Abstiegsfrust, Abenteuerlust und eine Reise nach Österreich

Vorfreude, Wehmut, oder Euphorie?
Mehrere Herzen schlagen gerade in meiner Brust.
Nunmehr sind es bereits acht Wochen, seitdem der HSV den bitteren Abstieg in Liga 2 besiegelte.
Acht Wochen, in denen ich versuchte zu realisieren, was da geschehen war.

Unabsteigbar?
Niemals 2. Liga?
Vorbei!

In meiner Trauer wurde ich aufgefangen, durch die aufkeimende Euphorie, die sich rund um den Verein, kaum einen Tag nach dem Spiel gegen die Fohlen erhob.
Über 5000 neue Vereinsanträge gingen ein.
„Mein Hamburg lieb ich sehr“ klang in meinen Ohren nach.
Ein „Jetzt erst recht“-Gefühl keimte auf.

Neue Spieler kommen, bekannte Gesichter gehen.
Einige konnten es sich leider nicht verkneifen, noch einmal gegen den ehemaligen Arbeitgeber nachzutreten.
So tun die Worte von Hahn und Co zwar weh, sie zeigen uns trotzdem einiges.

Ja, es herrschte eine Zeitlang Unruhe, speziell auf der Führungsebene. Doch so wie es scheint, sind diese Tage gezählt, in denen die BILD oder das Abendblatt vor der Vereinsführung wusste, wer kommt und wer geht.
In denen von außen noch mehr Unruhe nach innen getragen werden konnte und sich die handelnden Personen davon beeinflussen ließen.
Ruhig und sachlich wird augenscheinlich an einem Kader gearbeitet, der die bevorstehende Herkulesaufgabe angeht und bewältigen kann.
Gemeinsam und Hand in Hand.
Im Gegensatz zu vorherigen Transferperioden werden sogar Spieler VERKAUFT. Für den ein oder anderen beurlaubten SpoDi dürften das ein Schlag ins Gesicht sein.

Ja, so manch ein Trainer vercoachte sich in der letzten Saison mächtig und überging dabei manch einen Spieler wortlos.
Aber hey. Seid ihr Jungs nicht alle erwachsen genug, eure Interessen in einem INTERNEN Gespräch anzubringen und nach Lösungen zu suchen?

Raus aus der Komfortzone, rein in die Selbstständigkeit eines Profispielers, der weiß, was er will, der zeigt, dass er kann! Der sich eben nicht zu schade ist, im Sinne der Mannschaft auch mal Platz auf der Bank zu nehmen, um in der Woche danach doppelt Vollgas im Training zu geben.
Ein „es hat niemand mit mir gesprochen“ ist mir da zu einfach!

Sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Stellvertretend dafür sei hier Lewis Holtby erwähnt, der ohne großen Medienrummel die Durststrecke auf der Bank überstand und anschließend eben NICHT zu einem Gesicht des Abstiegs, sondern mit seiner Vertragsverlängerung eher eines der Hoffnung auf bessere Zeiten wurde.

Und wenn ich von mehreren Herzen in meiner Brust spreche, dann meine ich auch das, was am 1. Spieltag der 2. Liga nochmal traurig darauf schaut, dass die Liga, die man bisher kannte, erst Stunden später angepfiffen wird.
Ich hoffe, dass unsere Jungs, unser Trainerteam und auch die Vereinsspitze mich (und mit mir sicherlich zigtausend weitere) mit erfrischendem Fußball auffängt.
Wir HSVer gieren nach gutem Fußball.
Wir gieren nach Erfolgserlebnissen.
Wir gieren nach Toren und wir haben es auch verdient.

Somit habe ich mir vorgenommen, mich ab sofort ganz einfach zu freuen. Auf das Abenteuer 2. Liga, das hoffentlich nicht länger als dieses eine Jahr dauert.

Es wird kein Selbstgänger.
Aber es wird spannend sein zu sehen, wie sich der HSV auf unbekanntem Terrain entwickelt.

Einen ersten Eindruck auf die kommenden 34 Spieltage erhaltet ihr ab kommendem Sonntag von uns.
Die BlogPerlen begleiten die Mannschaft nach Österreich, ins Trainingslager.
Dort wird uns hoffentlich nicht nur der Wettergott und der Greenkeeper wohl gesonnen sein, sondern wir lernen den ein oder anderen von euch sicher auch mal persönlich kennen.

Auf viele schöne Momente, die wir mit euch teilen können.
Ich freue mich wie ein kleines Kind auf die neue Mannschaft.
(mg)

Ecken und Kanten

Unsere deutsche Nationalmannschaft ist ausgeschieden.
In der Vorrunde.
Als Letzter in einer Gruppe, eigentlich ohne die ganz großen Namen.

Nun stelle ich mir ein wenig die Frage nach dem Warum und viel wichtiger: Was kann man daraus lernen?
Und damit meine ich durchaus auch unseren HSV.

Die Spieler, die Löw mit nach Rußland genommen hat, waren alle gut.
Nun kann man streiten, ob sie besser als die Spieler der anderen Favoriten waren, aber für die Gruppe hätte es locker reichen müssen.
Also hat die Mannschaft nicht funktioniert oder die Taktik hat nicht gestimmt. Wahrscheinlich beides.
Fangen wir taktisch an: Die drei Gegner haben sich hinten reingestellt auf schnelle Konter gewartet.
Das ist im Übrigen auch etwas, was dem HSV in der Liga oft passieren wird.

Dann hat die deutsche Nationalmannschaft meiner Ansicht nach drei Fehler gemacht.
1. hat man die Halbräume nicht anständig besetzt.
Erinnern wir uns, dort lauerte fast immer einer der Gegner. Es kam ein Ball von hinten aus der Abwehr geschlagen und dann ging es mit Tempo los und die Abwehr kam ins Schwimmen.
Dabei haben wir es versäumt, schnell genug, mit genügend Leuten hinter den Ball zu kommen.
Das war schon so in den Vorbereitungsspielen und in den Gruppenspielen zu beobachten.
2. man hat sich immer wieder auf die Flügel drängen lassen, anstatt es übers Zentrum zu versuchen.
Aber das war eben auch von den Gegnern gut gemacht. Man hat unser Spiel ganz gezielt auf die Flügel gedrängt.
Und 3. hat man auf Teufel komm raus versucht, im Strafraum Überzahl zu entwickeln.
Das hört sich erstmal richtig an, aber wenn der Gegner schon mit 6 Spielern im Strafraum steht und wir noch mit 4 Spielern reindrängen, dann wird es einfach alles zu eng.
Erinnert ihr euch an unser Mainz-Spiel? Da hat Holler auch einen Stürmer nach dem anderen eingewechselt, alle haben sich im Weg gestanden und niemand war da, der diese Stürmer hätte in Szene setzen können.
Hier war es ähnlich. Wir hätten unsere Spieler zurückziehen müssen (was nebenbei auch der Defensive mehr Stabilität gebracht hätte) und dann wären Räume frei gewesen für Werner, Müller und Reus, in die sie hätten stoßen können.
Alle drei haben das Auge für solche Räume. Auch mit Özil und Kroos hätte man Spieler gehabt, die das Auge für die Räume gehabt hätten um genau dorthin die Bälle zu passen.
Und dann muß man auch einfach mal abziehen, auch aus der Entfernung.
Warum war Brandt so gut? Weil er genau das getan hat (mal, nicht nur).
Dann kommt der Ball zumindest mal aufs Tor und man hat die Chance, daß er, eventuell auch mal abgefälscht, reingeht.

Was hat das nun mit dem HSV 18/19 zu tun?
Ganz einfach: auch wir müssen aufpassen, daß wir die Räume nicht zu eng machen.
Geht es Richtung gegnerischem Strafraum, dann können wir mit Ito eins gegen eins, mit Holtby, der auch den Drang in diese Räume hat und auf der anderen Seite mit dem blitzschnellen Narey in die Räume hinter die Abwehr gehen, oder eben auch in die Mitte ziehen, um abzuschließen.
Beidfüßig kann er. Ich hoffe er erkennt auch die nötigen Räume.

