit Knäbel weiter gearbeitet, halten soll. Ich weiß es auch nicht…
Die Sommerpause verspricht spannend zu werden. Ob nun mit oder ohne EM, aber mit dem HSV…
(mg)

Ein Wort noch zu den Spielern, deren Verträge nicht verlängert wurden.
Ein Abschiedsspiel für all diejenigen, die in den vergangenen drei Jahren maßgeblich am jeweiligen Klassenerhalt mitgewirkt haben, wäre ein Leichtes und zudem würdevoll für beide Seiten gewesen… Mal so als Denkansatz: Man hat doch noch ne Testspielreise vor sich.