Auf den Brustwarzen ins Ziel…

„Wenn die Nr. 9 funktioniert, funktioniert auch das ganze Team“, sagte Peter Knäbel nach dem Spiel in eins der zahlreichen Mikros, die sich ihm in den Weg stellten.

Ich sehe das genau andersherum: Wenn die Mannschaft funktioniert, funktioniert vorne auch der Stürmer.

Derbysieg!
Nach 48 Jahren gelingt es Hamburg endlich mal wieder beide Derbys der Saison für sich zu entscheiden.
6 Punkte Abstand auf den Relegationsplatz!
Endlich mal wieder 2 Tore und was am wichtigsten ist:
3 Punkte bleiben im Volkspark und sollten den Klassenerhalt bedeuten.
Was nicht heißen soll, dass punktetechnisch nicht gerne noch nachgelegt werden darf.
Mit letzter Kraft robbten die Jungs von Bruno Labbadia gestern Abend über die Ziellinie. Und Hamburg wäre nicht Hamburg, wenn man es nicht wenigstens in einer Halbzeit noch mal richtig spannend gemacht hätte.
Während in den ersten 45 Minuten ein gefühltes Feuerwerk an meist ansehnlichem Fussball und einem überzeugend bissigen Mannschaftskampf über den geschundenen Fanseelen abgebrannt wurde, schwächelte der HSV in der 2. Halbzeit bedenklich.
Doppelpack für Lasogga. Einmal zusammen mit einem großartigen Nicolai Müller und das andere Mal nach einer Flanke von einem endlich mal präziser aufspielenden Matze Ostrzolek.
Für mich darf Müller sich den Titel „Man of the Match“ mit einem souveränen Drobny teilen. Der entschied sich, bei einem flapsig geschossenen Pizza-Elfer nicht nur für die richtige Ecke und sicherte den Hamburgern den Torvorsprung, nein, er entschärfte auch mehrere gefährliche Ausflüge der Bremer, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Körperteilen.
Naja und einen kleinen Titelteil können die beiden ja auch an Lasogga abtreten, der mir besonders gut gefiel weil er sich die gesamte Zeit über auch nicht zu schade war, kräftig mit nach hinten zu arbeiten! So geht Team!

Ich kann mir genau vorstellen, was Skripnik seinen Spielern in der Kabine gesagt hat. Wahrscheinlich dasselbe, wie Frank Rost vor dem Sky-Mikro. Der HSV hat sehr oft in dieser Saison nur eine starke Halbzeit gespielt. Das Spiel ist noch lange nicht vorbei…
Er sollte recht behalten. Mit der (verletzungsbedingten) Auswechslung von Müller schwand auch ein großes Stück Geschwindigkeit, zudem wirkten die Hamburger in den zweiten 45 Minuten längst nicht mehr so bissig wie zu Beginn.
Spätestens als Labbadia in der 79. Minute Diekmeier für Gregoritsch einwechselte war klar, dass die restliche Spielzeit ein einziger Run auf das HSV-Tor werden würde und der Trainer dagegen den Beton hinten noch ein wenig fester anrühren wollte.
Schließlich hatten die ungeliebten Bremer, in der 65. Minute den Anschluss erzielt und brannten nun ihrerseits ein Dauerfeuerwerk auf unser Tor ab.
Da sich Schiri Gräfe dazu entschied, das Leiden der HSV-Fans um fünf Minuten zu verlängern, demontierte Bruno, in der 87. Minute mit Ilicevic die letzte offensive Kraft und Cleber erhielt Order, nun hinten bloß nichts mehr anbrennen zu lassen.

Nach dem endlos erwarteten Schlusspfiff prasselte von den Rängen erleichterter und ein nicht enden wollender Beifall auf die Mannschaft ein.
Puh!
Das war knapp!
Aber angesichts der ersten 45 Minuten und einer durchwachsenen zweiten Halbzeit irgendwie auch verdient!
Merkt ihr, liebe Spieler, wie geil siegen ist?
Wisst ihr eigentlich, wozu ihr mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung fähig seid?
Drei Spiele bleiben, um den wirklich nicht verwöhnten Fans zu einem versöhnlichen Saisonende zu verhelfen.
Tut es.
Ihr könnt es doch!
Derbysiiiiieeg! Wie gut tut das!
Ich weiß ja nicht wie es euch geht. Aber mir sind gestern, nach dem Schlusspfiff, nicht nur ein paar Steine, sondern ein Gebirge vom Herzen gepurzelt!
(mg)