Die Mannschaft. Es fehlte bei der Nationalmannschaft an mannschaftlicher Geschlossenheit auf dem Platz.
Anscheinend hatten die Spieler alle zu sehr mit sich selbst zu tun.
Dann fehlten Typen wie Poldi, die die anderen auch mal auflockern, Typen wir Klose, Mertesacker, die immer und überall zu 100% professionell sind und ein Schweinsteiger, der eben auch mal drüber hinweggeht und damit die anderen mitreißt.
Leider hat man es zu sehr im Schongang versucht.
Zu wenig Bewegung ohne Ball, somit fehlte es an Anspielstationen.
Nach Fehlpässen ist zB ein Toni Kroos nicht richtig hinterhergegangen, um den Fehler wettzumachen.
Viel entlädt sich auf Özil, aber auf den Zug sollten wir nicht aufspringen. Sicher, auch er hat nicht geglänzt, aber trotzdem war er nicht schlecht.
Nur ohne Bewegung im Strafraum hat er keine Lücken, in die er passen kann. Und lasst euch nicht von seiner Körpersprache täuschen. Mit genau dieser Körpersprache ist er vor 4 Jahren Weltmeister geworden.
Die ganze Mannschaft wirkte bocklos.
Warum? Unter anderem auch deshalb, weil sich viele Fans von ihr abgewandt haben.
Oder andersrum, man hat es seitens des DFB versäumt, die Fans mit ins Boot zu nehmen.
Diesen Schuh muß sich der aalglatte Bierhoff anziehen.
Die Presse wird von den Spielern und vom Trainer ferngehalten, Nachfragen sind nicht erwünscht.
Und auch die Erdoganaffaire, ist krisenmanagementmäßig saumiserabel behandelt worden.
Es wird versucht nirgendwo anzuecken, mit dem Ergebnis, man wird gesichtslos, austauschbar.
Im Eintrachtpodcast hat man es mit ner Scheibe Brot verglichen. Der eine mag keine Marmelade, der nächste keinen Käse und der übernächste keine Wurst.
Also gibt es nur trocken Brot.

Viele meinen, die Nationalmannschaft bekäme nichts davon mit, was hier in Deutschland abgeht. Das stimmt nicht. Man merkt immer wieder, sie registrieren ganz genau, wie die Stimmung unter den Fans ist.
Und eine gute Stimmung zuhause hätte den Jungs in Rußland auch geholfen, die richtige WM-Stimmung in der Mannschaft aufkommen zu lassen.

Als Folge der AfDisierung der Gesellschaft gibt es beim DFB auch keine Aktionen mehr, wie die „Wir sind Deutschland“-Geschichte, in der auch Nationalspieler mitgemacht haben (zB Gerald Asamoah). Warum gibt es sie eigentlich nicht mehr? Ganz einfach, man hat Angst, durch die Positionierung Leute zu verschrecken.

Hier sind ganz eindringlich Bierhoff und auch Grindel gefragt.
Was will man in Zukunft? Wie sieht sich die Nationalmannschaft in Zukunft? Mit Wischiwaschi kann man vielleicht kurzfristig Erfolg haben, aber man wird austauschbar.
Mit entsprechenden Aktionen hätte man die Möglichkeit klar auszudrücken: Scheißegal, was so manche Idioten sagen, wir stehen hinter euch, wir stehen zu 100% hinter der Mannschaft.
Und man hätte die Möglichkeit klar auszudrücken: Scheißegal, was die Idioten sagen, wir stehen hinter euch, wir stehen zu 100% hinter der Mannschaft. Und dann werden nämlich auch Loddar, Basler und wie die Pseudoexperten alle heißen, ruhig, wenn sie merken, da in Rußland ist eine Einheit

Und hier kommen wir erneut zum HSV: Wofür steht der HSV der Zukunft? Wo will man hin?
Hier könnte man ja aufs Leitbild verweisen. Aber das ist so umfangreich, da ist für jeden was drin, dadurch ist es aber eben wischiwaschi. Hier hat man es versäumt, sich ein Profil zu geben. Bei dem ganzen Socialmedia, HSV-tv, usw. muß man jedoch aufpassen, daß man nicht zu glatt wird, wie ein rundgelutscher Kieselstein, sondern daß man sich die Ecken und Kanten bewahrt, die nötig sind.

Neulich hätte man die Möglichkeit dazu gehabt, als man erst Albin Ekdal, mit seinen Schweden, viel Glück gewünscht hat, dann den Tweet wieder zurückgezogen, weil das ja gegen die deutsche Nationalmannschaft ging. Man hätte zeigen können: Wir sind der HSV, wir stehen hinter unseren Spielern, auch wenn sie gerade mal nicht für uns, sondern für ihr Land spielen.
Aber stattdessen hat man es vorgezogen, mit dem Strom zu schwimmen.

Ein gesundes Selbstbewusstsein täte uns gut. Selbstbewusst und aufrecht sollten wir unseren Weg gehen, gegen all die Leute, die sich von Bild, AB, Mopo und/oder DoPa aufhetzen lassen.
Ich wünsche mir beispielsweise einen Lewis Holtby, der dann eben im Fieldinterview, wie das so schön neudeutsch heißt, auch mal einen raushaut. Spieler, die mal klar Stellung beziehen. Das kann man nämlich auch, ohne Leute anzuprangern.

Uns fehlt in Deutschland und auch beim HSV der Mut zu Ecken und Kanten. Und ein bisschen von dem, was in Bayern das „mia san mia“ ist. „wi sinn wi“ (fb)

Europapokaaaaaaaal

Sorry, ne andere Überschrift fiel mir gerade nicht ein.
Aber ich bin mir sicher, ich hab jetzt eure Aufmerksamkeit.

Normalerweise kommt von mir ja immer eine Saisonrückschau. Nach der Saison fehlte mir die Zeit dazu, jetzt hab ich keinen Bock mehr, nach hinten zu gucken.

Abstieg, 2. Liga.
Ich glaube, so richtig begriffen hab ich es immer noch nicht.
Aber eines weiß ich, ich freu mich auf die neue Saison, wie schon lange nicht mehr.

Das hat allerdings weniger mit dem Abstieg zu tun, sondern eher damit, daß beim HSV seit der Wahl von Bernd Hoffmann sehr viel richtig gemacht wird.
Den Abstieg konnte er nicht mehr verhindern, aber er hat die Weichen stellen können, damit wir quasi in der schwärzesten Stunde des Vereins optimistisch und voller Vorfreude nach vorne schauen können.
Die Spitze des Vereins ist neu geordnet worden. Bernd Hoffmann ist Interimsvorstandsvorsitzender.
Ob er den Job demnächst wieder abgibt oder irgendwann zum regulären VV wird, muß man sehen.
Die Hauptsache ist, es wird dort wieder anständig gehandelt.
Mit Ralf Becker haben wir zudem einen neuen Sportvorstand.
Und allen Unkenrufen zum Trotz: Bernhard Peters ist noch da und leitet wie zuvor die Ausbildung der Jugend.
Alle drei sind sich ähnlicher, als man auf den ersten Blick meinen könnte.
Sie sind zielstrebig, konsequent, klar in ihren Entscheidungen, leistungsorientiert und alle sind bereit, Entscheidungen ohne langes Zögern auch zu treffen.
Das wird unweigerlich zu Reibungen führen.
Aber das sollte uns keine Sorgen bereiten, denn diese Reibungen führen dazu, daß bessere Entscheidungen getroffen werden. Alle drei werden diese tolerieren, weil sie wissen, daß nur so Topleistungen erzielt werden können. Und darauf kommt es ihnen an.

Der HSV macht im Moment vieles richtig. Nicht alles, wie man zB am Trainingslager sehen konnte, aber doch sehr viel.
Das gefällt mir, das gefällt aber auch den anderen Fans. Das Ergebnis ist eine Euphorie, wie wir sie lange nicht mehr hatten.
Wir HSVer lechzen förmlich nach gutem Fußball.
Seit Titz unser Trainer ist, spielen wir gut. Das heißt nicht, daß wir alles gewinnen, sondern erstmal nur, daß wir gut spielen.

Viele Spieler werden uns verlassen, einige haben verlängert und andere kommen neu zu uns.
Ob Alen Halilovic zurückkehr? Ich denke nicht. Er wird den Verein verlassen, bzw nicht zurückkommen. Christian Titz hat gesagt, er würde es gerne mit ihm mal versuchen, aber der Spieler will nicht. Zwei Anmerkungen dazu: Ich glaube, für Alen wäre es gut könnte er etwas runterfahren, sich etwas erden und dann unter einem Trainer wie Titz mit einem Fußball wie er spielen lässt, ein bisschen von vorne anfangen. Das würde seiner Karriere sicherlich gut tun. So wie es Sandro Wagner auch gut getan hat, als er in Darmstadt war. Der zweite Punkt ist, ich traue ihm diesen Neuanfang nicht zu, ich traue ihm nicht zu, daß er clever genug für einen solchen Schritt ist. Und deshalb bin ich erleichtert, daß er augenscheinlich nicht mehr bei uns spielen möchte.

