3 Punkte, 3 Tore, ein Sieg

„Der HSV ist angekommen in der 2. Bundesliga“, titelten verschiedene Medien am Tag nach dem Sieg gegen Sandhausen.

Aus dem 2. Spiel im Unterhaus des deutschen Fußballs brachten unsere Rothosen 3 Punkte mit nach Hamburg.

Sie wiegen schwer. Denn hätte man auch dieses Spiel versiebt, nicht nur die Köpfe der Spieler wären noch ein Stück tiefer zwischen die Schultern gesunken.

So aber hat es Trainer Christian Titz in der vergangenen Trainingswoche wohl geschafft, der jungen Truppe die nötige Portion Selbstbewusstsein mit auf den Weg zu geben.

Und das war auch gut so. Denn wenn es auch „nur“ gegen den SV Sandhausen, im fünftkleinsten Stadion der Liga, ging, aus verschiedenen Pokalerfahrungen heraus weiß man beim HSV ganz genau, dass es eben keine Vereine gibt, denen man mal eben so im Vorbeigehen Siege abluchsen kann.

Christian Titz, der eine Art „Heimspiel“ hatte, ist er doch im 20 Kilometer entfernten Edingen-Neckarhausen aufgewachsen, veränderte, im Gegensatz zur vergangenen Woche, an der Startelf nicht viel.

Lediglich Lasogga trat zu seinem Zweitligadebüt an und der von Stuttgart ausgeliehene Orel Mangala sollte im Mittelfeld für Ruhe sorgen.

Da der SV Sandhausen saisonübergreifend bereits seit fünf Spielen auf einen Sieg wartete, durfte man im Vorfeld keine großen Gastgeschenke erwarten.

Die verteilten die Baden-Württemberger lieber noch vor dem Anpfiff. Für jeden angereisten HSVer gab es mit der Eintrittskarte gleich mal ein Freibier dazu. Eine feine Geste der Sandhäuser, die bereits mit einer plakativen Anreiseempfehlung, am Hamburger Hauptbahnhof mächtig Sympathiepunkte gesammelt hatten.

Allerdings gab es dann doch noch Gastgeschenke, auch auf dem grünen Rasen. Zwei Torwartfehler von Marcel Schuhen, in der 7. und 59. Minute sorgten mit für den 3:0 Erfolg für den HSV.

Das 2:0 fiel in der 30. Minute. Rick van Drongelen versenkte den Ball, nach einer Hereingabe durch Santos, per Kopf im Tor der Sandhäuser, die bereits ihre 7. Zweitligasaison bestreiten.

Nun mag der ein oder andere erneut die „nur Sandhausen-Keule“ auspacken, einige noch immer vorhandene Abwehrschwächen der Hamburger aufzählen und vergebenen Bällen hinterherschauen.

Fakt ist, wir haben gewonnen.

Und auch die vermeintlichen Gastgeschenke müssen erstmal erfolgreich angenommen werden. Gerade wir HSVer haben das schmerzlich in der vergangenen Saison erlebt, dass das auch anders laufen kann.

Khaled Narey verwandelte allerdings mit eiskalter Abgeklärtheit. An dem 24jährigen Deutsch-Togolesen, der für 1,7 Millionen von Greuther Fürth zum HSV kam und Nikolai Müller auf der rechten Außenposition ersetzen soll, werden wir noch viel Freude haben.

Auch Neuzugang Orel Mangala wusste sich zu behaupten. Obwohl der erst in der vergangenen Woche ins Mannschaftstraining einstieg, scheint er seinen Platz im Gefüge der jungen Truppe bereits gefunden zu haben.

Der Unterschied zur vergangenen Woche?

Christian Titz brachte es auf den Punkt: „Wir haben unsere Chancen genutzt.“

Mehr gab es nicht zu sagen.

Es war ein Sieg nach einer bitteren Niederlage. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Der HSV steht nach dem 2. Spieltag auf einem nicht aussagefähigen Platz 8, die jetzt ausgeglichene Tordifferenz macht es möglich.

Nun gilt es, Konstanz in den Kader zu bringen, weiter zu arbeiten und jedes Spiel anzugehen, als wäre es ein Endspiel. Leichter wird es nicht werden.

Und sollte es denn wirklich so sein, dass der HSV angekommen ist in Liga 2. Ich bin es irgendwie noch nicht.

So berühren mich die übrigen Partien so gut wie gar nicht. Vielleicht kommt das ja noch, wenn wir jeden Gegner einmal bespielt haben. Wie geht es euch damit?

In diesem Zusammenhang mein ureigenster Senf zum morgigen Testspiel des HSV gegen die Bayern:

Ich kann diese Ansetzung absolut nicht nachvollziehen.

Zum einen kann man von einem hohen Sieg der Bayern ausgehen (wer bitte will das wirklich sehen?), der weder für das anstehende Pokalspiel gegen Erndtebrück das Prädikat „besonders wertvoll“ verdient, noch für das gerade erst belohnte Selbstbewusstsein der Mannschaft praktisch erscheint.

Zum anderen besteht immer die Möglichkeit, dass sich einer unserer Spieler verletzt und dann bei den wichtigeren Ligaspielen fehlt.

Aktuell sollen erst 23.000 Tickets verkauft, das Stadion somit am Mittwoch nur halb voll sein. Wer es trotz allem sehen möchte: die Partie wird morgen live auf Sport1, ab 17 Uhr, übertragen…

Last but not least noch ein persönliches Wort zu Kostic.

Lieber Filip. Ich kann dein Verhalten in keinster Weise nachvollziehen. Du stehst bei einem Verein unter Vertrag, der dir regelmäßig jeden Monat dein Gehalt überweist. Du kamst 2016 für 14 Millionen vom VFB Stuttgart und hast seitdem deinen Marktwert mehr als halbiert. Hast du dich mal gefragt, woran das wohl liegen mag?

Meinst du nicht, dass dein Arbeitgeber es zumindest verdient hat, dass du bis zuletzt alles gibst, auch wenn du am liebsten sofort weg willst?

Es gebietet die Regel der Höflichkeit, sich nicht mit einem Boykott, sondern mit Leistung zu verabschieden! Und dem HSV endlich Planungssicherheit zu verschaffen. Das funktioniert aber nicht mit dem Ablehnen von Vertragsangeboten oder einer Null-Bock-Einstellung.

Ich habe fertig!

(mg)