Papa Bruno. Oder: die Rückrunde kommt noch!

„Der Tabellenplatz interessiert uns heute zwar nicht – aber unsere zehn Punkte, die interessieren uns. Die sind geil!“
Auch ein Bruno Labbadia weiß, dass die Saison noch was dauert. Dass noch viel passieren, viel schief und auch viel gerade mal so gut gehen wird. Dass uns Stunden, Tage, ja vielleicht Wochen des Kopfschüttelns erwarten, ebenso, wie Momente der vollkommenen Euphorie.Und er weiß, dass noch viel Feinarbeit vor ihm und dem Kader liegt.
Aber er weiß natürlich ebenso, wie gut die 3Punkte gegen Aufsteiger Ingolstadt tun, wie wichtig sie noch werden können.
Und mal ernsthaft: wer hätte schon damit gerechnet, dass der HSV nach dem 6. Spieltag 10 Punkte auf dem Konto hat und auf Platz 6 übernachtet?

So manch einer mag mir jetzt zurufen „hey, sei doch mal zufrieden!“ Doch wer mich kennt der weiß, ich bin eher vorsichtig.
Zufriedenheit macht dick und träge! Und zu viel Glückseligkeit macht dusselig im Kopp und unrealistisch im Bauch. Der anschließende Kater, mit dem man erwacht, tut meist mehr weh als erwartet.
„Nun hauen wir am Samstag die Schalker weg“, tönt es aus den üblich verdächtigen Ecken.
Das müssen wir erst einmal schaffen, liebe Leute! Denn so wirklich den Schneid abgekauft haben wir den Ingolstädtern gestern nicht. Ich habe gegen Frankfurt mehr gelungenes Passspiel gesehen und mehr Kombinationsfussball, als gestern gegen die Vertreter mit den 4 Ringen auf der Brust.
Djourou wirkte oft leicht unkonzentriert, hievte den Ball mehrere Male unbedrängt ins Aus, ließ sich tunneln. Da tauchten (speziell in der 2. Halbzeit) plötzlich 2,3 Gegner fast allein vor Drobny auf. Einfach so durchmarschiert durch ein träumendes Mittelfeld und eine in dem Moment zu langsame Abwehr! Nicht zuletzt unserer Nummer 1 ist es zu verdanken, dass wir wieder zu Null vom Platz gehen konnten. Für mich ist er, und das nicht zum 1. Mal, der Mann des Spieles! In Hinsicht auf die Torwartfrage möchte ich wirklich nicht in Brunos Haut stecken! Wie bringt man Adler bei, auf der Bank sitzen zu müssen, wenn er fit ist? Und mit welcher Berechtigung will man einen Torwart austauschen, der nie sicherer wirkte, als gerade jetzt?

Zurück zum Spiel:
Auf der anderen Seite vergaben Müller und Lasogga mal wieder zwei 120prozentige Chancen. So wollte der Ball überall hin, nur einfach nicht ins Tor. Stuttgart ließ grüßen.
Ein super glückliches Händchen bewies Labbadia mit seinen Auswechselungen, in der 65. Minute. Während Diaz im Mittelfeld für Ruhe und den ein oder anderen klugen Pass in die Spitze sorgte, nutzte Gregoritsch in der 87. Minute seine Chance und löste riesen Jubel im Gästeblock aus. Mit einem Zuckerfreistoß, der durch Bauer leicht abgefälscht sein Ziel traf und im Netz zappelte, sicherte sich der HSV letztendlich die Auswärtspunkte.

Apropos Auswärtspunkte: Labaddia hat aus 12 Spielen einen Punkteschnitt von 2 Punkten erreicht. 6 Auswärtspunkte stehen dabei in der Statistik. Das sind schon jetzt genauso viele wie in der kompletten Hinrunde der vergangenen Saison.
Zuhause eine Macht, auswärts ein unbequemer Gegner. Wie lange haben wir davon geträumt?
Und wie viel Prozent dieser Werte haben wir Labbadia zu verdanken?
Wenn es nach mir geht, sind es etwa 80%.
Jaha, höre ich da die Menge schreien, aber spielen tun doch die Spieler! Die auf dem Feld beeinflussen das Spielergebnis!

Wenn es denn aber so wäre, warum hat es dann in den letzten Spielzeiten nie funktioniert? Als unser Kader noch mehrere Millionen mehr wert war, als größere Namen den Rasen umpflügten, als weder das eine noch das andere System unter gefühlt 18 verschiedenen Trainern funktionieren wollte?
Meiner Meinung nach ist die Antwort einfach: Zum einen hat sich Labbadia den jetzigen Kader zum größten Teil selber zusammengestellt.
Zum anderen, und das finde ich fast noch wichtiger: Bruno Labbadia lebt Fußball! Er lebt ihn MIT! Er trainiert MIT der Mannschaft, er zeigt WIE es geht (und zwar selber), er fühlt sich als Teil der Mannschaft und genießt trotzdem Respekt!
Er hat jede Menge Feingefühl, wann auch mal etwas mit Worten und nicht mit Taten aus der Welt geschafft werden muss. Er ist Papaersatz und Vorbild für die Jungspunde, er ist Gesprächspartner für die gestandenen Spieler und er ist derjenige, der letztendlich den Kopf hinhalten muss, wenn es auf dem Rasen mal wieder nicht so läuft, wie es soll. Und das wiederum wissen seine Jungs.
Das soll beileibe kein Loblied auf einen glorifizierten Trainer werden, sondern eher ein persönlicher Eindruck den man auch bekommen kann, wenn man sieht, wie am Spielfeldrand gemeinsam gejubelt aber auch gelitten wird!

Und eines darf man, bei aller Euphorie nicht vergessen, und damit wären wir wieder am Anfang des Kreislaufes: Die Rückrunde kommt noch. Und in der soll der Bruno ja schon das ein oder andere mal kläglich versagt haben und es zudem geschafft haben, die halbe Mannschaft gegen sich aufzubringen.
Wollen hoffen, dass der Wahlhamburger auch hier dazugelernt hat und erwachsen geworden ist!
Ich bin guter Dinge und will gar nicht erst daran denken, dass auch ich mich mal irren kann 😉
(mg)