Es wird seit Jahren immer von Umbruch geschrieben, aber diesmal werden wir wirklich einen Umbruch in der Mannschaft erleben.
Der Charakter der Mannschaft verändert sich. Es bleiben nur Spieler die bereit sind, den Weg mit dem HSV zu gehen.
Spieler wie Hahn, Waldschmidt, Kostic und Ekdal verlassen uns, bzw haben den Verein schon verlassen.
Spieler, die nicht mehr zum Verein passen, wie unser guter alter Dennis Diekmeier oder einige andere müssen gehen.
Faule Äpfel werden aussortiert, Walace zB geht für 6 Mio nach Hannover.
Und dafür kommen neue Spieler dazu.
Ich habe bei der ganzen Geschichte ein sehr gutes Gefühl.
Sakai hat am letzten Spieltag bereits bekundet, daß er bleibt. Holtby und Hunt bleiben auch.
Ich bin mir sicher, gerade die beiden letztgenannten könnten woanders mehr verdienen.
Damit entsteht ein Novum, das wir beim HSV bisher nicht kennen: Die Spieler bleiben, weil wir der HSV sind und nicht, weil wir am meisten zahlen.
Die Identifikation ist größer als in den letzten 10 Jahren.
Und die Jungs scheinen gut zusammenzupassen.
Schau ich mir die Trainingseinheiten, das Auftreten der Mannschaft an, dann sehe ich ein Team, das Lust hat zu spielen.
Es ist nicht der Job, der notwendigerweise gemacht werden muß, sondern sie haben Spaß.
Sie freuen sich, daß es wieder losgeht.
Die Körpersprache ist anders, sie haben Lust, mit dem Ball was zu machen.
Alle sind fit aus dem Urlaub zurückgekommen (ausser Janjicic).

Der Kader scheint mir auch sonst gut zusammengestellt.
Wir haben eine Achse von Spielern, die die Führung übernehmen werden. Wer das ist, das kann man jetzt schon feststellen: Pollersbeck, Gideon Jung, Go Sakai, Christoph Moritz, Lewis Holtby und Aaron Hunt.
An diesen Spielern werden sich die anderen orientieren können, sie werden der Anker in unserer Mannschaft sein, an ihnen können die jungen Spieler wachsen.
Viele Fans haben die Vertragsverlängerungen von Holtby, Hunt und Sakai kritisiert. Mit den Absteigern, die sich über Jahre die Taschen vollgemacht haben, sollte man nicht verlängern. Ich freue mich. Sie haben Qualität, sie sind hochmotiviert und sie sind erfahren.
Nur mit jungen Spielern würde man Schiffbruch erleiden.

Hinten im Tor ist Pollersbeck die unumstrittene Nr.1.
Er genießt das volle Vertrauen von Titz, das kann man ruhig wörtlich nehmen.
Und „Libero“ Julian, der von hinten das Spiel mit aufbaut, zahlt das mit Leistung zurück.
Mit Mickel und Behrens haben wir auf dieser Position anständigen Ersatz.

In der Abwehrreihe spielen wir mit Santos, van Drongelen, Jung und Sakai.
Mit 23 Jahren recht jung und trotzdem qualitativ nicht schlecht.
Dazu Vagnoman, Bates, Ambrosius und Knost.
Auf der einen 6, mit der wir spielen, haben wir Steinmann, Moritz und Janjicic (wenn er sich zusammenreißt).
Vorne im Zentrum stehen Holtby, Hunt, Ferati und Kwarteng.
Außen spielen wir mit Ito, Jatta, Narey (den wir heute aus Fürth verpflichtet haben) und Drawz.
Vorne in der Mitte finden wir wohl Lasogga, Arp und Wintzheimer.
Die beiden letzteren scheinen sich gut zu verstehen.
Zumindest ist das mein Eindruck.
Unterm Strich ist das ein anständiger Zweitligakader. Trotzdem denke ich, wird man versuchen, ihn hier und da noch zu verbessern.
Außerdem ist der Kader mit 25 Spielern bisher etwas dünn besetzt. Aber weitere Spieler werden erst gekauft, wenn wir auch wieder Einnahmen aus Verkäufen haben.

Mit Kostic, Ekdal, Papadoupolos und Wood haben wir noch 4 Spieler, die ein bisschen Geld in die Kasse spülen könnten.
Ich schätze die Einnahmen auf ca 15 Mio, wovon die Hälfte wohl wieder reinvestiert werden würde.
Auch wird man versuchen, ein passendes Leihgeschäft zu tätigen. Ich bin also durchaus optimistisch.
Der Wiederaufstieg ist möglich und sollte auch anvisiert werden
Köln ist der klare Favorit, dann kommen wir, dann kommt der Rest der Liga. Zumindest nach der Kostenlage auf dem Papier.
Und so sollten wir am Ende auch ins Ziel rollen.
Einige meinten, wir sollten der Mannschaft den Druck des Wiederaufstiegs nicht aufbürden.
Dazu möchte ich ein paar Worte sagen: Druck ist an sich nichts Schlimmes.
Er trägt dazu bei, daß wir Höchstleistung bringen.
Wir betreiben Leistungssport, da kommt man nicht ohne Druck aus.
Andere Mannschaften haben auch Druck.
Sei es der Abstiegskampf, der Aufstieg, der Kampf ums internationale Geschäft usw., usw.
Man kommt im Fußball nicht ohne Druck aus.
Wichtig ist, daß man sich die richtigen Ziele setzt.
Jarchows Platz 6 war wahnwitzig. Ein sofortiger Wiederaufstieg ist es dagegen nicht. Die Mannschaft dafür haben wir. Das Ziel zu erreichen wird jedoch nicht einfach.
Die gesamte Liga wird uns jagen. Je stärker der Gegner, desto süßer der Sieg.

Dann muß man sich auch erst an die Spielweise in der 2. Liga gewöhnen. Auch das wird nicht einfach. Aber einfach kann jeder.
Am Freitag wird der Spielplan präsentiert. Ich bin gespannt, wer die ersten Gegner sind. Mir ist es relativ egal, viele andere haben schon ihre speziellen Wünsche. Ich wünsche mir eigentlich nur, daß es bald wieder losgeht.
Nur der HSV (fb)

P.S.:Kühne. Tja, was soll man sagen? Eigentlich nichts. Es langweilt inzwischen. Also belassen wir es dabei.

Mediales Mobbing

Er ist kaum eine Woche im Amt und schon sorgt er für die meisten Schlagzeilen in den Medien.
Ralf Becker, frisch gekürter Sportdirektor beim HSV und gemeinsam mit Bernd Hoffmann und Frank Wettstein der komplettierte Vorstand in der AG des Vereins.

Während der vergangenen Tage gab er Interviews, die für viel Beachtung in den Zeitungen der gesamten Republik sorgten. Viele von diesen Blättern übernahmen ungefiltert Zitate, fügten Vermutungen hinzu und dichteten gar Untertöne ein, die sie meinten, rausgehört zu haben.
„Das kann man als Seitenhieb auf Bernhard Peters verstehen. Denn der vornehmlich für den Nachwuchsbereich zuständige Direktor Sport hat beim HSV Trainer wie Joe Zinnbauer und auch Titz gecoacht“, lautete beispielsweise eine Formulierung, die es auf zig Seiten on-und offline zu lesen gab.
Dabei hatte Becker „nur“ bestätigt, der wichtigste Mann im operativen Bereich sei für ihn Trainer Christian Titz.
„Ihm gilt meine komplette Unterstützung. Ich bin an seiner Seite, wenn er mich braucht. Ich bin aber nicht der, der ihm erklärt, wie er seine Dinge machen muss.“
Punkt.
Wer darin einen Seitenhieb zu lesen vermag hat für mich nur eines im Sinn: den HSV bloß nicht zur Ruhe kommen lassen. Zoff in der Führungsetage, in den vergangenen Jahren ja nichts Ungewöhnliches, kommt ja auch viel besser, als ein sachliches, zielorientiertes Zusammenwirken aller Beteiligten, das so gar nicht berichtenswert erscheint. Zu eben dieser hatte übrigens gerade Frank Wettstein alle Beteiligten, über die offiziellen Kanäle des HSV, aufgefordert.

Bernhard Peters und Ralf Becker sind beide erwachsene Menschen. Mit genügend Intelligenz und dem Willen, eventuell bestehende Probleme aufzuarbeiten, würde im Sinne aller gehandelt werden. Soviel sollte man ihnen zumindest zutrauen.
Doch das, was gerade medial abläuft, grenzt fast an Mobbing. Mobbing sowohl gegen Peters als auch gegen Becker.

