Zuckerbrot und Peitsche

„Das ist Kopfsache“, sagte Gladbach-Spieler Håvard Nordtveit bei Spiegel online, „wenn eine schlechte Zeit kommt, dann denkst Du viele schlechte Dinge.“

Und wenn jemand genau davon ein Lied singen kann, dann sind das die Hamburger!
Die Jungs um Kapitän Djourou wussten nur zu genau wie es sich anfühlt, wenn man drei Spiele hintereinander nicht gepunktet hat. Dee Druck kommt nicht nur von den eigenen Anhängern, er entsteht viel mehr noch im eigenen Kopf, lässt Unsicherheit, ja Angst entstehen.
Und war der HSV in den letzten Jahren, nach einer sieglos-Serie immer ein willkommener Aufbaugegner, so wurden die Gladbacher am Freitag eines Besseren belehrt.
Lasogga und Co strotzten nur so vor Selbstbewusstsein und, Achtung, Spielfreude! Jawohl, die sah man ihnen förmlich an! Da geht heute was, schienen sie ein ums andere Mal zu rufen, kommt, lasst uns was draus machen!
Und so machten sie!
Lasogga, drei Spiele nicht über eine Jokerrolle hinausgekommen, war heiß, wie Frittenfett! Er war vorne zu finden, arbeitetet toll nach hinten mit und dürfte so seinem Trainer, der ihn genau in dieser Rolle sehen wollte, viel Freude gemacht haben! Für mich ist es Labbadia zu verdanken, dass Lasogga endlich wieder weiß, wo das Tor steht und dafür auch mal rotzfrech dem gegnerischen Torwart einen Ball abläuft!
Bruno hat bei ihm die richtige Mischung zwischen Zuckerbrot und Peitsche gefunden, die ihn sicherlich einen Teil wütend gemacht hat! Eine positive Wut, die Lasogga brauchte, um seinen bulligen Körper endlich wieder überall auf dem Platz in Szene zu setzen.
Gleiches, in leicht abgeschwächter Form, gilt sicher auch für Nicolai Müller, der spielte, als sei er endlich mal wieder von der Leine gelassen worden. Müller ist für mich nen Ticken sensibler, als Lasogga. Er hat es klaglos hingenommen, dass die Bank in den letzten Spielen eher sein Aufenthaltsort war, als der Rasen. Dann steht er endlich mal wieder in der Startelf und es sieht aus, als sei er nie weg gewesen!
Hut ab vor dem glücklichen Händchen, das Bruno bei der Startelf bewiesen hat.
Obwohl einige (auch durch Ausfälle) nötige Umstellungen erfolgten, sah die Mannschaft mächtig eingespielt aus. Und, ich muss es ja zugeben, auch ein Hunt fügte sich nahtlos in das Gefüge ein.
Das sah wirklich nach Fußball aus! Das war eine Teamleistung! Da kamen auch mal zwei, drei Leute zur Hilfe, wenn Ostrzolek alleine dem Gegner den Ball nicht abnehmen konnte. Da lief sich in der Mitte auch mal ein Hunt, ein Holtby oder Müller frei, wenn Diekmeier über rechts nach vorne sprintete!
Und sie belohnten sich für ihre Mühe, indem sie drei tolle Tore machten. Wobei für mich der Heber von Müller der schönste Treffer war! Auch, weil die Vorgabe von einem (unterforderten) Drobny kam! Endlich mal ein langer Abschlag, der sein Ziel fand! Und wie!
Was mir zudem auffiel: die Jungs redeten auf dem Platz viel miteinander! Da lief endlich niemand mit gesenktem Kopf über das Grün, da kamen klare Absprachen und Ansagen. Nicht selten auch von Djourou, der sich mehr und mehr zu einem richtigen Kapitän mausert.
So kann es weitergehen!
So MUSS es weitergehen!
Schon am nächsten Samstag wartet die nächste Herausforderung in Form der wohl größten Spieltags-Überraschung: Frankfurt.
Die Hessen zerlegten gestern mal eben die Kölner. Wie ein Wirbelwind sorgte allein Alex Meier für 3 der 6(!) Frankfurter Tore! Da wird sich Bruno mächtig was einfallen lassen müssen! Da darf nicht nachgegeben werden, da darf man sich nicht auf den 3 Punkten aus Gladbach ausruhen, da muss man drauf aufbauen! Mit Respekt und vor allem Willen! Mit Teamgeist und Spielwitz! Ich bin gespannt drauf!
Nicht , dass wir zuhause unter die Räder kommen und Bruno wieder von vorne anfangen muss, mit Zuckerbrot und Peitsche…

(MG)