Becker wird zum harten, herzlosen „Hund“ hochstilisiert, der sowohl das Büro seines „Konkurrenten“, als auch seinen Platz in der Kabine und auf der Trainerbank einnehmen will. Peters hingegen wird so lange kleingeschrieben, bis er vielleicht selber nicht mehr in den Spiegel gucken kann und seinen Hut nimmt.

Zum Teil hat er sich sicherlich selber in diese Situation gebracht. Seine Ambitionen auf das Amt des SpoDis, die er in einem Abendblatt-Interview erkennen ließ, gehörten einfach nicht in die Öffentlichkeit. Mit einem intern geführten Gespräch hätte sich dieses unschöne Gebashe, das nun entbrannt ist, vermeiden lassen und den Druck auf den HSV UND Peters gar nicht erst in Gang gesetzt.

Fakt 1 ist: wir alle wissen nicht, was genau intern gelaufen ist.
Fakt 2 ist: Peters besitzt einen gültigen Arbeitsvertrag, in dem seine Aufgaben detailliert beschrieben sein dürften. Werden diese beschnitten, hat er das gute Recht, darauf zu bestehen. Sind sie es nicht, sollte er in seinen alten Job, in dem er durchaus gute Arbeit geleistet hat, zurückkehren und das tun, wofür er bezahlt wird.
Erfolge sind das, was am schnellsten Gras über diese mediale Posse wachsen lässt und so manchem Reporter die Tinte schnell vom Füller nehmen dürfte.
Dass dafür allerdings erst die neue Saison angepfiffen werden muss, ist wohl auch jedem klar.

Im Übrigen haben wir beim HSV für meine Begriffe gerade ganz andere Probleme. Wir bereiten uns auf eine Saison vor, die für alle Neuland ist.
Und bin ich durchaus Willens, dem bestehenden Team Vertrauen auszusprechen, so ist mir doch eine Aussage unseres neuen SpoDis aufgestoßen:
„Wir wollen eine Struktur schaffen, in der die Richtung klar ist und das Ergebnis am besten im nächsten Sommer eintritt. Wir wollen das aber nicht mit Arroganz angehen, sondern mit Demut. Wir wollen bescheiden sein und vor allem arbeiten.“ (BILD)

Lieber Herr Becker. Weder mit Arroganz NOCH mit Demut gewinnt man Spiele. Wie lange sich der HSV schon in Demut begeben soll? Ich habe die Jahre nicht gezählt.
Ich mag es nicht mehr hören.
Viel mehr erwarten doch wohl alle eine schlagkräftige Mannschaft, die weiß was sie will, bissig auf den Platz geht und die verinnerlicht hat, dass sie allerorten als Favorit gesehen wird, den es zu schlagen gilt.
Weder gegen Aue, noch gegen Sandhausen, Köln oder Kiel wird Demut helfen.
Viel mehr werden Respekt vor jedem Gegner, Konzentration, Einsatz, Spieltaktik sowie Kampfgeist gefordert sein! Und eine Prise Bodenständigkeit, die es gilt, nicht nur auf der finanziellen Ebene wiederzuerlangen.
In diesem Sinne: herzlich willkommen Herr Becker und allzeit ein glückliches Händchen. Gegner überzeugt man am besten mit Leistung. Aber, wem sage ich das…
(mg)

Zweite Liga und nu?

Tja, es ist so weit, wir sind abgestiegen. Wie geht es mir nun? Irgendwie komisch. Es ist eine ganz seltsame Situation.

Als Wolfsburg das 3:1 geschossen hatte, da wusste ich, es ist vorbei.
Auch die Fans im Stadion wussten es. Sie haben dann etwas ganz Besonderes gemacht, sie haben „Mein Hamburg lieb ich sehr“ angestimmt. Das ganze Stadion hat gesungen … und ich hab vor dem Fernseher mit Gänsehaut auf den Armen gesessen und Rotz und Wasser geheult.
Das war der Moment, in dem es raus musste.

Ansonsten habe ich den Abstieg bisher gut verkraftet, denn auch wenn ich immer noch optimistisch war, mit jedem Punktverlust von uns, mit jedem Punktgewinn unserer Konkurrenten, wuchs die Wahrscheinlichkeit, daß es uns in diesem Jahr trifft.

Den emotionalen Tiefpunkt haben wir aber eigentlich schon viel früher erlebt.
Das Spiel gegen Mainz und die Klatsche gegen Bayern, die letzten beiden Spiele unter Bernd Hollerbach, das war für mich der Tiefpunkt.

Bernd Hoffmann hat anscheinend ähnlich empfunden und gehandelt. Und dadurch hat er den Weg für Christian Titz frei gemacht.
Und mit Titz kam der Aufschwung.

Die Spielweise von Titz war überraschend. Wir haben Fußball gespielt, wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr.
Dabei ist uns Fans das Herz aufgegangen und wir haben erst dadurch gemerkt, wie sehr uns das gefehlt hat.
Und dieser Fußball hat auch den Nerv von vielen anderen Fans getroffen.
Wenn sie bislang sagten „erlöst uns doch endlich mal von diesem HSV“ waren ihre Worte mehr und mehr „schade, daß dieser HSV jetzt die Liga verlassen muß“.

Der HSV geht erhobenen Hauptes

Als alles mehr und mehr auf das Ende zulief, wurde der Schulterschluß zwischen Mannschaft und Fans immer enger.
Andere wurden nervös, haben sich zerstritten… wir haben den Schulterschluß gesucht.
Haben die Mannschaft voll und ganz unterstützt.
Und auch vor und während des Spiels hat sich der gesamte HSV von seiner besten Seite gezeigt.
Bis auf ein paar Idioten.
Kinder, die sauer waren, weil wir nicht an die alten, an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen konnten … die sie selbst aber nie erlebt haben.
Kinder, deren Empathie von der Tapete bis zur Wand reicht, die den magischen Moment mit ihren Pyroaktionen zerstört haben.
Es war, als würde man auf einer Beerdigung einen Böller in die Menschenmenge werfen … pietätlos.

Aber ich denke lieber an die anderen Fans, an den Moment vorher, als das Stadion mit seinem Gesang die Gladbacher verstummen ließ.
Als die Fußballer unten auf dem Feld sich den Ball nur noch alibimäßig zugeschoben haben, weil ihnen klar war, das ist ein ganz besonderer Moment.
Und ich denke an den Moment, wo sich das Stadion zum Applaus erhoben hat, um die Mannschaft zu feiern, die in den letzten Wochen alles versucht und uns viel Freude mit ihrem Fußball bereitet hat.

Der Verein macht im Moment vieles richtig.
Das Marketing trifft die Gefühle der Fans (was in Köln wohl nicht so geklappt haben soll).
Mit Titz wurde der Vertrag verlängert, es wurden viele Jugendspieler mit Profiverträgen ausgestattet (und das nicht nur pro forma, sondern damit sie Teil der Mannschaft werden). Es wurden junge Talente verpflichtet und man will alte erfahrene Spieler halten, aber nicht zu jedem Preis … es zeichnet sich ab, daß wir eine junge hungrige Mannschaft, gespickt mit einigen guten Führungsspielern bekommen werden.

Die Fans honorieren das. Seit Abpfiff sind über 3000 Mitglieder neu in den Verein eingetreten … Wahnsinn. Die Stimmung ist seltsamerweise so gut, wie schon lange nicht mehr. Wohl auch deshalb, weil wir noch gar nicht realisiert haben, was es wirklich heißt, 2.Liga.
Das fängt an mit den Anstoßzeiten, die nicht immer optimal sind. Es geht weiter mit der Berichterstattung, die in der zweiten Liga doch oft recht stiefmütterlich ist. Und an vielen Kleinigkeiten merkt man, wir sind nicht mehr erste Liga. Und das tut dann doch weh.

Und darum sollten wir uns hier gar nicht erst häuslich einrichten und allen von Anfang an klar machen, wir sind nur zu Besuch.
Und das meine ich nicht hochnäsig in Richtung der Gegner, sondern das meine ich als Kampfansage, oder sagen wir lieber Ansporn, an unsere Mannschaft und an alle Verantwortlichen.
Das hat auch nichts mit Demut oder Hochmut zu tun.
Wir sind nunmal mit Köln zusammen der Krösus und Favorit.
Das ist so.
Und da kann es dann auch nur eine Zielsetzung geben: sofortiger Wiederaufstieg. Daran führt kein Weg vorbei. Denn wenn wir wirklich den Umbruch wollen, dann muß dieser erstmal im Kopf stattfinden.
Allein mit Demut gewinnt man keine Spiele.
Also muß es heißen, daß wir in Zukunft versuchen müssen, mit allen Mitteln JEDES Spiel zu gewinnen.
Und wenn wir in der zweiten Runde des Pokals nach München zu den Bayern reisen müssen, dann will ich sehen, daß die Mannschaft alles tut, um das Spiel zu gewinnen.
Das muß unser Anspruch sein. Und haben wir diesen Anspruch nicht, dann wird es schwer, denn auch in der zweiten Liga spielt man Fußball.

Aber erstmal denken wir noch an die Zeilen, mit denen wir unseren Abstieg besiegelt haben und die ich in einem Jahr wieder singen möchte, wenn wir wieder aufgestiegen sind

Mein Hamburg lieb ich sehr
sind die Zeiten auch oft schwer,
weiß ich doch, hier gehör ich her!
Hier, wo ich geboren bin,
wo ich spielte schon als Kind,
in den Straßen die mein Zuhause sind!

(fb)

Mit Titz und Trotz

Da wir gerade beim Brechen von Traditionen sind, ich habe heute weder den DoPa noch Herrn Wontorra in mein Wohnzimmer gelassen.
Auf all die Phrasen, Abgesänge und Schmähgesänge von Strunz, Bild und Co konnte ich gut verzichten. Sie alle konnten den Rest des noch übriggebliebenen Schmodders, der in den letzten Wochen über dem HSV ausgekübelt wurde bestimmt auch gut ohne mich verbreiten.
Es wird sowieso niemand nachvollziehen können, wie es im tiefsten Herzen eines Vollblut-HSV-Fans heute aussieht.

Ich will mal versuchen zu beschreiben, wie es in mir aussieht. Vielleicht findet sich ja der ein oder andere darin wieder.

Also, so wirklich realisiert habe ich den Abstieg noch nicht.
Es versucht immer noch der Bauch über den Kopf zu siegen. Und während der Bauch voll ist mit einer großen Portion Trauer und der unbeantworteten Frage, wann wir denn nun samstags einkaufen gehen wollen, wenn um 13 Uhr schon der HSV spielt und wo ich auf der Karte denn all die Sandhausens und Aues finde, schleicht sich im Kopf ein neues Gefühl ein: Trotz.
Sollen sie sich doch alle hämisch die Hände reiben und über uns grinsen.
Sollen sie doch ihre Liga „endlich“ ohne den HSV feiern und dabei feststellen, dass sie eben nicht mehr das ist, was sie mal war.
Eigentlich sind die, die heute feixen doch alle nur armselig. Denn auch wenn ich wohl niemals Bremen- oder Pauli-Fan werde, den Abstieg wünsche ich keinem Fan, der mit jeder Faser seines Körpers zu seinem Verein steht. Schon gar nicht mit derartiger Wortwahl, die in der letzten Zeit immer mal wieder zu lesen war und die jedwelche Intelligenz ihrer Nutzer zumindest in Frage stellen.

Und jetzt mal ganz im Ernst, liebe Leute, eigentlich hatten wir ja lange genug Zeit, um uns auf den Fall der Fälle vorzubereiten.
Seit dem 17. Spieltag (an dem wir übrigens mit 3:1 in Gladbach verloren) gurken wir dort unten rum und der Abstand zum rettenden Ufer wurde immer beängstigender.
Nach 13 Spielen ohne Sieg waren es sieben Punkte bis zum Relegationsplatz.

Und dann kam er. Christian Titz. Als ich innerlich bereits begann, mich mit dem Wort Abstieg zu befassen. Acht Spieltage vor dem Saisonende stellte der AR, unter dem Vorsitz von Bernd Hoffmann, mit nun Alleinvorstand Frank Wettstein die komplette Führungsriege auf den Kopf. Und Titz, vormals Trainer der U21, die gesamte Mannschaft.

Plötzlich wurde wieder Fußball gespielt. Nicht nur im Volkspark, sondern auch auswärts. So manch einer rieb sich verwundert die Augen. Selbst gestern jubelte Sky-Moderator Kai Dittmann „so spielt kein Absteiger“ in sein Mikro.
Es startete eine Aufholjagd, die gestern mit einem Sieg gegen die Fohlen, leider nicht mit dem doch noch verdienten Klassenerhalt belohnt wurde. That´s life, wenn du noch von anderen Ergebnissen abhängig bist.
Ich schrieb es ja bereits in der vergangenen Woche, dass ich annehme, dass Wolfsburg die letzten Reserven mobilisieren wird. Und auch eine Niederlagenserie unter Bruno Labbadia musste ja einmal ein Ende haben.

Aber ehrlich, wir können hoch erhobenen Hauptes in die 2. Liga gehen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.
Leider war es trotzdem zu spät.

Mit Recht ist Titz stolz auf seine Jung. Denn wieder einmal liest sich die Spielstatistik erstaunlich gut.
Mit einer Fehlpassquote von unter 14 Prozent sowie ausgeglichenem Ballbesitz und Zweikampfquote kann man sich durchaus sehen lassen. 17 mal wurde aufs Tor geschossen. 8 mal versuchten es die Gladbacher.
Duracellhäschen Holtby krönte seine 13 Kilometer Rasenlaufstrecke mit einem schönen Tor und Wirbelwind Ito hatte nicht nur die meisten Sprints und „Intensivläufe“, er darf sich auch den Scorrerpunkt zum 2:1 ins Fleißbüchlein schreiben.
Wunderbar die Atmosphäre im Volkspark, als die Gladbacher Abgesänge mit einem Chor aus mehreren zehntausend Kehlen und „Mein Hamburg lieb ich sehr“ übertönt wurden.

Hätte, wäre, wenn…
…unter anderen Umständen hätte es erneut Spaß gemacht, dieser Mannschaft zuzugucken.
Umso mehr haben mich die Tränen von Ito, Sakai, Arp und auch Steinmann berührt, als sie unter dem Applaus ihrer Fans in die Kurve gingen.

Und genau aus diesem Grund bin ich es auch. Stolz auf das, was die Jungs unter Titz in den letzten Wochen erreicht haben.
Unter all den Vorzeichen die wir nun bereits vorfinden bin ich wirklich gespannt darauf, wie und mit wem sich der HSV im Unterhaus der Liga verkaufen wird.
Es wird mit Sicherheit noch ein paar schmerzliche Abgänge geben (Santos wird einer davon sein. Was der inzwischen zur Stabilität in der Defensive und auch nach vorne zum Spiel beiträgt, ist mehr als lobenswert.)
Auch einen Holtby wird man nicht halten können. Schon allein aus finanziellen Gründen. Aber wenn ich ehrlich bin, dann ist das auch gut so.
Es muss an allen Stellschrauben gedreht werden. Und dazu zählt auch die der Großverdiener mit großen Namen. Interessant wird sein, was in diesem Zusammenhang aus Lasogga wird.
Und dann ist da ja auch noch ein Halilovic, der in den nächsten Wochen auf seinen gepackten Koffern vor der Kabinentür sitzen wird.
Vielleicht, ja vielleicht, kann ein Christian Titz ihm ja Leben einhauchen…

Jawohl, liebe Leute! Ich bin stolz darauf, ein HSV-Fan zu sein. Ein bekloppter HSV-Fan, der wieder an einen Neuanfang glaubt. Der daran glaubt, dass auch „dort oben“ endlich der Groschen gefallen ist und wir uns endlich mal wieder auf eine gute Saison freuen dürfen, die bereits am 3. August beginnt.

Bis dahin versuche ich ganz langsam mich auf die bevorstehende WM freuen zu können und bis dahin wird ganz sicher auch die Frage mit dem samstäglichen Einkauf gelöst sein 😉

In diesem Sinn: macht euch einen sonnigen Sonntag und beschenkt doch mal eure Mütter einfach nur mit eurer Anwesenheit.
(mg)

P.S.: eines wollte ich nicht vergessen: ein ganz großes Dankeschön geht an dieser Stelle an den Schiedsrichter der Partie, Felix Zwayer.
Seine Entscheidung, das Spiel nicht abzubrechen (und damit verloren zu werten), sondern mit einem Schiedsrichterball zu beenden ist aller Ehren wert!
Im Gegensatz zu der Aktion, durch die diese Entscheidung erst notwendig geworden ist, die aber nicht ein Wort mehr verdient hat.

Itos Barthaar

Sollte noch irgendjemand die These vertreten, dass der DFB seine Schiedsrichter angewiesen hat, den HSV mit zweifelhaften Entscheidungen in der 1. Bundesliga zu halten, der dürfte am vergangenen Wochenende endlich zum Schweigen gebracht worden sein.

Damit man mich nicht falsch versteht, ich käme nie auf die Idee, den wohl ersten Abstieg des Dinos gänzlich an der Abseitsentscheidung rund um Itos Tor zum 1:0 für den HSV, in der 25. Minute, festzumachen.
Es ist nun mal eine Mission „fast unmöglich“, eine grottenschlechte Saison innerhalb von acht Spielen zu revidieren.
In einer „normalen“ Spielzeit hätte sich wohl niemand besonders darüber geärgert, wenn die Hamburger ohne Punkte aus Frankfurt zurückgekommen wären.
Leider ist diese Saison mal wieder alles andere als normal…
Da dieses Tor aber zu einem Zeitpunkt weggepfiffen wurde, wo es für den HSV um Tod oder Gladiolen geht, unterstelle ich dem Videoschiri Günter Perl mangelndes Fingerspitzengefühl und dem Gesamtprojekt der FIFA grundsätzlich die Note mangelhaft.

Nicht ganz umsonst heißt es „im Zweifel für den Angeklagten“. Und wer hier keine Zweifel hatte, der muss schon Augen wie ein Adler haben, die zudem noch mächtig dreidimensional gucken können.
Selbst die Expertenrunden der diversen Fußballtalks waren sich fast geschlossen einig, dass das Kölner Eingreifen unangemessen war, da es sich nicht um eine eindeutige Fehlentscheidung von Deniz Aytekin handelte, als er das Tor zunächst gab.
Man hätte schon mehrere Kalibrierungslinien ziehen müssen, um zu sehen, dass mindestens (Zitat) ein „Barthaar Itos“ im Abseits war.
Da den Videoschiedsrichtern diese Linien allerdings nicht zur Verfügung stehen, sprachen selbst HSV-Skeptiker wie Hahmann und Reif von Irrsinn und kollektivem Wahnsinn, der den Rothosen das so wichtige Führungstor versagte.

Unverständlich auch für mich ist zudem die Tatsache, dass Aytekin sich die strittige Szene nicht mal selber am Monitor anschaute, sondern das Veto von Perl einfach umsetzte. Dabei hatte selbst sein Linienkollege die Fahne unten gelassen.
Ob der Videoschiedsrichter unter den gegebenen, höchst schwammig formulierten Regeln weiterhin Bestand haben sollte ist für mich äußerst fragwürdig.
Denn sollte er eigentlich dafür sorgen, dass mehr Gerechtigkeit in die Fußballwelt einzieht, sorgt er inzwischen eher Woche für Woche für mehr Diskussionsstoff und zweifelhafte Entscheidungen, die teils sogar mit zweierlei Maß gemessen werden. Für mich sieht es so aus, als ob die Schiedsrichter oft selber nicht wissen, ob sie nun eingreifen müssen oder nicht.

Müßig zu überlegen, wie das Spiel wohl gelaufen wäre, hätte Itos Tor (wunderbar herausgespielt, nach einem Zuckerpaß von Hunt) gezählt.
Fakt ist, wir kassierten sechs Minuten später das erste Gegentor und in der 77. Minute stand es dann 2:0. Das abschließende 3:0 von Alexander Meier, in der Nachspielzeit, war nur noch Makulatur und dem aus Frankfurt scheidenden Meier, während seines letzten Heimspieles, somit auch zu gönnen.

Ziehen wir ein Fazit muss man jedoch zugeben, dass der HSV, gegen sehr kompakt stehende Frankfurter, weniger Zugriff auf das Spiel hatte, als in den vergangenen Wochen. Zudem wirkte man weniger bissig am Ball und hinten blieb uns bei den Gegentoren lediglich mal wieder die so bekannte Eskortrolle über. Obwohl sich die Statistik nicht wirklich schlecht lesen lässt (Fehlpassquote 20 Prozent bei rund 60 Prozent Ballbesitz und 52 Prozent gewonnenen Zweikämpfen), gingen die Spieler bekanntlich mit drei Gegentoren vom Rasen. Es war halt nicht der Tag der Rothosen.

Aber Hamburg wäre nicht Hamburg, könnte man das letzte Spiel der Saison jetzt mal in Ruhe gucken. Nächste Woche müssen wir gegen Gladbach nicht nur gewinnen (was durch die europäischen Ambitionen der Gäste nicht unbedingt leichter wird), wir müssen zudem auf Schützenhilfe aus Köln hoffen, die auf die Wolfsburger treffen.
Wobei, ich traue den Kölner durchaus ein faires Spiel zu, um sich mit einer ordentlichen Leistung aus der Liga zu verabschieden. Zudem spielen wir zuhause. Der Volkspark wird beben.
Und sollte es letztendlich doch nicht klappen, dann haben wir uns wenigstens auch mit ordentlichen Vorstellungen in den letzten Spieltagen aus dem Fußball-Oberhaus verabschiedet.
Es ist Montag und ich habe schon jetzt eine schlimme Unruhe im Bauch. Irgendwie befürchte ich, dass wir gewinnen und auch die Wolfsburger ihre letzten Kräfte erfolgreich mobilisieren können.

Ein Wort noch zu der momentan so heiß gehandelten Trainerdiskussion. Meinen Standpunkt über eine vorzeitige Verlängerung mit Christian Titz habe ich ja bereits in der vergangenen Woche deutlich gemacht.
Erneut hat mich unser Trainer, in seinen Interviews, mit seiner unaufgeregten, sachlichen Art begeistert. Er weiß um die Situation vor dem Endspiel und man hört auch raus, dass er nicht abgeneigt wäre, in Hamburg Profitrainer zu bleiben.
Deshalb kann ich persönlich nur hoffen, dass die in einigen Medien verbreitete Ambition von Bernd Hoffmann, Roger Schmidt zum HSV zu holen, nur das übliche dumme Säbelgerassel ist und somit eine Falschmeldung, wie man hier und da bereits hört, bleibt.
In diesem Sinne wünsche ich euch eine, so weit es geht, ruhige Woche, unseren Jungs ein gutes, konzentriertes Training ohne Verletzungen, jede Menge Motivation, Christian Titz ein glückliches Händchen bei der Kaderaufstellung und allen guten Appetit beim Griechen
(mg)

Vorschau #SGEHSV

Halbfinale

Die Freude ist groß.
Aber Christian Titz hat recht, es ist noch nichts erreicht. Wir sind durch unsere Situation quasi im KO-Spiel-Modus. Wir müssen gewinnen, sonst sind wir wahrscheinlich weg vom Fenster. Darüber später mehr.

Ich höre immer wieder, daß Bernd Hoffmann sich mit der Bestellung der neuen Vorstandsposten zu viel Zeit lässt, es sei ein Vakuum an der Spitze, das dringend gefüllt werden müsse.
Ich sehe es nicht so eng.
Allerdings wird immer argumentiert, daß Bernd Hoffmann ja selber gesagt hat, er hätte während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender vermehrt darauf drängen sollen, daß der AR einen SpoDi einstellt und sich nicht so viel Zeit lässt.

Die Situation stellt sich heute aber ganz anders dar.
Die Freistellung von Bruchhagen und Todt ist gerade erst 2 Monate her und ich erwarte in etwa einem Monat die Bekanntgabe der Nachfolger.
Es war richtig die beiden freizustellen, denn in der Planung für die Zukunft hatten sie gänzlich andere Vorstellungen als der Aufsichtsrat.
Der AR liegt mit Johannes Spors, Bernhard Peters und auch Wettstein auf einer Linie, was die sportliche Philosophie des HSV angeht.

Nun sucht der AR einen Vorstandsvorsitzenden und einen Sportvorstand. Diese müssen eine gewisse Qualität haben und auch die Philosophie des HSV mit tragen. Namen möchte ich hier nicht nennen, obwohl ich so meine Vorstellungen habe, wer kommen könnte. Aber beide sind noch in ihren bisherigen Vereinen tätig.
Wir sind nicht der FCB, wir wissen uns zu benehmen.

Bis die Posten neu besetzt sind, sind deren Aufgaben auf den Rest des Staffs, wie das neudeutsch heißt, verteilt.
Und hier kommen wir zu den Unterschieden zur Situation, nach dem Ausscheiden vom damaligen SpoDi Beiersdorfer.
Erstens, der Zeitraum ist ein wesentlich geringerer.
Damals hat es fast ein Jahr gedauert, bis man den Posten zumindest provesorisch mit Basti Reinhardt besetzt hat und zwei Jahre, bis Frank Arnesen kam.
Momentan reden wir von gerade mal drei Monaten.
Zudem ist die Situation auch deshalb eine andere, weil in wichtigen sportlichen Entscheidungen auf gleich zwei Fachleute zurückgegriffen werden kann: Bernhard Peters und Johannes Spors.
Es ist also nicht ein solch großes Vakuum, wie vor 8-9 Jahren. Zwei Entscheidungen hat man ja auch schon getroffen, man hat Bates und Wintzheimer verpflichtet. Beides junge Talente, die ligaunabhängig zum HSV stoßen.
Klar hängt sicherlich noch Vieles an der Liga.
Halten wir die erste oder müssen wir doch noch runter in die zweite?

Wie gesagt, ich erwarte nach der Saison die beiden neuen Vorstände, zumindest aber den Sportvorstand.

Kommen wir zum Spiel gegen Wolfsburg:
Wir hatten zu Anfang Glück, daß Steffen seine Chance nicht macht. Über die Gesamtheit des Spiels hab ich uns aber besser gesehen und wir haben zu recht geführt, als es in die Pause ging.
Dann haben wir über Ballbesitzspiel versucht, die Wolfsburger von unserem Tor fernzuhalten.
Das hat lange Zeit gut geklappt, bis wir diesen dämlichen Freistoß gegen uns bekommen haben. Bis dahin war ich noch realtiv ruhig. Ich hatte nie den Eindruck, daß Wolfsburg uns gefährlich werden könnte.

Zum Spiel gegen Frankfurt:
Auch die Eintracht muß gewinnen, wollen sie doch schließlich noch ihre Chancen auf Europa wahren. Platz 7 müssen sie erreichen, die Konkurrenz, die um diesen Platz spielt, ist groß.

Bei der Eintracht kommen mit Prince Boateng und Rebic zwei wertvolle Spieler zurück in den Kader.
Das ist nicht gut.
Dann haben sie zwar eine Strecke mit verlorenen Spielen hinter sich, sehen aber, wie gesagt, im Spiel gegen den HSV die letzte Chance auf Europa.
Die Fans werden sie anpeitschen. Und wenn den Frankfurtern die Mittel ausgehen, werden sie mit (übertriebener?) Härte versuchen, ins Spiel zu kommen.
Es kann sein, daß es ein sehr unschönes Spiel wird.

Auf der anderen Seite gibt es den offensichtlichen Bruch zwischen Trainer und Mannschaft.
Früher eine Einheit, zwischen die kein Blatt Papier mehr passte, heute ein offenes Zerwürfnis.
Kovac ist nicht mehr voll bei der Sache. Nach der Bayernklatsche kümmerte er sich nicht um die Mannschaft, sondern ließ sich von Uli Hoeneß kroatischem Fahrer nach Salzburg zu seiner Familie fahren.
Auch hat er sich verplappert und es ist herausgekommen, daß er schon viel früher bei den Bayern unterschrieben hatte, als bisher bekannt war (schon Ende März).
Das alles kommt nicht gut bei der Mannschaft an.
Boateng und einige andere Spieler haben schon Abwanderungsgedanken, der Laden implodiert gerade.

Trotzdem weiß man nicht, ob sie für dieses eine Spiel nicht noch mal einen Burgfrieden schließen, um Europa nicht zu verspielen.
Es wird ein verdammt hartes Spiel, das unseren Jungs alles abverlangen wird.

Und, tadah … Nicolai Müller ist wieder im Kader! Das ist einen Geschichte, die mich besonders freut.
Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Frankfurt der richtige erste Gegner für ihn ist, wie gesagt, ich erwarte ein hartes Spiel.
Aber wir fahren mit 19 Spielern nach Frankfurt, es kann also sein, daß er noch im letzten Moment gestrichen wird. Der Kader umfasst für ein Spiel ja nur 18 Mann.

Und wir sind in unserer Situation zudem auch noch darauf angewiesen, daß die anderen „mitspielen“.
Mainz spielt in Dortmund, Freiburg in Gladbach (die leider unter Sperren und Verletzungen zu leiden haben).
Wolfsburg spielt gegen RaBa Leipzig, die am Sonntag gegen Mainz einen Grottenkick abgeliefert haben und denen Orban und Keita fehlen.
Hoffentlich verlieren sie alle.
Am wichtigsten wäre es, daß Wolfsburg verliert. Wenn wir gleichzeitig gewinnen, dann haben wir am letzten Spieltag alles in eigener Hand.
Das wäre psychologisch mehr als wertvoll.
Also, es bleibt aufregend beim HSV (fb)

Jetzt mit Titz verlängern? Nö!

Alle, die keine Lobeshymnen, von einer teilweise bekloppten HSVerin, mehr hören mögen, brauchen gar nicht weiterlesen.
Ich reihe mich ein in die Vielzahl derer, die seit Wochen noch immer ungläubig auf die Spiele des HSV schaut.

So wie auch gestern. Da war zum einen die Mannschaft, die man endlich wieder als eine solche bezeichnen kann. Klasse anzuschauen, wie man das ein oder andere Mal die stürmenden Wolfsburger zu zweit in die Zange und ihnen so den Ball abnahm.
Erstaunlich, dass sich mutig durchs Mittelfeld kurzgepasst wird, dass man endlich die Laufwege seiner Kollegen kennt und sich niemand für keinen Weg zu schade ist (ja, ja, ich wiederhole mich 😉)
Da ist ein Trainer, dem man seine Leidenschaft für Fußball an der Seitenlinie anmerkt. Der jeden Schritt seiner Schützlinge mitgeht und zumindest gefühlt einen halben Hamburg-Marathon in der Coachingzone zurückgelegt hat.

Herrlich unaufgeregt, sein Auftritt im ZDF-Sportstudio.
Glücklich über die überlebenswichtigen drei Punkte, die gestern mit auf den Weg nach Hamburg gingen.
Realistisch genug zu wissen, dass man noch keinen Blumenpott gewonnen, aber einen riesen Schritt in Sachen Spielentwicklung und vor allem Selbstbewusstsein getan hat.
Klar, dass man aus ihm wieder mal ein Statement zum Verbleib über das Ende der Saison hinweg, herauskitzeln wollte.
Deutlich und angemessen seine Antwort dazu. Er fühle sich in Hamburg sehr wohl, könne sich alles vorstellen (ligaunabhängig), aber das sei momentan nicht Thema. Viel mehr konzentriere man sich jetzt auf das „Halbfinale“, nächste Woche gegen Frankfurt.

Chapeau Herr Titz!

Sind es nicht die gleichen, die jetzt danach schreien, möglichst zeitnah mit dem Trainer zu verlängern, die Wochen zuvor hämisch darauf hingewiesen haben, dass es ja noch zwei Trainingsleiter auf der Hamburger Payrol gibt?
Sowohl Gisdol als auch Hollerbach haben noch einen Vertrag bis 2019, kassieren ihr Geld somit noch über 12 Monate, quasi im Schlaf.
Ein jeder, der die Situation (auch die finanzielle) in Hamburg kennt müsste wissen, dass man den Fehler, neue Trainer gleich mit langen Verträgen auszustatten, viel zu oft viel zu teuer bezahlt hat.
Titz besitzt einen Profi-Vertrag bis zum Ende der Saison. Danach, und auch das bestätigte er gestern, setze man sich in aller Ruhe zusammen und rede darüber, ob und wie es weitergehe.
Bis dahin sollte die Vorstandsreihe des Vereins aufgefüllt und auch der Posten des Sportdirektors neu besetzt sein.
Ich kann nur hoffen, dass Bernd Hoffmann, gemeinsam mit dem gesamten Aufsichtsrat, dann, in Kooperation mit dem AG-Vorstand, kluge Entscheidungen in Sachen Trainer trifft.
Der Verein gibt die Philosophie vor, der Trainer füllt sie mit dazu passenden, verpflichteten Spielern aus. So und nicht anders soll es sein.
Ich setzte auf Kontinuität. Spätestens zum Anpfiff der nächsten Saison. Ligaunabhängig.
Klar ist, dass Christian Titz (und das wohl nicht nur für mich) dabei gerne eine Hauptrolle übernehmen darf.

Kurz zum Spiel.
Liest man die Statistiken, so lagen Gastgeber und Gastmannschaft gar nicht so weit auseinander.
Da stehen sich knapp 54/45Prozent gewonnener Zweikämpfe gegenüber. Mit 80 Prozent angekommener Pässe setzten die Rothosen ihre tolle „Titz-Quote“ fort. Dass die meisten Fehlpässe von Julian Pollersbeck kamen (zehn an der Zahl, ebenso viele wie Lewis Holtby, der mit fast 13 Kilometern erneut die längste Strecke zurücklegte) spricht dafür, dass auch dieser Gegner den ruhigen Spielaufbau, zwischen den IVs und dem Torwart ausführlich videoanalysiert hat, Pollersbeck damit öfter zu langen Pässen nach vorne gezwungen wurde. Ein kleines Zuckerle für Wirbelwind Tatsuya Ito: bei ihm zählten die Statistiker null Fehlpässe.
Zudem liefen die Hamburger insgesamt fünf Kilometer mehr als die Wölfe.

Die wichtigste statistische Zahl liefert allerdings die der Torschüsse. Hier steht es 11 zu 14. Von den 14, der von Hamburgern auf den Kasten von Casteels abgegebenen Schüsse, landeten drei im Ziel.
Der erste Auswärtssieg seit 246 (!) Tagen war perfekt.
Einzig über die Standards vom ansonsten erneut fleißigen Aaron Hunt, der in der 67. Minute für Albin Ekdal weichen musste, bedürfen sichtlich weiterer Übungseinheiten.

Glück im Unglück für Filip Kostic, der den zweiten (!) Elfer des Tages, für die Hamburger, nicht verwandelte. Hier bewies Christian Titz, mit der Einwechslung von Luca Waldschmidt, ein glückliches Händchen. Er netzte im Nachschuss zum Endstand ein.
Apropos Elfmeter.
Dem seit dem 2. Spieltag glücklosen Bobby Wood den ersten Strafstoß zu überlassen, war eine der besten Ideen (wer auch immer die Entscheidung getroffen hat). Der Treffer ist hoffentlich als Brustlöser für den Amerikaner zu verstehen. Wir werden ihn in den letzten beiden Spielen, als erfolgreichen Torschützen, noch mega brauchen können!

Was bei aller Euphorie bleibt, ist die Gewissheit, dass der Spieltag noch nicht vorbei ist. Mainz spielt heute noch ein (für sie und uns) wichtiges Match gegen Leipzig.
Es werden nicht wenige sein, die erstmalig den Roten Bullen die Daumen drücken.

Wir sind bis auf zwei Punkte am Relegationsplatz dran.
Wir sind weiterhin von denen, die mit uns „da unten“ stehen, angewiesen.
Also heißt es auch weiterhin: heute feiern, morgen arbeiten und übermorgen unbedingt dem Griechen-Schwur frönen.
Ich ende mit einem Zitat unseres Trainers: „Bähm“!
Noch ist nichts verloren.
(mg)

Ein Sieg mit Herz und Kampfgeist

In Hamburg heißt es Durchschnaufen.
Mitte der Woche flatterten die Lizenzen für Liga 1 UND 2 in die Silvesterallee, gestern holte man sich drei wichtige Punkte, gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf.

Und während die einen noch das Haar in der Suppe suchen („Lizenzen sind kein Grund zum Jubeln, die sind normales Bundesligageschäft“… „das Spiel war durchzogen mit eklatanten Fehlern und Ballverlusten“…) schnuppern die anderen Morgenluft.
Und womit?
Mit Recht!
„Manchmal reicht es bei uns spielerisch nicht, um ein Spiel zu gewinnen. Dann muss der Kampf stimmen – so wie heute“, sagte Kapitän Sakai nach dem Spiel und brachte es auf den Punkt.
Denn wenn man diesen Jungs inzwischen eines nicht absprechen kann, dann ist das der Wille, siegen zu wollen.

Absehbar, dass nach fünf Wochen mal ein Gegner damit beginnen würde, das antrainierte Aufbauspiel zwischen Pollersbeck und seinen IV´s früh zu zerstören.
Das brachte wieder den ein oder anderen Ball, von hinten über das Mittelfeld, zu ungenau nach vorne, wo meist die Freiburger davon profitierten.
Das wiederum sorgte für eine enorme Fehlpassquote in der 1. Halbzeit und für Pollersbeck (der ein klasse Spiel machte) viel zu viele Möglichkeiten, sein Können unter Beweis stellen zu müssen.
Den schnellsten Sprint des gesamten Spiels dürfte einer der Betreuer für sich beanspruchen, als man auf der Ersatzbank feststellte, dass für Matti Steinmanns blutverschmiertes Trikot kein Ersatz bereit lag. Steinmann hatte in der 28. Minute einen Ball auf die Nase bekommen und durfte mit dem Shirt nicht mehr auf den Rasen. Quälend lang erscheinende vier Minuten in Unterzahl, in der die Freiburger ordentlich aufdrehten, war das Lehrgeld für alle Beteiligten, denen sowas ab sofort wohl nicht nochmal passieren dürfte.

In Minute 35 schnellte der Blutdruck der Hamburger Fans in ungesunde Höhen. Nach dem Motto „nimm du ihn, ich hab ihn sicher“, zeigte sich speziell Gideon Jung sehr zuversichtlich gegenüber seinem Torhüter, der gleich dreimal hintereinander Spitzenreaktionen zeigen musste, um den Führungstreffer der Gäste zu vermeiden. Die Rothosen wirkten verunsichert.

Irgendwie brachte man die erste Halbzeit ohne Gegentor rum und erhielt in der Kabine wohl eine an die Freiburger Störmaschine angepasste Marschroute von Christian Titz.

In der 54. Minute belohnte sich Lewis Holtby, der weder unter Gisdol noch unter Hollerbach eine Chance hatte, für seine wohl guten Trainingsleistungen und sein Durchhaltevermögen, indem er das dritte Tor in fünf Spielen unter Titz schoss.
Wie tief der Frust, gegen die Medien, die ihn längst abgeschrieben hatten, doch berührt haben muss, zeigte sich im Anschluss an den Schlusspfiff in der Mixedzone. „Die Lusche hat wieder getroffen“, gab er einem BILD-Reporter mit auf den Weg, der ihn unlängst wohl als solch eine bezeichnete.
Unter Christian Titz ist für mich nicht nur eine frischere Spielweise und ein enormer Teamgeist erkennbar. Auch ein Lewis Holtby, der übrigens mit fast 13 zurückgelegten Kilometern laufstärkster Spieler war, ist wieder aufgeblüht.
Das Quentchen Selbstsicherheit wünscht man sich jetzt noch für Bobby Wood, der in der 90. Minute das 2:0 vergab. Er zögerte, nach einem einsamen Spurt über rechts viel zu lange, bevor er sich dazu entschloss, nicht selber zu netzen, sondern den Ball zum aufgerückten Kostic rüberzulegen. Der traf dann letztendlich nur noch direkt den gegnerischen Keeper.

Für den Aufreger im Spiel sorgte jedoch mal wieder der Schiedsrichter, als er in der 71. Minute die Gelb-Rote Karte gegen Caglar Söyüncü zog, der kurz zuvor Kostic zu Fall brachte. Für mich eine Kann-Karte. Allerdings mit Auswirkung für die Gäste, die über 20 Minuten in Unterzahl spielen mussten.
Christian Streich wirkt in den Pressekonferenzen inzwischen auf mich, als würde man ihn regelmäßig unter Schlafmittel setzen. Er hadert nicht mehr mit dem Schicksal, bleibt ruhig, ja fast phlegmatisch und ergibt sich mit dem Hinweis, dass es eben eine Schiedsrichter-Entscheidung gewesen sei.

Statistisch gesehen, brachte die 2. Halbzeit die Werte wieder auf Titz-Niveau. Fast 80% angekommene Pässe, rund 56 Prozent Ballbesitz und 53 Prozent gewonnener Zweikämpfe standen letztendlich zu buche.
Erneut bleibt festzustellen, dass uns zu oft eine Anspielstation, für die inzwischen durchaus ankommenden Pässe von außen, in der Box fehlt.
Das war insbesondere in der 1. Halbzeit gut zu sehen.
Da nicht zu erwarten ist, dass sich daran noch viel ändert, werden auch die kommenden drei Partien zum Großteil über Kampf und Wille entschieden werden müssen.
Ich traue Christian Titz durchaus zu, den Spannungsbogen hoch genug halten zu können, um die Aussicht auf das Wunder von der Elbe am Leben zu erhalten.
Einen Hinweis darauf gab Holtby in einem Interview: „Psychologisch gesehen wäre ich jetzt lieber der Jäger als der Gejagte“, sendete er Richtung Wolfsburg.

Allerdings ist der 31. Spieltag auch für den HSV noch nicht vorbei. Heute spielt Augsburg gegen Mainz. Ein Sieg der Puppenkiste wäre aus Hamburger Sicht wünschenswert.
Und kommenden Samstag haben wir dann das nächste Endspiel gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf vor der Brust. Leider spielen wir gegen Wolfsburg auswärts. Denn auch gestern bewiesen sich die Fans im Volkspark erfolgreich als 12. Mann, der uns in Niedersachsen ein wenig fehlen wird.

Bis dahin heißt es #Hamburglebt, allen Haar-in-der-Suppe-Suchenden zum Trotz!
(mg)

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